Mögglinger Praxisteam fast startklar

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Die beiden Ärzte Janja Jarek (Dritte von links) und Julian Seitzer (Zweiter von rechts) freuen sich gemeinsam mit Bürgermeister Adrian Schlenker und ihrem gesamten Praxisteam auf den Start in der Mögglinger Bahnhofstraße 21.
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Das von der Gemeinde als GmbH geführte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) soll im November für Patienten öffnen. Was derzeit läuft und was noch zu tun ist.

Mögglingen. Das Schild neben dem Eingang verkündet es schon: In der ehemaligen Praxis Dr. Herbst in der Bahnhofstraße 21 wird bald wieder ein Ärzteteam für seine Patienten sorgen. Auch im Inneren sieht es schon ganz nach Praxis aus, es gibt eine Empfangstheke, ein Wartezimmer, Räume mit der Aufschrift „Labor“ und Untersuchungszimmer. Patienten sucht man noch vergebens. Aber nicht mehr lange, verspricht Mögglingens Bürgermeister Adrian Schlenker, der vorübergehend auch Geschäftsführer des „Medizinischen Versorgungszentrum“ ist (siehe Kasten): „In der ersten Novemberwoche wollen wir loslegen.“

Nicht, dass die Gemeinde und die beiden Ärzte, Janja Jarek und Julian Seitzer, bislang nichts zu tun gehabt hätten. Hauptziel sei immer gewesen, die ärztliche Versorgung im Ort zu garantieren. Vom Modell MVZ, das die Gemeinde selbst als GmbH betreibt, mussten zunächst sowohl Gemeinderäte als auch Landkreis und Kassenärztliche Vereinigung überzeugt werden. Das Mögglinger MVZ sei erst das zweite dieser Art in Baden-Württemberg, betont Adrian Schlenker. „Das ist alles langsam gewachsen“, meint Julian Seitzer.

Rund 400 Patienten seien bereits angemeldet. Die Nachfrage, bestätigt Ärztin Janja Jarek, sei auf jeden Fall da. Es gebe Patienten, die bislang noch keinen Hausarzt hatten, dann welche, die bislang eine weitere Anfahrt hatten oder auch andere, deren Arzt auf absehbare Zeit aufhören wird. Die Rückmeldungen aus der Region seien jedenfalls sehr positiv, berichtet Adrian Schlenker. „Ich höre oft, Gott sei Dank macht ihr da in Mögglingen jetzt was!“. Anmelden darf sich grundsätzlich jeder und von einem etwaigen Aufnahmestopp sei man zumindest derzeit noch weit entfernt, betonen die Mediziner.

In dieser Woche ist die Computerfirma da, es gilt, die Geräte an die Software und das IT-System anzuschließen. Außerdem fehlen noch die Laborausstattung und die Verbrauchsgegenstände, von der Spitze bis zum Tupfer, sagt Julian Seitzer. Auch die Stühle fürs Wartezimmer werden noch geliefert. Für die medizinischen Fachangestellten, eine Vollzeitkraft und vier Teilzeitangestellte, steht eine Computerfortbildung an. Außerdem müssen sie überlegen, wie sie die Sprechstunden organisieren, den Tagesablauf strukturieren und die Zuständigkeiten verteilen. Der letzte Knackpunkt sei die Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Der Zulassungsausschuss tage am 28. Oktober. Eine Formalität zwar, aber eine wichtige. Denn ohne Zulassung keine Betriebsstättennummer. „Ohne die kriegen wir nicht mal das Papier für die Rezepte“, erläutert Janja Jarek.

Die Mediziner freuen sich, wenn sie organisatorischen Dinge hinter sich haben und mit ihrer eigentlichen Arbeit starten können. Hauptvorteil beim MVZ sei eben, dass ein Großteil der Bürokratie extern ausgelagert werde. Zwei Ärzte könnten die Arbeit gut verteilen. Und dennoch können sie sich, was Ausstattung und Arbeitsweise betrifft, selbst mit eigenen Ideen einbringen, meint Janja Jarek.

Gott sei Dank macht ihr da in Mögglingen was!“

Adrian Schlenker,, Bürgermeister
  • Was ist ein MVZ?
  • Die Gemeinde Mögglingen beschäftigte sich laut Bürgermeister Adrian Schlenker seit vielen Jahren mit der Frage, wie Mediziner am Ort gehalten werden könnten. Es habe bei den Gesprächen immer wieder zwei Hindernisse gegeben: Zum einen wollte kein Mediziner alleine selbstständig praktizieren. Zum anderen die Bürokratie und der Papierkram. Beide Hindernisse könnten mit dem MVZ beseitigt werden.
  • Das Medizinische Versorgungszentrum ist organisiert als GmbH, bei der die Gemeinde zu 100 Prozent Eigentümer ist. Die Ärzte sind dort angestellt. Das alltägliche Geschäft soll freilich baldmöglichst ein externer Geschäftsführer übernehmen. Die Gespräche dafür laufen derzeit, so Bürgermeister Adrian Schlenker. In einer GmbH musste die Gemeinde eine sogenannte schutzschuldnerische Bürgschaft aufnehmen, was laut Kommunalrecht eigentlich nicht erlaubt ist. „Da hatten wir lange Verhandlungen mit dem Landratsamt. Letztlich haben wir aber mit unserem Konzept überzeugt“, so Adrian Schlenker.
  • In Baden-Württemberg gebe es seit einem Jahr erst ein solches kommunales MVZ, nämlich in Bad Säckingen. „Die schreiben schwarze Zahlen. Das stimmt mich zuversichtlich“, so Adrian Schlenker. dav

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