Wie eine Brücke zur königlichen Angelegenheit wurde

+
Einweihung der „Rosensteinbrücke“ am 22. Mai 1892 vor 130 Jahren

Die Rosensteinbrücke an der Burgruine über Heubach wurde vor 130 Jahren eingeweiht.

Heubach. „Das kleine Städtchen Heubach hat es unternommen, die Ruine Rosenstein bei Lauterburg durch eine eiserne Brücke an Stelle der alten Zugbrücke zugänglich zu machen“, so beginnt das Bittschreiben von Franz Keller, Bezirksarzt und „Rosensteindoktor“ von Heubach, an König Karl von Württemberg. Weiter heißt es in dem Bettelbrief vom April 1891: „Da Eure Kgl. Majestät der Protektor alles Hohen sind, so wagen wir es, Eurer Majestät die allerunterthänigste Bitte zu unterbreiten, ob höchstdieselbe nicht durch eine Gabe für unsere Hochbrücke das Werk ermöglichen würden.“ König Karl von Württemberg sagte schließlich eine Spende von 100 Mark zu, eine eher bescheidene und symbolische Summe, aber damit war der Brückenbau quasi zu einer königlichen Angelegenheit geworden.

Feucht-fröhlicher Beschluss

Die Idee von einer Rosensteinbrücke hatte eine Vorgeschichte in den Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten der Königlichen Forstverwaltung des Jahres 1887. Um Baumaterial vom Lärmfelsen zur eigentlichen Burgruine Rosenstein hinüberzuschaffen, war ein Brückenschlag nötig. Diese provisorische Brücke wurde nach Abschluss der Bauarbeiten im April 1888 abgebrochen und an einen Bauern verkauft. Franz Keller hierzu: „Mich und meine Freunde erreichte die traurige Nachricht im Löwen bei gutem Stoff. Und nie hat wohl ein Stoff bessere Wirkungen gehabt. Sofort erklärte sich eine Anzahl von Gästen bereit, zum Erhalt der Brücke zu wirken. Es wurde stante pede Herr Apotheker Pliksburg zum Vorstand eines Vereins erwählt“, der insbesondere den Zweck verfolgen sollte, „daß der Zugang zur Ruine mittels einer Brücke erhalten bleibe.“ Der so feucht-fröhlich und spontan entstandene Heubacher „Verschönerungsverein“ war allerdings nicht in der Lage, eine solide, gar eiserne Brücke zu finanzieren. Erst als sich der 1888 gegründete Schwäbische Albverein der Sache annahm und mehrere Aktionen und Spendenaufrufe durchführte, kamen die nötigen Finanzmittel zusammen, insgesamt rund 1700 Mark.

Ein Ritter vorneweg

Die Rosensteinbrücke, ein dauegusseiserner Brückensteg, gefertigt von der Esslinger Maschinenfabrik, wurde am 22. Mai 1892 vor 130 Jahren feierlich eingeweiht. Die Einweihungsfeier wurde mittags mit einem Volksfest auf dem Marktplatz eröffnet, wo die Gmünder Stadtkapelle aufspielte. Danach ging ein romantisch-historischer Festzug mit Musik – unter Führung des Ritters von Wesen, dem letzten württembergischen Obristen im Heubacher Schloss, gespielt vom Apothekersohn Emil Pliksburg – zum Rosenstein. Um 14 Uhr erfolgte die Einweihung der Rosensteinbrücke. Die Festrede hielt Franz Keller selbst, es gab einen „poetischen Zimmerspruch“ von Zimmermann Unfried, die Eröffnung nahm dann der Vorstand des „Verschönerungsvereins Heubach“ Pliksburg vor. Danach war „gesellige Unterhaltung auf dem Festplatz mit Gesang, Musik und Tanz“ angesagt.

An dem Volksfest nahmen nach Schätzungen zeitweise bis zu 15 000 Menschen teil. Man hatte allen Grund zum Feiern: Die Rosensteinbrücke galt und gilt als einer der größten und schönsten Wanderbrücke auf der Schwäbischen Alb und steht als technisches Kulturdenkmal heute unter Denkmalschutz.

„Eiserner Steg zum Lärmfelsen“ von Franz Keller. Quelle: Archiv

Zurück zur Übersicht: Rosenstein