Mögglingen will Bahnhofssanierung

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Bahnhof Mögglingen: Wie Jan Freitag von der „DB Station &Service“ dem Gemeinderat berichtete, will die Bahn die beiden Bahnsteige erhöhen, um einen ebenerdigen Zugang zu gewährleisten. Dazu müssen die Steige neu gebaut werden.
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Bahn bietet an, bei einem Programm unter Beteiligung des Landes und der Gemeinde für barrierefreien Zugang zu den Zügen zu sorgen. So entschied der Gemeinderat am Freitagabend.

Mögglingen

Barrierefrei zu den Gleisen in Mögglingen? Wer vom Parkplatz auf Gleis 2 will, muss Treppen steigen. Genauso andersherum: Wer von Richtung Bergstraße mit einem Rollstuhl auf Gleis 1 will oder muss, weil es nämlich nur dort einen Fahrkartenautomaten gibt, muss über die Böbinger Straße um Juca vorbei einmal um den ganzen Block.

Um diese Art der Barrieren geht es der Bahn aber bei dem Förderprogramm, mit dem sich der Gemeinderat am Freitag beschäftigte, aber nicht primär. Sondern darum, ebenerdig vom Bahnsteig in den Zug zu kommen. Um die Angleichung der Bahnsteige also. Wie Jan Freitag von der „DB Station &Service“ berichtete, wolle die Bahn die beiden Bahnsteige mit zwei Neubauten erhöhen, um dies zu gewährleisten. Zudem soll es drei Rampen zu den Gleisen geben, von Norden, vom Parkplatz und vom Bahnhofsvorplatz. Auf die neu gebauten Bahnsteige komme neuer Pflasterbelag und Hilfen für Sehbehinderte. Insgesamt werde der Bahnhof dadurch „deutlich aufgewertet“. Optional biete die Bahn, bei den Bauarbeiten gleich Aufzugsschächte mitzubauen. Wohlgemerkt, nur die Schächte. Die Aufzüge als solche seien erst ab 1000 Reisenden pro Tag möglich (im Jahr 2020 waren es 743).

Die Bahn rechnet mit Kosten von knapp sieben Millionen Euro. Die Gemeinde Mögglingen müsste sich mit 80 Euro pro Einwohner, also rund 340 000 Euro, beteiligen. Der Zeitplan der Bahn sieht den Umbau für die Jahre 2028/2029 vor.

Die Diskussion

Marc Hudelmaier hatte ein „Störgefühl“ bei einem Paragrafen des Vertrages, wonach die Gemeinde auch bezahlen müsste, wenn die Bahn das Vorhaben abbreche. Dies könne man noch ändern, so Jan Freitag, was Bürgermeister Adrian Schlenker in den Beschlussvorschlag übernahm. Ohnehin habe die Bahn aber ja ein großes Interesse daran, das Projekt zu verwirklichen.

Jürgen Deininger störte sich daran, dass es für Planung und Realisierung jeweils einen extra Vertrag gebe. Dies sei deswegen so, weil die Planung nur Bahn und Gemeinde betreffe, bei der nächsten Phase aber auch das Land involviert sei und die Bauausführung auf ebenjener Planung beruhe. Klar ist laut Jan Freitag aber: „Die 80 Euro pro Bürger bleiben, auch bei Kostensteigerungen.“ Friedrich Lange fragte, warum sich Mögglingen überhaupt an einem Projekt des „gewinnorientierten, privaten Unternehmens Bahn“ beteiligen solle. Zudem würden sich Nachbargemeinden, die ja auch vom Bahnhof profitierten, nicht beteiligen. Jan Freitag verwies darauf, dass das Land die Beteiligung der Kommunen eben als Voraussetzung für das Programm festgelegt habe. „Wenn das Land das will, dann soll das Land das bezahlen“, meinte Lange dazu. Die Gemeinde stehe nun vor der Wahl: „Vogel, friss oder stirb.“ Das sei nicht befriedigend.

Das könne man so sehen, meinte auch Bürgermeister Schlenker. Entweder man sei dabei oder der Bahnhof bleibe, wie er ist.

Jakob Unrath hingegen meinte, die Bahn sei „nicht der schlechteste Vertragspartner“ angesichts der Gesamtkosten von sieben Millionen Euro und den 340 000, die die Gemeinde schultern müsse.

Nur so halb barrierefrei

Viktor Wall fragte, ob es wirklich sinnvoll sei, sieben Millionen Euro tatsächlich „nur“ für den ebenerdigen Zustieg zu den Zügen auszugeben. Auch Markus Seyfang kritisierte, dass der Zugang von Gleis 2 zum Parkplatz nur über den Umweg über die Böbinger Brücke zu haben sei. Barrierefrei sei das ja eigentlich nicht. Auf die Frage von Marc Hudelmaier, was die Aufzüge kosten würden (also nicht nur die Schächte), antwortete Jan Freitag, er gehe von knapp 500 000 Euro pro Aufzug aus.

Bei einer Gegenstimme von Viktor Wall beschloss der Gemeinderat, das Projekt Bahnhofssanierung anzugehen, einschließlich der optionalen Aufzugsschächte.

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