Umsonst shoppen in Mögglingen

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Die Macherinnen des Mögglinger Umsonstlädle.
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Was sich hinter dem Schild „Mögglinger Umsonstlädle“ an der Hintertür des katholischen Pfarramts in Mögglingen verbirgt, wer die Macherinnen sind und wann man Spenden abgeben kann.

Mögglingen

Links an der Kirche Peter und Paul vorbei, durch das Gartentor in den Pfarrgarten, rein ins Gebäude, die Treppen hoch. Schon hat man die Qual der Wahl. Der Flur ist voll gepackt mit Kleiderständern, an jedem fein säuberlich auf einem Schildchen notiert, was dort hängt. Hüte, Krawatten, Jackets und Jacken für die Herren, Anoraks und Jacken für die Damen. Den Flur entlang und rechts stapeln sich bis zur Decke Boxen mit T-Shirts, Unterwäsche, Kinderkleidung. Den Flur entlang und links warten Skianzüge, Bettwäsche, Schuhe und Taschen, Brettspiele, Puzzles, Bälle und Stofftiere.

Nachhaltigkeit ist Thema

„Das ist fast ein Kaufhaus hier“, meint Monika Stanislowski. Gemeinsam mit ihren vier Mitstreiterinnen, ihrer Mutter Elisabeth sowie Kerstin Schieber-Bieg, Bea Mallok und Nicole Gerner, betreibt sie das Mögglinger „Umsonstlädle“. Das Gebäude gehört der katholischen Kirchengemeinde, Träger ist die Gemeinde Mögglingen, die die Ehrenamtlichen immer super unterstütze. Hervorgegangen ist es 2017 aus der Kleiderkammer der Möglinger Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die aufgelöst wurde, berichtet sie. Im Zuge der Flüchtlingskrise in dieser Zeit sei der Bedarf an gut erhaltenen, gebrauchten Alltagsgegenständen gestiegen. „Da war mir klar, dass wir die Kleiderkammer auf jeden Fall in irgendeiner Form weiterführen sollten, für die Menschen, die Bedarf haben. Das war uns ein großes Anliegen.“ So ist das Lädle entstanden, das es jetzt seit vier Jahren gibt. Die Corona-Pandemie hat auch dessen ehrenamtliche Arbeit ziemlich ausgebremst, jetzt wollen sie aber wieder durchstarten. Klar: Mit Maske und maximaler Personenanzahl, aber immerhin.

Kerstin Schieber-Bieg ist zum Team gekommen, als sie vor zwei Jahren etwas im Lädle abgegeben hat, erzählt sie. „Ich fand, das war eine tolle Sache und habe gefragt, ob Hilfe gebraucht wird.“ Gefragt hätten das einige, erinnert sich Monika Stanislowski. Aber dabei zu bleiben, das schafften die wenigsten. „Es ist halt schon echt Arbeit“, sagen die Frauen. Spenden entgegennehmen, sortieren, einordnen, die Kunden beraten. Aber genau das mache eben ja auch Spaß, meint Kerstin Schieber-Bieg. „Vor allem bei den Kindern ist es schön, zu schauen, was gefällt und was passt. Und wenn sie dann am Ende sichtlich zufrieden sind mit dem, was sie ergattert haben.“

Es gebe nicht die eine Zielgruppe, sagen die Frauen. Ältere fänden oft Sachen, die sonst schwierig zu kriegen seien, zum Beispiel Trachtenkleider. Die Kindergärten deckten sich mit Kleidung ein, die auch mal dreckig werden dürfe, etwa Matschhosen. Generell beobachten die Frauen einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Viele Gegenstände und Kleidungsstücke seien fast wie neu, einmal benutzt, etwa „für den besonderen Anlass“, meint Stanislowski. Mehr und mehr Leute seien einerseits daran interessiert, diese Sachen nicht einfach wegzuwerfen und andererseits bereit, im Sinne der Nachhaltigkeit, Gebrauchtes wiederzuverwenden. Zu den Anfangszeiten habe das Lädle einen Mangel bei Männerklamotten gehabt. „Vielleicht liegt das auch daran, dass Männer tendenziell ihre Sachen länger tragen“, mutmaßen die Frauen. Apropos Männer, wo sind die? „Die unterstützen uns im Hintergrund“, meinen die Helferinnen und lachen. Indem sie Kleiderständer und Regale aufbauen, Kaputtes reparieren, Kartons entsorgen. „Wir funktionieren insgesamt als Team wirklich super“, betont Kerstin Schieber-Bieg.

Wie verhindern die Helferinnen, dass die Leute ihre Müll im Lädle abladen? Das komme so gut wie nicht vor. Ganz am Anfang sei der eine oder andere Müllsack über den Gartenzaun geflogen. Mittlerweile sei angekommen, dass im Lädle nur gut Erhaltenes angenommen und das auch genau geprüft werde. „Wir sind im Gegensatz eher überrascht, wie großzügig die Mögglinger sind“, sagt Monika Stanislowski. Nur zwei Sachen gehen gar nicht: Hausrat und Dekoartikel.

Geöffnet zum Stöbern ist das Umsonstlädle freitags von 15 bis 16.30 Uhr.

Spenden abgeben kann man freitags von 16.30 bis 17 Uhr.

Auswahl im Mögglinger Umsonstlädle.
Auswahl im Mögglinger Umsonstlädle.

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