B 29 in Mögglingen: Zentimeter-Arbeit mit dem Traktor

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Enge Kiste: Wenn Rudi Wahl mit seinem Traktor vom Sternhof über die Brücke an der neuen B 29 will, hat er nicht selten Gegenverkehr. Aber auch ohne die Radler sei die Brücke viel zu schmal geplant und gebaut worden, meint der Landwirt.
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Wirtschaftswege und Brücken rund um Mögglinger B-29-Südumgehung sind nach Ansicht von Landwirten zu schmal, dazu kommt der Radverkehr. Das Regierungspräsidium nimmt Stellung.

Mögglingen

Rudi Wahl steuert seinen Traktor samt Anhänger um die Kurve, haarscharf schrammt das Gefährt am Geländer vorbei. Es ist Zentimeter-Arbeit. Dann will der Landwirt auf die Brücke einbiegen. Geht aber nicht – weil ihm zwei Radfahrer entgegenkommen. Was jetzt?

Situationen wie diese erleben sie oft, erzählen Rudi und Marianne Wahl. Das Ehepaar lebt im Sternhof, einem Gehöft im Westen Mögglingens. Durch den Bau der B-29-Ortsumgehung hat sich in ihrem (Arbeits-)Alltag einiges verändert. Bei dem Straßenneubau wurden auch die Wirtschaftswege für die Landwirte mitsamt Brücken über die Bundesstraße neu angelegt. Wirklich glücklich sind sie damit nicht.

Die Brücke, die die Wahls am häufigsten benützen, trägt die Bezeichnung Bauwerk 4. Sie ist die direkte Zufahrt zum Sternhof. Wenn größere Lastwagen zum Anliefern kommen, müssen sie einen Umweg über Böbingen fahren, weil die Brücke zu schmal ist. Mit größerem Gerät als dem Traktor, zum Beispiel Mähdreschern, wird es auch sehr heikel, schildert Marianne Wahl. Ein Lastwagen ist an einem Geländer schon hängen geblieben und musste abgeschleppt werden. Am Bordstein der Brücke ist Reifenabrieb zu sehen. Außerdem führt der offizielle Remstal-Radweg ausgerechnet über diese Brücke, berichtet Marianne Wahl. Da komme es oft zu gefährlichen Situationen – vor allem mit den schnellen E-Bikes.

Besonders ärgerlich für die Landwirte: Eine Brücke etwas weiter im Osten, das sogenannte Bauwerk 6, ist deutlich breiter als die Brücke zum Sternhof. Theoretisch geht es also, meinen die Landwirte. Nachvollziehen können sie aber nicht, warum ausgerechnet diese Brücke so breit ist. "Die führt nirgends hin, hier ist kein Hof", sagt Klaus Hudelmaier. Der ehemalige Gemeinderat ist ebenfalls Landwirt und unterstützt die Wahls in dieser Angelegenheit.

In der Sitzung vor der Sommerpause hat Marianne Wahl das Thema in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats angesprochen. "Saublöd ist es dahinten", bestätigte Bürgermeister Adrian Schlenker.

Er wolle das Thema, das im Regierungspräsidium durchaus bekannt sei, dort noch einmal anzusprechen. Aber: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ihre Brücke, die sie erst vor zwei Jahren gebaut haben, ändern werden."

Die Gmünder Tagespost hat dem Regierungspräsidium einen Fragenkatalog zu den Wirtschaftswegen an der B-29-Südumgehung geschickt. Lisa Schlager von der Pressestelle antwortet Folgendes:

Wie bewertet das Regierungspräsidium (RP) die Verkehrssituation der Wirtschaftswege rund um die Ortsumgehung Mögglingen grundsätzlich?

Die Lage und Höhe der Wirtschaftswege sowie die vor Ort vorhandenen Kurven und Radienfolgen ergeben sich aus den örtlichen topografischen Gegebenheiten. Die Wirtschaftswege wurden dabei entsprechend der gültigen Regelwerke geplant und gebaut.

