Vom Tennisplatz aufs Grün

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30 Jahre danach: Die Davis-Cup-Sieger von 1988 (von links) Patrik Kühnen, Carl-Uwe Steeb, Boris Becker und Eric Jelen sind im vergangenen Jahr in Bad Homburg zusammengekommen und haben über alte Zeiten geredet.
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Was macht eigentlich ... (2) Carl-Uwe Steeb: Der 52-Jährige aus Mögglingen lebt in der Schweiz und berät Sportfirmen. Parallel dazu will er sein Handicap verbessern.

Mögglingen / Palma de Mallorca

Sonne, Mittelmeer, 35 Grad: Carl-Uwe Steeb nimmt sich gerade eine Auszeit. Macht Urlaub auf Mallorca. Die Baleareninsel bezeichnet der 52-Jährige aus Mögglingen als "meine zweite Heimat". Viele Jahre hat er dort gelebt, seine beiden Söhne Luke und Jeremy sind dort aufgewachsen. Und noch heute zieht es Steeb ein-, zweimal im Jahr dort hin. "Im Moment bin ich alleine hier, relaxe und mache viel Sport", sagt er. Laufen. Golfen. Und natürlich Tennisspielen.

Zwei-, dreimal im Monat greife er noch zum Schläger. Dann spielt er mit Freunden oder auch mal mit seinen Söhnen. Und der Ehrgeiz ist noch derselbe wie früher: "Wenn ich spiele, dann will ich auch gewinnen ...", sagt Steeb. Früher, das waren die 80er- und 90er Jahre, in denen sich der gebürtige Aalener im internationalen Tenniszirkus einen Namen gemacht hat. "Charly" Steeb gewann als Profi drei Einzeltitel in Gstaad (1989), Genua (1991) und Moskau (1995). In der ATP-Weltrangliste schaffte er es hoch bis auf den 14. Platz (1990).

Legendärer Fünf-Satz-Sieg

Bekannt gemacht haben ihn aber seine Einsätze in der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Genauer: ein Match. 1988 bezwang er im Finale in Göteborg den damaligen Weltranglistenersten Mats Wilander nach 0:2-Satzrückstand mit 8:10, 1:6, 6:2, 6:4, 8:6. Steeb war damit maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich das deutsche Team mit Boris Becker, Patrik Kühnen, Eric Jelen und ihm zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs den Davis-Cup sicherte. "Auf dieses Match werde ich heute noch oft angesprochen", sagt der 52-Jährige. Und der siegreiche Schläger? Hat der einen Ehrenplatz bekommen? "Nein, das nicht. Ich habe in diesem Spiel acht verschiedene Schläger benutzt, ich weiß nicht einmal, welchen ich beim Matchball hatte ..." Aber: "Einer dieser Schläger hängt bei mir im Büro." Ohnehin erzählt Steeb, dass er von allen Schlägern, die er in seiner Karriere gespielt hat, ein Modell zuhause habe. Wobei der Ex-Profi auch sagt, dass er nicht der Typ sei, der all seine Trophäen überall präsentieren müsse.

Carl-Uwe Steeb mag's lieber ruhig. Vor vier Jahren ist er von Stuttgart in die Schweiz gezogen. Nach Unterägeri – knapp 40 Kilometer südlich von Zürich. Sein Büro hat er im zehn Minuten entfernten Zug. "Ich fühle mich hier sehr wohl", sagt er. Wobei der Geschäftsmann auch viel auf Reisen ist. Steeb ist Inhaber von "CS Consult". Die Sportberatungsfirma berät Firmen in den Bereichen Sport-Sponsoring, Kunden-Incentives, Vermarktung und Marketing. Im Moment vorwiegend im Golfsport wie beispielsweise die Vermarktung der "Porsche European Open" in Hamburg, ein Golfturnier mit gut 2 Millionen Euro Preisgeld.

"Da profitiere ich von meinem Netzwerk zu Unternehmen, das ich während meiner Karriere aufgebaut habe", sagt er. Parallel dazu hält er Vorträge bei Firmen. Da geht es beispielsweise um Teambuilding oder Motivation. Keine Frage, dass er da Sequenzen seines Wilander-Matches auspackt.

Drei-, viermal im Jahr bin ich in Mögglingen.

Carl-Uwe Steeb Ex-Tennisprofi

Wobei Corona auch den Alltag von Carl-Uwe Steeb verändert hat. Die europaweiten Geschäftstermine sind deutlich zurückgegangen. "Ich bin zweimal die Woche zu Terminen geflogen, jetzt arbeite ich vorwiegend wie viele andere im Homeoffice", sagt der 52-Jährige und fügt hinzu, dass "ich das zum Teil auch beibehalten werde". Denn: "Corona hat gezeigt, dass es auch anders geht. Dass Videokonferenzen genauso effizient sein können."

Zurück in Mögglingen

Ganz aufs Reisen kann und will Steeb allerdings nicht verzichten. Weder beruflich noch privat. Nicht auf seine zweite Heimat Mallorca (Steeb: "Palma ist ein schöner und sicherer Ort"). Und nicht auf seine Heimatbesuche. Er fährt nach wie vor regelmäßig zu seiner Mutter Doris und seinen Geschwistern Rüdiger und Heike. "Drei-, viermal im Jahr bin ich in Mögglingen." Denn auch auf der Ostalb fühle er sich wohl. "Schwäbisch Gmünd hat sich sehr positiv entwickelt", sagt er. Obwohl es ihn vorrangig nach Aalen zieht. Vielleicht auch, weil er beim TC Aalen das Tennisspielen gelernt hat. Apropos Tennis: Dass seine Söhne Luke und Jeremy keine Ambitionen hatten, Profi zu werden, sieht er gelassen: "Ich bin sogar froh, dass beide ihren Weg außerhalb des Tennis' verfolgen. So schön der Profisport ist, es schaffen leider nur wenige."

Steeb hat es geschafft. Und zu seinen ehemaligen Mitspielern ist der Kontakt bis heute nicht abgebrochen. Gelegentlich treffen sich die vier Ex-Profis und reden über alte Zeiten. Nur eines gibt es nicht mehr: Duelle untereinander. "Boris und Eric spielen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, und Patrick lebt in Dubai. Das ist im Moment auch eher schwierig ..." Zumal auch bei Carl-Uwe Steeb das Tennis nicht mehr Sport Nummer eins ist. Inzwischen steht er lieber auf dem Golfplatz. Aktuelles Handicap: 12. Das zu verbessern gilt es.

Auch da ist der Ehrgeiz ungebrochen groß.

Seine erfolgreichste Zeit: Im Jahr 1988 gewinnt Carl-Uwe Steeb aus Mögglingen mit der deutschen Mannschaft den Davis-Cup. Legendär: Sein Fünf-Satz-Sieg gegen den Weltranglistenersten Mats Wilander. Heute lebt der 52-Jährige als Selbstständiger in der Schweiz.

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