Mit Gartenschere und Zuversicht

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Der Herr der Rosen: Franz Tuschl kümmert sich seit Jahren ehrenamtlich um den Rosengarten in Mögglingen, den er mit Karl Unrath angelegt hat für die Remstalgartenschau.
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Wie Franz Tuschl aus Mögglingen der Pandemie die kalte Schulter zeigt. Er ist einer von 15 Ehrenamtlichen, die sich um die öffentlichen Gärten kümmern.

Mögglingen

Ein herrlicher Duft begrüßt die Besucher im Rosengarten nahe des Rathauses. Fachkundig hat im Jahr vor der Gartenschau Karl Unrath die unterschiedlichsten Rosen herausgesucht und gemeinsam mit Franz Tuschl Pflanze für Pflanze im Rosengarten gesetzt. Das war 2018. Auch im Pfarrgarten, beim Kirchplatz und an vielen anderen Orten sorgten fleißige Hände dafür, dass kleine Grünoasen entstanden und im Jahr der Gartenschau die vielen Gäste begeisterten.

Ein Einsatz, den die Gemeinde nicht finanziell hätte stemmen können, hätten sich nicht so viele Ehrenamtliche gemeldet. Doch man kennt es aus dem heimischen Garten: Blumen brauchen Aufmerksamkeit, müssen zurückgeschnitten werden und brauchen stetiges Gießen und Pflege. Während andere Remsgemeinden die grünen Oasen so manches Mal nur temporär angelegt hatten, blieben diese idyllischen Orte in Mögglingen erhalten. Denn rund um Irmgard Sehner hat sich ein Team gebildet, dass sich auch heute, Jahre nach der Gartenschau, weiterhin liebe- und mühevoll um das Geschaffene kümmert.

Er kennt die Namen der Züchter

Wer dem Rosengarten einen Besuch abstattet, trifft so etwa nicht selten auf Karl Unrath oder eben Franz Tuschl. Mit seiner Latzhose, seinem Sonnenhut und der Rosenschere in der Hand, nimmt er sich der blühenden Schönheiten an. „Hier vergeß‘ ich alles. Auch die Pandemie“, sagt er. Seine Augen blitzen unter der Hutkrempe, während er die einzelnen Rosen beim Namen nennt. Etwa die wundervolle „Gloria Die“, die mit sattgelber Farbe und einem gigantischen Duft die Sinne betört. Wenn der 79-Jährige, der einst nach dem Krieg aus dem Böhmerwald über Umwege nach Mögglingen kam, von den Rosen redet, ist er in seiner Welt. Fachkundig sorgt er dafür, dass die verblühten Teile abgeschnitten werden. Damit sich nach gut zwei Wochen eine neue Blütenpracht zeigen kann. Er kennt bei vielen Rosen sogar die Namen der Züchter. Kein Wunder, hat er doch seine Ausbildung in der örtlichen Baumschule absolviert. Die Flora hatte es ihm schon immer angetan. Allerdings machte ihm die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung und er musste umsatteln in die Verwaltung. Wo er bis zu seiner Pensionierung arbeitete. Aber die Blumen haben ihn dennoch auf seinem bisherigen Leben begleitet. Klar, es gibt auch einen eigenen Garten. Da hat allerdings Gattin Gertrudis die Oberhand. Sie kümmert sich auch ehrenamtlich um den Staudengarten, gegenüber des Rosengartens. Und da gibt es noch andere Grundstücke, in denen die Tuschls für Blütenpracht sorgen.

Momentan sammelt Tuschl die abgeschnittenen, verblühten Rosen sorgsam. „Diese sollen zur Herstellung von Parfüm verwendet werden“, berichten er und Irmgard Sehner. Es kam eine Anfrage von einer Dame aus Mexiko, die durch Bekannte in Mögglingen auf den Rosengarten aufmerksam wurde. „Dann haben sie auch nach ihrer Blühzeit einen Sinn“, freut sich Tuschl übers Interesse.

Kein Gift für die Rosen

Erleichtert stellt er zudem fest, dass die vielen Regenfälle in der Vergangenheit den Rosen nichts anhaben konnten. „Es ist ein richtiges Rosenjahr“, freut er sich, dass es wenig Schädlingsbefall gibt. Und wenn sich doch kleine Plagegeister zeigen, rückt er ihnen mit alten Hausmitteln zu Leibe. Etwa Wasser und Seifenlauge. Gift wird keines versprüht. Das ist ihm wichtig. Schon bückt er sich und knipst wieder eine verblühte Rose ab. So zeigt er Corona die kalte Schulter. „Hier vergeß‘ ich die Zeit, das ist keine Arbeit für mich“, versichert er. Das Lächeln, das bei der Gartenarbeit seine Lippen umspielt, ist der Beweis.

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