Grabungsteam: Sie lesen das Mögglinger Erdarchiv

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Katja Baumgärtner mit einer der Scherben römischen Ursprungs, die das Archäologenteam bei Mögglingen in den vergangenen Monaten aus der Erde geholt hat. Was genau das Gebäude früher war, müssen die weiteren Forschungen zeigen.
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Warum seit August ein Grabungsteam zwischen Mögglingen und Sixenhof gearbeitet hat und welche Ergebnisse die Forscher bisher vorzuweisen haben.

Mögglingen

Andreas Schaflitzl und Katja Baumgärtner stehen zwischen Mögglingen und Sixenhof und blicken auf ein Erdfeld, das von rot-weißem Absperrband begrenzt wird. Seit Anfang August war ein Grabungsteam hier zugange, bestehend aus Ehrenamtlichen und Studierenden der Universitäten Freiburg und Frankfurt, unter der Leitung von Paul Güldenstein, einem Ortskundigen, der seine Doktorarbeit über die Römer in Aalen verfasst.

Alles wieder zubaggern

An diesem Mittwoch ist Schluss, dann wird das gesamte Grabungsfeld wieder zugeschüttet. Ein normaler Vorgang bei einer Forschungsgrabung wie dieser, erläutert Schaflitzl, der als Limes-Koordinator für das Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart arbeitet. Schließlich ist das Feld an einen Landwirt verpachtet, der hier wieder aussäen und ernten will. Deshalb, und aus finanziellen Gründen, war die Grabung zeitlich begrenzt. Natürlich haben die Forscher vorher alles genaustens dokumentiert, mit Zeichnungen ebenso wie mit Fotos und einem 3D-Modell.

Illegale Sucher sind gefährlich

Der Landwirt habe schon länger vermutet, das hier was sein könnte, berichtet Schaflitzl. Wegen der vielen Steine. Bereits 2013 gab es eine Vor-Untersuchung. Dabei machten die Forscher mit speziellen Geräten eine geophysikalische Untersuchung. Anhand des Magnetfelds der Erde können sie damit Abweichungen im Erdreich erkennen. „Da war schnell klar, da ist etwas Menschengemachtes“, meint Schaflitzl. Bis aber eine Grabung starteten kann, braucht es Planungen, eine Vereinbarung mit dem Eigentümer, ein Grabungsteam und Geld. Deshalb hat es bis August dieses Jahres gedauert.

Und warum hat die Öffentlichkeit offiziell nix mitbekommen? Das liege daran, bedauert Schaflitzl, dass Grabungsorte wie diese leider vermehrt von Laien mit ihren Sonden heimgesucht werden. Problem dabei: Anders als die Archäologen, die sich vorsichtig Schicht für Schicht nach unten graben und genauestens dokumentieren, wühlen diese rücksichtlos alles auf und machen so das Grabungsfeld kaputt. Weil eventuelle Funde dann nicht mehr in ihrer ursprünglichen Schicht liegen, fehlt der gesamte Kontext. So werden die Funde für die Forschung wertlos.

Auswertung dauert länger

28 Scherben haben die Archäologen beim Sixenhof gefunden, was vergleichsweise wenig sei. Die Forscher erklären sich das vor allem mit der recht starken Erosion in dem Bereich. „Definitiv römische Machart“, sagt Schaflitzl. Was genau das Areal war, ist noch unklar. Die Forscher gehen derzeit von einem Verteidigungsbau, einem Kleinkastell, aus. Womöglich mit Anbauten und späterer Umnutzung. Klar sei, so Schaflitzl, dass die Gebäude als Steinbruch genutzt wurden. Ob schon in der Römerzeit oder erst später, könne erst die Auswertung zeigen. Dabei helfen sollen auch „Nachbarwissenschaften“ der Archäologie, wie die Geologie oder die Dendrologie. Diese können nach speziellen Methoden das Alter der Steine und der Holzkohle bestimmen. Auch hunderte von Schnecken, die das Team gefunden hat, könnten Aufschluss darüber geben, ob und wie lange bestimmte Bereiche offen lagen. Das alles könne helfen, den Zeitraum besser zu bestimmen. „Das ist akribische Kleinarbeit“, sagt Schaflitzl.

Rund einen Monat werden die Forscher mit der Dokumentation beschäftigt sein, danach geht‘s an die Auswertung. In der Regel dauere die mindestens drei Mal so lange wie die eigentlichen Grabungen, in dem Fall wohl länger. „Dann hoffen wir, die einzelnen Mosaiksteinchen zu einem Bild zusammensetzen zu können“, erläutert Schaflitzl. Im besten Fall einem Bild, das groß und deutlich genug ist, um das gesamte Bild zu erkennen.

Archäologen in Mögglingen
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