Wenn die Haut zur Leinwand wird

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Volle Konzentration: Mit lockeren Handbewegungen bringt Udo Schurr Linien, Schattierungen und Formen auf die Haut. Währenddessen muss seine "Leinwand", Redakteurin Jessika Preuschoff, ganz still sitzen.
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Udo Schurr aus Mögglingen hat den dritten Platz bei der Bodypainting-WM belegt. Die Gmünder Tagespost hat ihn in seinem Atelier besucht.

Mögglingen

Wie ein kühler Windhauch kitzelt die Farbe leicht auf der Haut. Es fühlt sich angenehm an. Die Airbrushmaschine zerstäubt die blaue Farbe in einen Sprühnebel, während eine Art Auge auf die Schulter gesprüht wird. Mit lockeren Handbewegungen bringt Udo Schurr Linien, Schattierungen und Formen auf die Haut. Das stille Sitzen ist gar nicht so leicht. Und während der Künstler seine bunten Visionen auf den Körper aufträgt, erzählt er von seinem jüngsten Erfolg.

Bereits im Februar dieses Jahres wurde den Künstlern das Thema genannt. Diesmal war es "psychedelic circus". "Sobald das Thema da ist, kann ich nicht mehr klar denken. Alles dreht sich nur noch um das Motiv und die Umsetzung", sagt der Mögglinger lachend. Dabei heraus kam ein Kunstwerk voller Farben, Formen und Symbole. "Deine Seele spricht in Form von Gefühlen zu dir, wenn äußere Einflüsse auf dich einwirken", erklärt er sein Motiv. "Dadurch entstehen Reizüberflutungen, wenn du dich ihnen hingibst und erschaffen deinen psychedelischen Kreislauf der Sinneseindrücke."

Bei der WM mitgemacht haben insgesamt 600 Künstler aus 18 Ländern. Wegen der Corona-Situation wurde daraus eine "Covid-19-Edition" mit besonderen Regeln und Vorsichtsmaßnahmen. Komplett ohne Hilfe hat Schurr ganze acht Stunden lang seine Verlobte angemalt. Ein Knochenjob für das Model: "Es macht Spaß, aber es ist sehr hart und anstrengend, weil es in den Rücken geht", sagt Jessica Fischer. Wichtig bei den filigranen Motiven ist, dass das Model komplett stillsteht, denn die kleinste Bewegung oder ein Husten kann das Bild bereits verzerren.

Und dann? Nach acht Stunden Schwerstarbeit für Künstler und Model, werden viele Fotos gemacht. Doch dann war Jessica Fischer einfach nur froh, als sie aus den hohen Show-Schuhen rauskam und den riesigen Kopfschmuck ausziehen konnte. "Dann wird das Kunstwerk unter der Dusche einfach runtergespült", sagt sie.

Ich habe das erste Mal seit zehn Jahren wieder mitgemacht.

Udo Schurr, Airbrushkünstler

Auf seinen Pokal wartet Udo Schurr noch, aber den stolz sieht man ihm und seiner Verlobten an. Der Künstler, der nicht nur Menschen als Leinwand benutzt, sondern auch Wände und Fassaden mit seinen außergewöhnlichen Motiven verschönert, hat gerade sein jüngstes Projekt fertiggestellt: einen Illusions-Boden in seinem Gmünder Atelier an der Lorcher Straße. Beim betreten des Flures muss der Besucher sich augenscheinlich über eine wackelige Hängebrücke hangeln – so scheint es zumindest.

Ob der Mögglinger Udo Schurr auch im nächsten Jahr bei der Weltmeisterschaft antritt, ist noch nicht sicher. "Wenn dann würde ich nur zum Spaß mitmachen, aber nicht im Wettkampf", sagt er. Seine Verlobte Jessica Fischer will hingegen unbedingt nochmal mitmachen und wird voraussichtlich für eine Bodypaint-Kollegin Modell stehen.

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