Warten auf den Winterdienst?

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Auf dem Bild, das in der Nähe des Wanderparkplatzes „Am Stock“ entstand, funktioniert's, doch schon zwei Mal gab es in diesem Winter für mehrere Stunden kein Durchkommen auf der Bartholomäer Steige. Nach welchen Kriterien werden die Straßen im
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Schon an zwei Tagen gab es für mehrere Stunden an der Bartholomäer Steige kein Durchkommen. Nach welchen Kriterien arbeitet der Winterdienst? Und was bringen die Glättemeldeanlagen?

Heubach/Bartholomä

Wenn's im Winter mal richtig schneit, kann es vorkommen, dass es auf manchen Straßen im Ostalbkreis schwierig wird, auch wenn die Räumdienste ihr Bestes tun. Ernst Kopp aus Bartholomä hat sich in dieser Sache an die Redaktion gewandt. Auch er weiß, dass der Winterdienst nicht überall gleichzeitig sein kann. Trotzdem hat ihn etwas verärgert: Am 26. November habe es das erste Mal in kleinen Mengen geschneit, berichtet Kopp. Die Salzlager seien laut Zeitungsberichten voll, die Dienstpläne erstellt und trotzdem sei die Heubacher Steige ab 10 Uhr gesperrt gewesen wegen Schneeglätte. Am 29. November wieder leichter Schneefall für 15 Minuten. Und die Steige war wegen Schneeglätte von etwa 15.30 bis 17 Uhr wieder nicht befahrbar, erinnert sich Ernst Kopp. „Hier fahren unsere Schulkinder zur Schule und zurück und saßen für 1,5 Stunden im Omnibus fest. Eltern machen sich natürlich auch Sorgen“, meint er.

Wird hier gespart?

Am Möhnhof sei für viel Geld eine Glättte-Meldeanlage aufgebaut worden, die „wir als Bürger bezahlt haben, um genau solche Situationen zu verhindern“. Trotzdem werde es jedes Jahr schlechter. Entweder schaue keiner auf die Werte der Station oder diese liefere falsche Werte, so Ernst Kopp. Man müsse sich schon fragen, wie es sein kann, dass innerhalb weniger Tage dieselbe Situation gleich zwei Mal hintereinander eintritt? Der Winter beginne ja erst, soll das so weitergehen?

„Weiterhin möchte ich schon mal nachfragen, wer die Verantwortung für die Heubacher Steige hat und auch ob ihm/ihr bewusst ist, welchen Gefahren Kindern und Schulbusse ausgesetzt sind und ob es an dieser Stelle wirklich richtig ist zu sparen“, fragt Ernst Kopp. Steigungen und Gefällstrecken sollten doch Vorrang haben und es könne nicht sein, dass bis zum Eintreffen des Streudienstes eineinhalb Stunden vergehen. „Sicherheit kommt doch vor Wirtschaftlichkeit – oder etwa nicht?! Man bedenke, dass auch für Rettungsdienste und andere soziale Einrichtungen kein Durchkommen möglich ist, wenn die Heubacher Steige wegen Glätte gesperrt ist. Ist es uns das alles wert wegen ein paar Kilo Streusalz?“, fragt Ernst Kopp.

Landratsamt gibt Antworten

Verantwortlich für die Räumung der Bartholomäer Steige ist die Straßenmeisterei Schwäbisch Gmünd und damit das Landratsamt.

Die Redaktion hat bei Pressesprecherin Susanne Dietterle nachgefragt: Nach welchen Prioritäten ist der Räumdienst organisiert? Was war den beiden von Ernst Kopp erwähnten Tagen an der Steige los? Und was bringen die Glättemeldeanlagen?

1040 Kilometer Straße

Der Ostalbkreis betreue mit seinen vier Straßenmeistereien rund 1040 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Die Streckenbereiche der Straßenmeistereien liegen in Höhenlagen von 320 Meter bis 755 Meter über dem Meeresspiegel. Das sei sowohl qualitativ wie quantitativ eine große Herausforderung für den Straßenbetriebsdienst.

Insgesamt stünden den vier Straßenmeistereien 40 Winterdienstfahrzeuge einsatz- und abrufbereit zu Verfügung. Es handele sich um 18 kreiseigene Fahrzeuge und weitere 22 Lastwagen, die von im Ostalbkreis ansässigen Bau- und Fuhrunternehmern angemietet würden.

