Wächter der Wege und Wurzelkinder

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Die Wächter des Mögglinger Aussichtsturms: Renate Maier, die Vorsitzende der Albvereins-Ortsgruppe, und der Mann mit dem Müllsack und Wegewart, Christoff Lucke.
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Was die Wegewarte des Schwäbischen Albvereins auch und besonders während der Pandemie leisten. Eine Wanderung bei Mögglingen mit vielen ungewollten Stopps.

Mögglingen

Wenn Christoff Lucke draußen in der Natur unterwegs ist, muss er öfters anhalten, als ihm lieb ist. Bonbonpapiere, Einweggrills, Flaschen. Der 72-Jährige hat bei seinen Touren immer einen Müllsack dabei. Lucke ist seit sechs Jahren Wegewart beim Schwäbischen Albverein Mögglingen. Halb gegessene Fertiggerichte, Schalen mit Obstresten, Coffee-to-go-Becher. Die Bewegung mache ihm viel Spaß, sagt Lucke, mit seiner Arbeit könne er das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Für ihn als Rentner sei die Aufgabe, das „kleine Muss“, Garant dafür, in Bewegung und aktiv zu bleiben. Trotzdem sei er immer wieder überrascht. Über das Ausmaß der Vermüllung, die blinde Zerstörungswut und andere „unhaltbare Zustände“, wie er sagt.

Allein im Nord-Ostalbgau kümmern sich die Wegewarte des Schwäbischen Albvereins auf über 500 Kilometern um Wanderwege. Schneiden sie frei, befestigen und erneuern Wegweiser und Schilder und sammeln die Hinterlassenschaften gedankenloser oder vorsätzlich dummer Spaziergänger ein. Hygieneartikel, Zigarettenkippen, Plastikverpackungen aller Art.

Corona habe für viele Menschen die Freizeitaktivitäten in die nähere Umgebung verlagert, beobacht Christoff Lucke. Der am stärksten frequentierte Wanderweg ist das „Grubenholz“ im Mögglinger Norden. Hier verlaufen der Fernwanderweg „Limeswanderweg“ HW6, der Remstalweg und zwei Mögglinger Rundwanderwege. Hier locken die Liberta, das Kunstwerk, das der Statue der Bürgerinitiative „B 29 raus“ nachempfunden ist, und der Aussichtsturm am Waldrand die Besucher. Hier hat der Wegewart gut zu tun.

Ein bis zwei Mal in der Woche ist Christoff Lucke in den Wäldern um Mögglingen unterwegs. Er kontrolliert auch den Aussichtsturm und kehrt dessen Sockel. Dazu hat er extra einen Besen mitgebracht. Und ihn mit einem Schloss am Turm befestigt. Einen „etwas liedrigen“, wie er sagt. So hofft er, dass dieses Putzgerät nicht dasselbe Schicksal ereilt wie den ersten Besen. Der nämlich, ob man's glaubt oder nicht, wurde geklaut.

Eine Frau mit einem kleinen Hund taucht auf dem Wanderweg auf. Klar, sagt sie, sie habe immer einen Hundekotbeutel dabei. Sie nehme diese auch mit und entsorge sie anständig. Christoff Lucke bestätigt, dass Hundekotbeutel in dieser Gegend kaum noch ein Problem seien. Prävention sei das Stichwort, sagt der Wegewart. Auf die Leute zugehen, sie konfrontieren, das Gespräch suchen. Meistens funktioniert das, sagt Lucke und bückt sich nach einem Papiertaschentuch. Vor allem der Plastikmüll sei ein Problem. Da dieser für die Verrottung rund 500 Jahre benötige, müssten unsere Nachkommen gegebenenfalls auf einer meterdicken Schicht aus Kunststoff wandern. „Das gilt es zu vermeiden“, sagt Lucke.

Der Wegewart freut sich wie der gesamte Ortsverein auf den Deutschen Wandertag im August 2022. Rund 300 000 Wanderer werden erwartet. „Dass die Wege heute schon von vielen Wanderern aus nah und fern benutzt werden, zeigen die Einträge in das Besucherbuch am Aussichtsturm“, sagt Lucke. Im Übrigen erlebe er durchaus auch Positives. Eines Sonntagmorgens habe er ein frisch geborenes Kalb auf dem Weg des Grubenholzes entdeckt und konnte es wider mit seinem Besitzer zusammenbringen. Oder die „Behausungen der Wurzelkinder“, die nach einer Erzählung in den Baumstümpfen entlang des Weges wohnen und arbeiten. „Da gibt es zum Beispiel ein Rathaus oder eine Tanzfläche, von einer Anwohnerin liebevoll aus Naturmaterialien geschaffen“, berichtet Lucke. So bleibe doch zu hoffen, so der Wegewart, dass der eine oder andere künftig seine Abfälle mit nach Hause nehme, die Albvereinsbänke und den Turm nicht mit Schnitzereien „verziert“ und Wegmarkierungen einfach hängen lässt anstatt sie abzureißen und zu zerstören.

Sogar der Besen wurde gestohlen.“

Christoff Lucke,, Wegewart

Der Mögglinger Höhenwanderweg MO1

Start und Ziel ist der Bahnhofsvorplatz. Die Gehzeit beträgt etwa dreieinhalb Stunden, die Länge 13,2 Kilometer. Zunächst geht es zur Schönstattkapelle am Barnberg, dann weiter über Waldwege zum Grubenholz. Hier verläuft der Weg auf dem Limes. Nach dem Wanderparkplatz an der Heuchlinger Straße kommt nach etwa 250 Metern der Aussichtsturm. Der Weg führt zurück zum Parkplatz zum Gollenhof. Durch Wiesen und Wälder geht es zum Lusthof und zum Sixenhof. Am Ammersbach geht es etwa einen Kilometer Richtung Mögglingen. An einem Wegkreuz biegt man rechts ab und geht durch ein Waldstück zum Gollenhofweiher. Von dort wird nach kurzer Steigung der nördliche Ortsrand Mögglingens erreicht. Nach der Überquerung der Bahnlinie kommt man zum Bahnhof zurück.

Das „Rathaus “ der Wurzelkinder, die entlang des Wanderwegs im Grubenholz „wohnen“.
Auch Wegmarken und Schilder reißen Vandalen ab.

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