Weshalb Brütting nach Aalen strebt

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Der Aalener OB-Kandidat Frederick Brütting spricht in der Redaktion der Schwäbischen Post mit Redakteurinnen und Redakteuren.
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Frederick Brütting wirft offiziell den Hut in den Ring, erklärt, was er aus Heubach mitnimmt und wer ihn in Aalen unterstützt.

Aalen

Seit zehn Jahren ist Frederick Brütting nun schon Bürgermeister in Heubach. Jetzt will er Oberbürgermeister in Aalen werden.

Die Warum-Frage: Warum eigentlich OB in Aalen werden? Brütting erklärt, in den knapp zehn Jahren als Bürgermeister in Heubach sei dort "viel bewegt, die Infrastruktur modernisiert und Einiges für den Klimaschutz getan worden". Zudem sei es gelungen, viel an Schulden abzubauen. "Ich habe das Gefühl, dass Vieles gut geworden ist und ich es jetzt in andere Hände geben kann", sagt der 37-Jährige. Kommunalpolitik lebe auch vom Wechsel und er, Brütting, möchte sich jetzt "einer neuen Herausforderung stellen".

Und dies nicht irgendwo. Sondern "in der Stadt, in der ich mich schon seit vielen, vielen Jahren zuhause fühle" – und diese Stadt sei Aalen. "Ich bin in Aalen zur Schule gegangen, habe dort meine Frau kennengelernt und mein Sohn ist hier geboren, ich war hier im Stadtrat", sagt Brütting und weiter: "Aalen ist der Anfang von vielem Guten", sodass er mit seiner Familien zusammen beschlossen habe: "Ja, ich bewerbe mich."

Aus Heubach mitnehmen könne er "sehr viel Erfahrung". Dort sei er im Alter von 27 Jahren als "sehr junger" Bürgermeister gewählt worden. Er habe in der Rosensteinstadt "sehr viel Neues gewagt". Gelernt habe er zum Bespiel, "dass es sehr wichtig ist, die Bürger mitzunehmen bei den Entscheidungen". Eine gute kommunalpolitische Kultur mache vieles einfacher und daran möchte er "in Aalen arbeiten".

Die Vorgänger-Frage: Was er anders machen möchte als der heutige Oberbürgermeister Thilo Rentschler: Da hält sich Brütting bedeckt, verweist darauf, dass er in den vergangenen Jahren in Aalen "kommunalpolitisch nicht aktiv" gewesen sei. Er habe sich auf Heubach konzentriert. Er möchte nicht alles neu machen, "aber doch das eine oder andere anders". Ihm ist es wichtig, dass Dinge, die gut sind, bewahrt werden – und dass man nicht alles nur in Frage stellt, nur damit etwas Neues passieren kann. Die Kombination aus beidem – das Gute bewahren und Neues auszuprobieren – dies sei die Voraussetzung dafür, "dass es gut in der Stadt vorangeht".

Die Gemeinderat-Frage: Ein diskussionsfreudiger Stadtrat im Übrigen sei nichts Schlechtes. Er kenne viele Gemeinderäte und habe mit niemandem Konflikte. Dies sei die Grundlage dafür, dass man zusammen "streiten und diskutieren kann", um am Ende zu einer "guten Lösung für die Stadt" zu kommen. Er habe eine "positive Beziehung zum Streit". Gut sei, wenn sich die Menschen einbringen. Das wolle er befördern. Und es sei kein Problem, wenn ein Oberbürgermeister Widerspruch bekommt, "sondern Zeichen einer starken kommunalpolitische Kultur". In Aalen, so nehme er das zumindest wahr, hätten alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte "für sich den Anspruch, etwas Positives für die Stadt bewirken zu wollen". Wenn man sich das gegenseitig zugestehen könne, dann könne man nach einer Oberbürgermeisterwahl auch einen Schnitt machen und einen Neubeginn wagen.

Die Wohnsitz-Frage: Das ist für Brütting ganz klar: "Ich finde, es gehört sich, dass ein Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin der Stadt, in der er arbeitet, für die er arbeitet, auch dort wohnt." Brütting: "Wenn ich gewählt werde, ist es für uns ganz klar, dass wir als Familie unseren Lebensmittelpunkt nach Aalen legen. Ich werde nach Aalen ziehen, das ist gar keine Frage."

Die Wohnraum-Frage: Die sei eine der "großen Herausforderungen" der Zeit. Mittlerweile sei Wohnungsnot auch in der Fläche in Baden-Württemberg angekommen. Dies habe historische Gründe: Man habe lange Zeit "viel zu wenig für den sozialen Wohnungsbau gemacht". Aalen habe schon einige gute Schritte getan. Das müsse man verstärken. Wichtig sei, dass man Quartiere neu denkt. "Man muss jedes Mal mitüberlegen, wie bekommt man auch Mietwohnungen hin" – und es müsse auch geschaut werden, dass man Wohnungen in öffentlicher Hand behält.

