Streik für mehr Lohn in Mögglingen

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Knapp 50 Beschäftigte bei „Lekkerland“ legen am Mittwoch ihre Arbeit nieder. Das sind ihre Forderungen und das Angebot der Arbeitgeber.

Mögglingen

Mittwochvormittag vor dem Betriebsgelände der Firma „Lekkerland„ in der Ziegelfeldstraße in Mögglingen: Menschen mit Warnwesten stehen rund um einen Pavillon mit einem roten Dach, darauf die Aufschrift „ver.di“. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft hat zum Streik im Groß- und Außenhandel aufgerufen. Bis zu 47 Mitarbeiter sind dem Aufruf nach Angaben der Gewerkschaft in Mögglingen gefolgt. Seit 1.30 Uhr in der Nacht auf Mittwoch harren sie aus. „Aber wir sind nicht allein“, betont Betriebsratsvorsitzender Peter Schur. Mitarbeiter der Lekkerland-Standorte in Köln, Oberhausen und Mannheim hätten sich in den vergangenen Tagen auch schon „solidarisch“ gezeigt. „Wir haben viele Bekundungen aus ganz Deutschland bekommen“, sagt Peter Schurr. Wobei er Wert darauf legt, dass die Auseinandersetzung keine persönliche Sache sei. In Mögglingen gebe es Kollegen, die seit vielen Jahren bei Lekkerland, das zu Rewe gehört, arbeiten. „Das hat nichts mit der Firma als solcher zu tun“, so Schurr.

Womit es zu hat, erläutert Gewerkschaftssekretär Rainer Dacke: Die Tarifverhandlungen für den Groß- und Außenhandel liefen seit 31. März. Es habe vier Verhandlungsrunden gegeben. Die Gewerkschaft fordert für die beschäftigten eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent, mindestens aber 150 Euro. Die Ausbildungsvergütung soll um 100 Euro steigen. Dazu soll es einen tariflichen Mindestlohn von 12,50 Euro geben, die Laufzeit soll ein Jahr betragen. Darüber hinaus strebt die Gewerkschaft die „Allgemeinverbindlichkeit“ der Tarifverträge an. Die Arbeitgeber wollten nämlich gerne „differenzieren“, meint Dacke. Das klinge erstmal gut, bedeute aber faktisch, dass jede Firma machen könne, was sie wolle. „Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit und zwar angemessen und so, dass wir unsere Familien damit ernähren können“, sagt Dacke. Betriebsratsvorsitzender Schurr bekräftigt: „Die Kolleginnen und Kollegen geben jeden Tag ihr Bestes, dass die Betriebe in Zeiten der Pandemie funktionieren. Dafür verdienen sie Anerkennung in Form einer angemessenen Entgelterhöhung, damit sie auch weiterhin ihren Lebensunterhalt trotz steigender Verbraucherpreise bestreiten können.“

Wir haben Bekundungen aus ganz Deutschland bekommen.“

Peter Schurr,, Betriebsratsvorsitzender
  • Die Positionen in den Verhandlungen
  • Nach Angaben von ver.di bieten die Arbeitgeber den Beschäftigten in diesem Jahr keine Tariferhöhung, ab Februar 2022 1,5 Prozent mehr Lohn und ab 1. Oktober ein weiteres Prozent mehr. Laut ver.di liege dieses Angebot unter den prognostizierten Teuerungsraten und würde reale Lohnsenkungen für alle Beschäftigten bedeuten. Viele Unternehmen hätten nun auf Empfehlung der Arbeitgeberverbände „freiwillige Erhöhungen“ um zwei Prozent in Aussicht gestellt. Diese lehnt ver.di ab, da diese „Vorweganhebung“ ein Versuch sei, die Streiks einzudämmen. Zudem seien sie, im Gegensatz zu einem Tarifvertrag, „nicht rechtssicher, sonder willkürlich und widerrufbar“.

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