Wie Frida zum Bürohund wird

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Erwischt: Ralf Michael Reeck von der Familienhundeschule zeigt auf Fridas Pfotenabdrücke auf Silvia Heils weißer Hose, die von zu viel Überschwang - zunächst des Menschen - bei der Begrüßung zeugen; v. l. Raphael und Tamara Heil haben gerade eine Trainingsstunde mit ihrem Welpen hinter sich.
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Airedaleterrier-Welpe Frida soll als Bürohund entspannt auf Kunden und Mitarbeiter reagieren. Im Welpentraining lernen sie und ihre Halter die Grundlagen.

Heubach-Buch

Frida schläft. So tief, dass es aussieht, also ob sie heute gar nichts mehr aus der Ruhe bringen könnte. Dabei hat sie, zusammen mit ihren Chefs Tamara und Raphael Heil gleich eine Trainingsstunde bei Ralf Michael Reeck, der die Familienhundeschule in Honkling betreibt. Frida ist eine vier Monate alte Airedaleterrier-Hündin und war an diesem Tag zum ersten Mal beim Friseur - Terrier wechseln ihr Fell nicht, es muss getrimmt werden. Aufregung genug also für einen Hundewelpen. Und jetzt auch noch Erziehung.

„Ich wollte unbedingt einen Hund“, sagt Tamara Heil. Weil sie jedoch als Friseurin in der Aalener Innenstadt arbeitet, war klar, dass der Hund tagsüber im Heil’schen Familientrieb in Buch sein würde. Und zwar so, dass Mitarbeiter, Kunden und Hund gut miteinander klarkommen. Tamara Heils  Mann Raphael hat bereits Erfahrung mit eigenen Hunden. Das jedoch seien Haus- und Hofhunde gewesen. Aber keiner, der zum Essen und auf Feste mitgeht oder mit in den Urlaub fährt.  Oder entspannt auf seinem Platz im Büro der Bedachungsfirma liegen bleibt, während Kunden und Mitarbeiter ein- und ausgehen, so wie Frida das bald können soll. Klingt erstmal speziell, doch grundsätzlich nennt Reeck sechs wichtige Signale, die ein Hund können sollte: Sitzen, Liegen, Rückruf, Auflösesignal – der Hund hat eine Aufgabe erledigt und kann seiner Wege gehen, Ausgeben – der Hund gibt her, was er im Maul hat, und Abbruchsignal – der Hund hört sofort mit dem auf, was er gerade tut. „Wenn die sitzen, kommt der Mensch durchs ganze Leben“, sagt er. Darum ist das Bürohund-Training gar kein so spezielles, sondern eine Variante dessen, was der Hund  sowieso können sollte.

Viele Sachen gleichzeitig

Doch nicht nur der Hund hat viel zu lernen, das zeigt sich bei der vierten von acht Trainingseinheiten, für die Frida und die drei Menschen jetzt hinausgehen. Schon an der Bürotür im ersten Stock geht’s los. Frida soll die Stahlgittertreppe nicht im Häschen-hüpf-Stil bewältigen, sondern ruhig neben Tamara Heil hergehen. Nochmal, verlangt Reeck und gibt Tipps. Dann geht’s auf eine Wiese hinterm Haus. Frida soll auf ein bestimmtes Signal zu Raphael Heil kommen. Doch welches war’s jetzt nochmal, das Heils dafür festgelegt hatten? Komm her? Hier? Das müsse schon das eine und nur das sein, sagt Reeck. Das ist jedoch gerade nur Teil eines Problems, durch das er Raphael Heil helfen muss. Denn der ist in diesem Moment einfach nicht interessant genug für seinen Hund. Duftspuren auf der regennassen Wiese lenken Frida dermaßen ab, dass sie weder Augen noch Ohren dafür hat, was einer der Menschen von ihr will. Um den kleinen Hunde-Grundschüler nicht zu überfordern geht das Training an einer Straße mit weniger Ablenkungspotenzial weiter. Laufen an der locker durchhängenden Leine ist nun gefragt. Raphael Heil geht mit Frida los, Ralf Michael Reeck korrigiert – nicht ziehen lassen, nicht kreuzen und queren lassen, nicht stehen bleiben. Und: Belohnen nicht vergessen. Korrigiert. Korrigiert. Korrigiert. „Gar nicht schlecht“, sagt er am Ende.

„Man muss an so viele Sachen gleichzeitig denken“, sagt Tamara Heil, die ihren Mann beobachtet. Dann ist sie dran: Rückruf mit Pfeife. Klappt super, „Frida, Feierabend“, sagt Ralf Michael Reeck zufrieden. Und während er dann noch ein paar Tipps für den anstehenden ersten Urlaub mit Welpe gibt, kommt Raphael Heils Mutter  Silvia angefahren. Dass sie sich angesichts der kleinen Frida freut, begeistert wiederum den Hund. Dass wenige Augenblicke später die Abdrücke von zwei Vorderpfoten auf ihrer hellen Hose prangen - Ralf Michael Reeck hat’s kommen sehen. Und Silvia Heil hat’s eigentlich gewusst, dass sie ihre Begeisterung eins zu eins vom Hund zurückbekommen würde. Wo der doch cool bleiben soll, weil schließlich der eine oder andere Kunde auf solchen tierischen Enthusiasmus eher ängstlich oder unwirsch reagieren könnte. Sie müsse da mehr darauf achten, gesteht sie ein. Es ist offensichtlich, wie Trainer Reeck sagt: „dass wir nicht nur die Hunde erziehen, sondern auch die Halter“.

Mehr Bilder vom Hund-Mensch-Training auf www.tagespost.de

 

Frida und Raphael Heil beim Lockere-Leine-Training.
So soll's sein: Welpe Frida schläft entspannt im Büro, während (v. l.) Tamara und Raphael Heil Ralf Michael Reecks Ausführungen zum Training für den Bürohund im Speziellen und den Hund im Allgemeinen lauschen.
Ralf Michael Reeck (l.) erklärt Raphael Heil, auf was er beim Gehen mit dem Hund achten soll.

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