Was die Bahn in Mögglingen plant

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Barrierefrei ist anders: Bürgermeister Adrian Schlenker zeigt, dass es am Mögglinger Bahnhof Nachholbedarf gibt.
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Warum die Bahn knapp sieben Millionen Euro am Mögglinger Bahnhof investieren will und warum der Bürgermeister trotzdem noch Redebedarf hat..

Mögglingen

Die Bahn möchte in den Mögglinger Bahnhof investieren. Von knapp sieben Millionen Euro ist die Rede. „Da sagen wir natürlich nicht nein“, meint Bürgermeister Adrian Schlenker. Klar sei aber auch: „Am Ende darf’s nicht schlechter sein als vorher.“

Worum geht’s? Um Barrierefreiheit. Das leuchtet ein, denkt man. Wer vom Parkplatz auf Gleis 2 will, muss erstmal ordentlich Treppen steigen. Nicht zu schaffen, für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen. Genauso andersherum: Wer von Richtung Bergstraße mit einem Rollstuhl auf Gleis 1 will oder muss, weil es nämlich nur dort einen Fahrkartenautomaten gibt, muss über die Böbinger Straße um Juca vorbei „einmal um den ganzen Block“. Um diese Art der Barrieren geht es der Bahn aber bei dem jetzigen Förderprogramm gar nicht, wie Schlenker berichtet. Sondern darum, ebenerdig vom Bahnsteig in den Zug zu kommen. Um die Angleichung der Bahnsteige also. Denn alleine im Remstal gebe es vier oder fünf unterschiedliche Bahnsteighöhen. Die Bahn biete an, die Bahnsteige zu erhöhen. In dem Angebot heiß es: „Neubau beider Außenbahnsteige mit einer Kombibahnsteighöhe von 55 und 76 Zentimetern über Schienenoberkante, um bei einem Einsatz verschiedener Fahrzeuge immer einen stufenfreien Einstieg zu gewährleisten“.

Rampe nicht zu steil

Bisher kommt man in Mögglingen ebenerdig von der Bahnhofstraße und dem Parkplatz bis zum Gleis. Das müsse selbstverständlich so bleiben, betont Schlenker. Die neuen Bahnsteige müssen allerdings, um als offiziell barrierefrei zu gelten, nicht zu steil sein. „Wahrscheinlich geht es dann in Serpentinen hoch zum Gleis“, mutmaßt Schlenker. Oder die Rampen müssten eine entsprechende Länge haben. Reicht dazu der Platz in Mögglingen? „Wir sind als Gemeinde natürlich bereit, hier Flächen zur Verfügung zu stellen“, meint Schlenker. Im Zweifel müssten dafür eben Parkplätze wegfallen beziehungsweise woanders neu ausgewiesen werden. „Da werden wir im Gespräch mit der Bahn auf jeden Fall eine Lösung finden“, ist Schlenker überzeugt.

Zur Remstal-Gartenschau 2019 wollte die Gemeinde bereits einiges am Bahnhofsvorplatz machen, die Planung stand schon. „Warum auch immer, fielen wir aber aus der Förderung raus“, bedauert Schlenker. Finanziell war das dann nicht mehr darstellbar.

Die Gemeinde habe dann einige „Aufhübschungen“ vorgenommen, die Plexiglasdächer über den Fahrradstellplätzen erneuert, hier und da etwas frisch angestrichen, ein paar Sachen „geflickt“, wie Schlenker sagt. Funktional sei der Bahnhof ja in Ordnung, meint der Bürgermeister. Es gebe einen großen Park-and-Ride-Parkplatz mit rund 150 Plätzen. „Das passt.“ Und was ist mit den Treppen? Die Bahn zahle Aufzüge erst ab 1000 Fahrgästen pro Tag. In Mögglingen waren es im Jahr 2018 753 und in den Jahren 2019 und 2020 743 Fahrgäste. Immerhin: Wenn sie an den Bahnsteigen zugange sei, biete sie an, die Schächte für die Aufzüge gleich mit zu bauen, berichtet Schlenker.

Voraussetzung dafür, dass die Bahn investiert, ist, dass die Gemeinde sich finanziell beteiligt. Der kommunale Anteil liege in dem Programm bei 20 Prozent, jedoch maximal bei 80 Euro pro Einwohner. Auf Mögglingen kämen demnach 340 000 Euro zu. Die Entscheidung liegt beim Gemeinderat. Der wollte sich schon im November mit dem Thema beschäftigen, aus Krankheitsgründen wurde der Punkt aber aufs neue Jahr verschoben. Zeit ist noch ein bisschen: Der Zeitplan der Bahn sieht den Umbau für die Jahre 2028/2029 vor.

Am Ende darf’s nicht schlechter sein als vorher.“

Adrian Schlenker,, Bürgermeister
  • Das dreiteilige Bahnhofsmodernisierungsprogramm des Landes:
  • Das Bahnhofsmodernisierungsprogramm BMP II besteht aus drei Modulen, die bis 2029 umgesetzt werden sollen:
  • Modul I „Barrierefreie Haltestelle“ umfasst den barrierefreien Umbau von Bahnsteigen und deren Zugängen, die Sanierung von Bahnsteiganlagen und die Verbesserung von DB Stationsgebäuden.
  • Modul II „Stationsumfeld/Mobilitätsknoten“ unterstützt die Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen im Umfeld der Station (zum Beispiel Park&Ride, Bike&Ride, Bushaltestellen, Echtzeitinformationsanzeiger, E-Ladestationen und ähnliches).
  • Mithilfe von Modul III „Kommunale Stationsgebäude“ unterstützt das Land die Sanierung und dauerhafte Bereitstellung von Räumen zur Nutzung im Zusammenhang mit dem Schienenpersonennahverkehr und öffentlichen Personennahverkehr in Stationsgebäuden, die von der Bahn veräußert wurden oder werden.
  • Der Bedarf im Land ist nach Angaben des Verkehrsministeriums hoch. Rund 400 Stationen sind teilweise oder vollständig barrierefrei umzubauen. Mithilfe des BMP II könnten in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich rund 50 Stationen umgebaut werden. Die Mittel von rund 430 Millionen Euro teilen sich die Bahn (200 Millionen Euro), das Land (150 Millionen Euro) und die Kommunen (80 Millionen Euro).

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