Ich werde nach Aalen ziehen, das ist gar keine Frage.

Frederick Brütting, falls er als OB in Aalen gewählt wird

Die Corona-Frage: Die Corona-Pandemie wirke auf die Gesellschaft "wie ein Schleudertrauma", sagt Brütting und weiter: "Wir sind kräftig durchgeschüttelt worden", in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. "Wir müssen aufpassen, dass daraus nicht ein langfristiges Trauma wird", sagt Brütting. Dies werde sich "insbesondere in den Innenstädten entscheiden". Man sehe. "dass es viele Leerstände gibt, dass sich das Konsumverhalten geändert hat und dass sich Gastronomie derzeit neue Wege suchen muss". Allerdings ist Brütting davon überzeugt: "Wir können aus dieser Corona-Pandemie mit neuem Schwung herauskommen."

Das werde aber nicht von selbst gelingen. Und dafür "können wir jetzt schon die Zeit nutzen". Plätze gestalten, schauen, dass es sauber ausschaut, die Innenstadt mit neuen Ideen attraktiv machen, "sodass man die Innenstadt mit einem positiven Erlebnis verbindet". Der Besuch in der Innenstadt müsse "zu einem Erlebnis werden".

Klar sei: "Die Dinge, die man einfach im Internet bestellen kann, wegen diesen Dingen kommt niemand mehr in die Innenstadt." Das Konsumverhalten habe sich nachhaltig verändert. Das sei leider so. "Wir müssen also immer einen Mehrwert bieten." Da sei die Gastronomie "ganz wichtig". Da sei die Kultur. Angebote gebe es in Aalen gute, die müssen man "zusammenführen". Zudem könne die Zeit in den nächsten Monaten auch genutzt werden, "um die Innenstadt auch baulich attraktiver zu machen", Brütting denkt etwa an den Platz vor dem Rathaus, der ihm wie ein Provisorium vorkommt. Corona beschleunige auch den Wandel in vielen Wirtschaftsbereichen – Bereiche, die Aalen stark geprägt haben, die auch ein Stück die Seele von Aalen ausmachten. Der Wandel sei notwendig. Aber gleichzeitig müsse die Seele erhalten bleiben. Die Unternehmen spielten eine große Rolle und sollten diese auch weiter spielen: Dafür wolle er arbeiten. Brütting spricht sich dagegen aus, Steuern zu erhöhen, um die Kosten der Pandemie bezahlen zu können.

Die Amazon-Frage: Wenn Amazon in Aalen ein Verteilzentrum bauen möchte, was tun? Brütting hat eine "klare Haltung". Soviel an Fläche und Infrastruktur sollte nur zur Verfügung gestellt werden, wenn auch hier Steuern bezahlt werden. Dies tue Amazon nicht. Deswegen ist Brütting dagegen, dass Amazon Flächen in der Region bekommt – auch, weil das zu Lasten des Einzelhandels geht.

Die Mobilitätsfrage: Mobilität ist Brütting ein wichtiges Thema. Er setzt sich dafür ein, dass man Radfahrern und Fußgängern mehr Räume anbietet. Davon profitierten "am Ende alle", ist er überzeugt. Das Fahrradkonzept, das die Stadt beschlossen hat, das muss noch einmal angepackt werden. Es wachse eine neue Generation heran, die das Fahrrad als Mittel für die Lebensgestaltung nutze.

Der Wahlkampf: Brütting startet am Wochenende ganz klassisch, will Briefe verteilen, in denen er sich vorstellt, wünscht sich auch persönliche Kontakte zu den Bürgerinnen und Bürgern. Aber er werde große Rücksicht nehmen wegen der Corona-Situation. "Wir Kommunalpolitiker haben hier eine große Vorbildfunktion", sagt er. Unterstützt werde Brütting von der SPD in Aalen. Brütting hat auch alle Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat angerufen außer dem der AfD: "Die wollen ja selber einen Kandidaten stellen". Er will sich in allen Fraktionen vorstellen. "Dann werden wir sehen, ob es weitere Unterstützung gibt."

OB-Wahl in Aalen

Frederick Brütting (37, SPD) kandidiert offiziell für die Nachfolge von Thilo Rentschler als Oberbürgermeister von Aalen, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg wird. Die Wahl ist am 4. Juli. Bislang gibt es einen weiteren Bewerber, Markus Waidmann von der AfD. Bis 7. Juni kann man sich bewerben.

Frederick Brütting (2.v.l.) im Gespräch mit, von rechts, Redakteurin Katharina Scholz, Redaktionsleiter Jürgen Steck und Chefredakteur Lars Reckermann.

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