Mehr Licht für „Raritäten“

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Der Landschafterhaltungsverband Ostalb sorgt mit Baumeinschlag am Hang zum Wental für mehr Licht als Grundlage seltener Pflanzen: (v.l.) Geschäftsführer Ralf Worm, Jeremias und Moritz mit Vater und Revierförster Christof Bosch sowie Forstwirtin Nicola Wiedenmann (Forst BW).
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Der Landschafterhaltungsverband LEV Ostalb sorgt beim Wental durch Baumfällungen für mehr Licht am Boden zugunsten seltener Pflanzen.

Bartholomä/Essingen

Wo es vor hundert Jahren noch gar keine Bäume, sondern nur Heide gab, präsentierten sich inzwischen immer mehr stattliche Fichten am Hang zum Eingang des Wentals. Ein Umstand, der ohnehin seltene Pflanzen am Boden noch mehr verdrängt durch breites Astwerk und damit einhergehender Verschattung. Hier setzte der Landschafterhaltungsverband LEV an und sorgt durch Baumfällungen wieder für Licht am Boden. Als Geschäftsführer erklärte am Dienstag Ralf Worm mit Vertretern des Forstes die Maßnahme, die im Frühjahr im Auftrag des Regierungspräsidiums durchgeführt worden ist. Jetzt können sich so wieder floristische „Raritäten“, wie es Worm bezeichnet, gen Sonne strecken. Etwa das Hundsveilchen, das ein sicheres Zeichen dafür ist, wie sauer der Boden im Wental ist. Auch Arnika soll nun wieder wachsen können. Oder auch das Sandglöckchen.

Große Vielfalt

Wer sich von Bartholomä aus dem Wental nähert, dem war bis zum Frühjahr durch ein Fichtenwäldchen die Sicht aufs Tal versperrt. Jetzt gibt es freien Blick auf das Felsenmeer, da rund 100 eng gewachsene Fichten entfernt wurden. Revierförster Christof Bosch beschreibt, dass für diese Maßnahme in unmittelbarere Nähe zur Straße eine Sperrung erfolgen musste. Da nun die Bäume entfernt wurden, kann sich dort ein Magerrasen ausbreiten. Überhaupt, schildert der Revierförster, dass noch vor 100 Jahren in diesen Bereich kaum Bäume zu finden waren, wie alte Bilder aufzeigen. Zusätzlich zu dem kleinen Fichtenwäldchen wurden zudem rund 100 Solitärfichten entfernt. So können die Sonnenstrahlen nun ungehindert von verschattendem Astwerk den Boden erwärmen. Und so den Raritäten aus dem Tier- und Pflanzenreich wieder einen Lebensraum bieten. Ralf Worm informiert, dass unter anderem der schwarzfleckige Heidegrashüpfer und vieles Getier mehr wieder einen artgerechten Platz finden kann. „Hier gibt es eine hohe Biodiversität auf kleinem Raum“, verweist er auf die Qualität des Naturschutzgebietes Wental. Rund 2500 Euro wurden in die Baumfällaktion durchs Regierungspräsidium investiert.

Das Felsenmeer schützen

Auch im Wental selbst werden aktuell Maßnahmen gemacht. Es gilt, Felsen durch eine Umzäunung vor Kletteraktionen der Besucher zu schützen. Unter anderem wachsen dort seltene Moose, manche kommen laut Worm eigentlich nur im Alpenland vor. Jedoch macht Worm auch deutlich, dass Raum für die Naherholung garantiert wird. Revierförster Christof Bosch weiß, dass die Tagesgäste aus einem Umkreis von bis zu 80 Kilometern ins Wental anfahren.

Wie die Lüneburger Heide

Die Vegetation ist in diesem Jahr rund drei Wochen hinter der Zeit, das heißt durch die kalten Temperaturen im Frühjahr lassen sich die Blumen noch etwas Zeit. Man darf gespannt sein, wann sich dank der Aktion des LEVs erste, seltene Arnika auf den Flächen zeigen werden. Oder auch die Färberscharte. Und die Erika-Heide ihre blassvioletten Blüten zeigt. Eigentlich wachsen diese so üppig nur im hohen Norden. „Das ist hier die kleine Lüneburger Heide“, stellt Ralf Worm zwinkernd fest. „Die Vegetation ist hier völlig anders als im Rest der Schwäbischen Alb.“

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