Chorprobe mit Campingatmosphäre

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„Was nimmt man nicht alles auf sich, um wieder singen zu dürfen.“ Die begeisterten Akteure der Good Voices hatten die Campingstühle ausgepackt und sich zur „Hofarbeit“ an der Limesschule eingefunden.
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Wie die Gruppierungen des Liederkranz Mögglingen die Coronazeit überlebt und nun nach Monaten wieder die Chorarbeit aufnehmen. Und mit welchen Problemen dabei zu kämpfen ist.

Mögglingen

Wie alle anderen Chöre und Musikvereine auch, musste der Liederkranz Mögglingen mit seinen Chören Kids Voices, Teen Voices, Good Voices und Golden Voices, pandemiebedingt alle Live-Chorproben vor 15 Monaten einstellen. Die Good Voices traf es noch härter, denn für das letztes Jahr im März geplante und lang einstudierte Kirchen-Gospelkonzert mit Deborah Woodson waren bereits 450 Karten verkauft gewesen. „Drei Tage vor dem Konzert kam die Landesverfügung, dass keine Konzerte mehr stattfinden dürfen“, erinnert sich die Vorsitzende Sabine Kuhn.

Die gemeinsamen Chorproben aller Chöre mussten in der Folgezeit eingestellt werden. Einen Lichtblick gab es im Oktober vergangenen Jahres, als für vier Wochen Proben in der TV Mögglingen-Halle abgehalten werden durften. Die Freude währte aber nur kurz, bereits im November kam der Lockdown, auch bei den Mögglinger Sängern hieß es „nichts geht mehr“.

Gemeinsam mit Chorleiter Patrik Schwefel wurde ein Online-Angebot der Singstunden ausgearbeitet, mit eher mäßigem Erfolg, meint Sabine Kuhn. Die Musik wurde nicht richtig oder zeitverzögert übertragen, es sei zwar „besser als nichts“ gewesen, aber immer noch weit davon entfernt als „gut bezeichnet zu werden“. Es blieb nichts anderes übrig, als dass Chorleiter Schwefel jede einzelne Stimmlage Part für Part absang, „die entsprechenden Sängerinnen und Sänger sangen dann am heimischen Küchentisch mit“.

Ein weiterer Versuch mit einem „Profiprogramm“ endete ebenso im musikalischen Nirwana. Für die Good Voices war schnell klar. „Nichts ist besser als zusammen und live zu singen“. Klar sei auch, durch die lange Karenzzeit sind bei etlichen Sängern stimmliche Defizite entstanden, denn „eine Stimme muss ständig trainiert werden“.

Immerhin konnten acht neue Lieder für ein neues Programm auf die digitale Art und Weise einstudiert werden. Aber um die Songs klang- und kraftvoll wiederzugeben, sind mindestens 25 Singstimmen nötig. Schon deshalb ist es ein Grund zur Freude für Schwefel und Kuhn, dass die erforderliche Sängerzahl online bei der Stange blieb.

65 Sängerinnen und Sänger zählen die Good Voices, jetzt hofft Sabine Kuhn inständig, „dass wenigstens 45 Personen wieder in die Singstunden kommen“. Die derzeit niedrige Inzidenz erlaubt es den Chören, Singstunden „unter freiem Himmel“ abzuhalten. Dazu erklärt Sabine Kuhn: „Chorproben gelten als Veranstaltung. Daher ist ein entsprechendes Raumangebot nötig“. Am Montag war es so weit, die ersten Live-Proben der Kids Voices, der Teen Voices und der Good Voices waren auf dem Schulhof der Limesschule angesetzt. Unumgänglich auch hier: „die drei G – getestet, geimpft oder genesen“, erklärt Sabine Kuhn achselzuckend.

Bei den Kids und Teens wäre das kein Problem gewesen. Dank des Schulbeginns hätten alle einen Schnelltest vorweisen können. Das Problem war der Wettergott. Es mache keinen Sinn, die Kinder im Regen singen zu lassen und so eine Erkältung zu provozieren. Die Good Voices hingegen hielten sich trotz Nieselregens tapfer bei der „Hofarbeit“. Es sei „ein besonderes Gefühl, mit einem Klappstuhl zur Probe zu kommen“, sagt Sabine Kuhn. Die Sängerinnen und der einzig angetretene Sänger, Heiner Kuhn, nahmen die neue Situation mit Humor. Lieber mit Campingplatzatmosphäre als gar nicht singen, war die allgemeine Meinung. Sogar an ein „mobiles Testzentrum“ war gedacht. Aktive ohne Schnelltest konnten sich von der dafür geschulten Andrea Henzler einen Nasenabstrich nehmen zu lassen. „Was nimmt man nicht alles auf sich, um wieder singen zu dürfen?“

Das Kirchengospelkonzert wurde hingegen in Absprache mit der Konzertdirektion „aufgrund der unberechenbaren Coronalage“ auf den 14. März 2022 verschoben. Bis dahin behalten alle bereits gekauften Karten ihre Gültigkeit.

Die Stimme muss ständig trainiert werden.“

Sabine Kuhn,, Vorsitzende

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