Mehrstufige Pläne

Die Winterdiensteinsätze erfolgen nach mehrstufigen Räum- und Streuplänen, so Dietterle. Diese seien für jeden Straßenmeistereibezirk auf die speziellen verkehrlichen und topographischen Notwendigkeiten abgestimmt. Sie legten die Fahrstrecken und deren Reihenfolge bei verschiedenen winterlichen Szenarien fest. Mit zunehmender Intensität der winterlichen Verhältnisse würden die Umlaufzeiten der einzelnen Einsatzfahrzeuge verkürzt und an die Brennpunkte angepasst.

Bei der gesamten Einsatzplanung müsse jedoch immer das gesamte Straßennetz des Ostalbkreises betrachtet werden, damit möglichst alle Bundes-, Landes- und Kreisstraßen befahrbar bleiben. „Es ist daher nicht möglich, bei starken Schneefällen die Einsatzkräfte nur an einer Steigungsstrecke zu konzentrieren. Andere Bereiche, die ebenfalls wichtig für die Verkehrsinfrastruktur des Ostalbkreises sind, müssten sonst vernachlässigt werden“, sagt Dietterle.

Viel hilft nicht immer viel

Die Durchführung des Winterdienstes erfolge stets nach fachlichen, wirtschaftlichen und die Umwelt betreffenden Gesichtspunkten: Mit welcher Technik muss der Winterdienst erfolgen, mit welcher Salzmenge muss der Glätte, dem Schnee zu Leibe gerückt werden? „Viel hilft nicht unbedingt viel, verschwendet jedoch Ressourcen und schadet der Umwelt“, so die Sprecherin des Landratsamts. Die Verantwortlichen im Straßenbetriebsdienst seien äußerst erfahren und verantwortungsbewusst. Sie seien zwar gehalten, wirtschaftlich zu handeln, hätten aber keine Vorgaben zu sparen. „Sie sollen vielmehr das Notwendige und Richtige tun, um die Sicherheit der Bürger auf den Straßen im Ostalbkreis möglichst gut sicherzustellen. Der Umfang der Einsätze ist dabei allerdings durch die Anzahl und Verfügbarkeit von Personal und Gerät begrenzt“, so Dietterle.

Meldeanlagen als Hilfsmittel

Bei den Glättemeldeanlagen werden über Sensoren in der Fahrbahn beziehungsweise eine Kamera die maßgeblichen Daten für die Beurteilung des Straßenzustandes an die jeweilige Straßenmeisterei gemeldet. „Die Daten und das Bild erlauben den Winterdiensteinsatzleitern wertvolle Rückschlüsse auf die absehbaren Verhältnisse des Straßenzustandes. Glättemeldeanlagen können jedoch keine Wetterprognosen erstellen, vor allem können sie Schneefall nicht voraussagen, sondern erst anzeigen, wenn er eingetreten ist. Sie sind ein sehr gutes Hilfsmittel bei der Koordinierung und Steuerung der Winterdiensteinsätze“, sagt Dietterle.

Aber auch bei größter Professionalität der Einsatzkräfte gebe es Wettersituationen, die nur schwer beherrschbar seien. Der Erfolg des Winterdienstes hänge immer auch zu einem Großteil von der Vernunft und Mitwirkung der Verkehrsteilnehmer ab. „Denn nur bei umsichtiger Fahrweise mit wintergerecht ausgerüsteten Fahrzeugen kann der Winterdienst optimal durchgeführt werden. Hat sich ein unzureichend bereiftes Fahrzeug auf einer Steigung festgefahren und bereits einen Stau verursacht, der die Strecke blockiert, dann kann auch das Winterdienstfahrzeug diesen Abschnitt erreichen und nichts ausrichten“, so die Sprecherin.

Liegengebliebene Lastwagen

Genau dies war an besagten beiden Tagen wohl der Fall: Am 26. und am 29. November seien die Winterdienstfahrzeuge bereits um 3 Uhr morgens zu Kontrollfahrten und zu Streueinätzen unterwegs gewesen, betont Dietterle. „Mit einsetzendem Schneefall wurden dann die Umlaufzeiten an allen Steigen verkürzt. An beiden Tagen wurden die Steigungsstrecken zeitweise durch Lastwagen blockiert, die mit unzureichender Winterausrüstung unterwegs waren. Zu offiziellen Sperrungen wegen Schnee und Eisglätte kam es jedoch nicht. Die liegengebliebenen Lastwagen sorgen leider immer wieder zu massiven Behinderungen des Verkehrs und verzögerten auch an diesen Tagen die Winterdiensteinsätze“, so Dietterle.

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