Friseurin: Wenn von heut' auf morgen die Arbeit fehlt

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Friseurmeisterin Heike Himmer aus Mögglingen. Die 55-Jährige weiß, wie schwer es Friseurinnen und Friseure während, aber auch zwischen den Lockdowns haben. Da sie ihren Salon vorerst nicht betreiben darf, habe sie mehr Zeit für private Erledigungen und coronafreundliche Freizeitaktivitäten gefunden.
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Zwei Mal ging es für Friseure schon in den Lockdown. Heike Himmer aus Mögglingen berichtet, wie sich das auf ihr Leben auswirkt.

Mögglingen

Zwei Mal hieß es für Friseurmeisterin Heike Himmer aus Mögglingen nun schon: Salon zu, die Arbeit muss ruhen. Die 55-Jährige berichtet, wie sich die Pandemie auf ihr Leben auswirkt, welchen beruflichen Herausforderungen sie sich stellen musste und was sich in ihrem Privatleben geändert hat.

Heike Himmer ist Friseurmeisterin und betreibt in der dritten Generation einen Friseursalon in Mögglingen. Seitdem das Coronavirus weltweit um sich greift, gibt es auch für sie viel zu beachten – sofern sie öffnen darf. "Wir dürfen alles nur einmal benutzen, dann müssen wir es desinfizieren", erklärt sie. Die Umhänge fürs Haareschneiden müsse sie ebenfalls nach jeder Benutzung waschen. Masken- und Abstandsgebote stehen ebenso auf der Tagesordnung. "Keine Frage: Es ist viel beschwerlicher zu arbeiten", sagt Himmer.

Im März musste sie das erste Mal schließen. "Der Betrieb ging von Tausend auf Null", erinnert sie sich. Plötzlich war ihre Arbeit untersagt, der Betrieb auf Eis. "Ich bin es überhaupt nicht gewohnt, zu Hause zu sein", erzählt Himmer, "da fällt einem die Decke auf den Kopf". Doch nicht nur die ungewohnt freie Zeit beschäftigte sie. "Die regelmäßigen Kosten sind trotzdem da", erklärt Himmer, "darauf nimmt niemand Rücksicht". Allerdings sei der Zusammenhalt zwischen ihr und ihren acht Mitarbeiterinnen groß. "Ich kann mich zu 100 Prozent auf meine Mitarbeiterinnen verlassen."

Der Betrieb ging von Tausend auf Null.

Heike Himmer, Friseurmeisterin aus Mögglingen

Anfang Mai durfte sie den Betrieb wieder hochfahren. "Der Ansturm war enorm", sagt sie. Ihr Terminplaner sei zum ständigen Begleiter geworden. "Ich war eine Woche nur am Telefon", sagt Himmer. Vor der Pandemie habe sie monatlich konstante Umsätze gehabt. Doch seitdem Lockdowns gängige Praxis sind, fehle die Stabilität. "Es ist ein Auf und Ab." Ein Auf und Ab, das sie beschäftigt. "Da habe ich schon meine Sorgen", verrät Himmer. Umsätze, Mitarbeiter, ob es mal wieder so wird, wie vor Ausbruch des Virus – die Ungewissheit macht ihr zu schaffen.

Durch den Lockdown hat Heike Himmer mehr Zeit für Privates. Früher habe sie nur montags Zeit für persönliche Erledigungen gefunden. Die freie Zeit habe sie unter anderem ihrer Gesundheit gewidmet. "Ich habe jetzt alle Arztbesuche durch", sagt sie. Doch auch für Erfreuliches findet sie momentan mehr Zeit. "Wir haben in der Familie mehr Zeit füreinander." So gehe sie mittlerweile vermehrt Wandern und Spazieren. Für Handwerkliches und Kreatives wie Malen und Nähen habe sie mittlerweile ebenfalls mehr Zeit als vor Ausbruch der Pandemie. Auch einem guten Buch widmet sie sich gelegentlich. "Ich habe die Zeit auch genutzt, um meiner Tochter beim Umzug zu helfen", sagt Himmer.

Seit dem 14. Dezember sind nun die Türen von Heike-Himmer-Hairstyling geschlossen. "Eine lange Zeit", kommentiert sie. Doch der Blick in die Zukunft ist auch für sie ungewiss. "Ich mache mir auch Gedanken, wie es weiter geht." Sie rechnet erneut mit einem starken Ansturm, sollte ihr Salon wieder öffnen dürfen. Allerdings wundere sie sich nicht, wenn die Kundschaft nach Ende des Lockdowns geschrumpft sei. "Gerade viele Männer schneiden sich die Haare zurzeit selbst", sagt sie. Internetanleitungen machen's möglich. Bereits während der Phase zwischen den Lockdowns habe sie gespürt, dass der Umsatz zurückgegangen ist. Doch wie es auch weiter gehen mag, Heike Himmers Wunsch ist klar: "Mein altes Leben möchte ich wieder haben."

Friseurmeisterin in dritter Generation

Heike Himmer betreibt in dritter Generation den Friseursalon Heike-Himmer-Hairstyling in Mögglingen. Ihr Großvater gründete den Betrieb und übergab die Geschäftsführung an ihre Mutter, von der Heike Himmer im Jahr 2004 die Leitung des Salons übernahm, da diese einen neuen Salon auf Mallorca eröffnete. Die 55-Jährige begann 1987 ihre Friseurlehre. 1990 erwarb sie ihren Meisterbrief in der Branche. Heike Himmer ist verheiratet und hat eine 26 Jahre alte Tochter.

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