Sind der Behörde Unfälle in diesem Bereich bekannt?

Dem Regierungspräsidium (RP) sind keine Unfälle oder gefährliche Situationen in diesem Bereich bekannt oder gemeldet worden. Lediglich bei Bauwerk 14 wurde ein kleinerer Anfahrschaden eines Transporters an einem Geländer gemeldet, der anschließend wieder instand gesetzt wurde.

Sind dem RP bezüglich der geschilderten Brücken Beschwerden von Landwirten bekannt?

Dem RP sind keine offiziellen Beschwerden von Landwirten oder Behörden vor Ort bezüglich der Brückenbauwerke bekannt.

Eine Verbreiterung ist nicht möglich.

Lisa Schlager, RP-Pressestelle

Warum wurden die Brücken so gebaut, wie sie sich jetzt darstellen?

Grundlage für den Bau der Brücken bildet die Richtlinie für den ländlichen Wegebau (RLW). Gemäß der zum Zeitpunkt des Planfeststellungsbeschlusses von 27. September 1999 geltenden RLW 1999 weisen einstreifige Wirtschaftswege eine Breite von 3,00 Meter zuzüglich 0,75 Meter breite Seitenstreifen auf. Auf Brücken ist ein Querschnitt mit 3,50 Meter sowie jeweils 0,75 Meter Schrammbord mit Geländer vorgesehen. Die lichte Breite zwischen den Geländern beträgt hierbei 4,50 Meter. Diese Vorgaben wurden bei der Planung und der anschließenden Umsetzung berücksichtigt.

War bei der Planung klar, dass über BW 4 auch der offizielle Radweg verlaufen wird?

Dies war zum Zeitpunkt der Planfeststellung nicht bekannt. Im Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 1999 wurde das Thema Radverkehr jedoch auch grundlegend mit berücksichtigt. Nach damaligem Kenntnisstand wurde festgestellt, dass ein gefahrloses Fahren für den Radverkehr möglich sei.

Sind die Brücke und der Weg nach Ansicht Ihrer Behörde dafür geeignet und diesbezüglich ausgebaut?

Für eine Begegnung zwischen Traktor- und Radverkehr ist die Brücke 4 nicht geeignet. Hier muss jeweils gewartet werden bis ein Fahrzeug den Brückenbereich passiert hat. Die anschließenden Wege weisen unter Benutzung der Seitenstreifen eine ausreichende Breite für den Begegnungsfall Traktor/Rad auf.

Warum ist die Brücke BW 6 breiter als die Brücke BW4?

BW 6 überführt einen Wirtschaftsweg mit Hauptwegcharakter. Das bedeutet, dass der Weg frequentierter ist, als andere Wirtschaftswege. Aus diesem Grund hat BW 6 eine lichte Breite von sechs Meter zwischen den Geländern.

Warum gibt es im Bereich von BW 9 parallel zur Bundesstraße Richtung Osten keine Schutzplanken?

Gemäß der gültigen Regelwerke sind hier keine Schutzplanken erforderlich. Laut Regelwerk sind hierzu verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, unter anderem die Verkehrsbelastung oder auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge in diesem Bereich.

Sieht das RP eine Möglichkeit, die geschilderte Situation baulich zu verbessern?

Die Brücken wurden nach den geltenden Richtlinien und Vorschriften entworfen und gebaut. Eine bauliche Verbesserung im Sinne einer Verbreiterung an dem fertiggestellten Bauwerk ist durch die vorgegebene Geometrie und Statik nicht möglich.

Für das Ehepaar Wahl und Klaus Hudelmaier sind diese Antworten des Regierungspräsidiums "nicht zutreffend und nicht zufriedenstellend". Sie wollen sich nun um einen Termin mit Behördenvertretern vor Ort bemühen.

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