Wie Sabine heimlich beim Klavier üben las

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"Die habe ich aber nicht alle gelesen", sagt Pfarrerin Sabine Löffler-Adam über die Bücherwand im Büro von ihr und ihrem Mann. Mit dem Buch, das sie in der Hand hält, wird das anders - es gehört zu Löffler-Adams Sommerlektüre.
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Was lesen Sie in diesem Sommer? Pfarrerin Sabine Löffler-Adam aus Heubach fährt mit einer ganzen Bücherkiste in den Urlaub.

Heubach. Ihre Mutter dachte, dass ihr Kind Klavier spielt – doch die 12-Jährige hat in Wahrheit ein Buch gelesen. Wie Sabine Löffler-Adam zu Büchern steht, das zeigt diese Geschichte, die sie aus ihrer Jugendzeit erzählt. „Es war schon Musik zu hören für meine Mutter. Ich habe einfach irgendwas geklimpert, geschaut habe ich ins aufgeschlagene Buch.“

Heute, rund ein halbes Jahrhundert später, gehört für die evangelische Pfarrerin aus Heubach das Lesen immer noch zu ihrem Leben. Jeden Tag: „Ich kann gar nicht einschlafen, ohne noch ein paar Seiten zu lesen.“ Die Sommerferien sind da nur eine Zeit, in der sie noch mehr zum Lesen kommt als sonst. Wenn Löffler-Adam demnächst mit ihrem Mann in den Urlaub fährt, kommt nicht nur ein Buch mit, sondern eine Kiste mit Büchern. Sechs bis acht nehme sie schon mit, erzählt sie, zusammengetragen in den Wochen zuvor auf einem Urlaubsstapel.

Es sind vor allem Romane, selten Biografien, die auf ihren Stapeln liegen. In diesem Jahr zum Beispiel „Aufräumen“ von Angelika Waldis. „Es ist die Geschichte einer Frau, die mit 70 beschließt ihr Leben zu ändern, aufzuräumen“, erzählt Löffler-Adam und liest die ersten Sätze vor: „Luisa hat beschlossen aufzuräumen. Als erstes muss Alfred weg. Seit beinah vierzig Jahren ist sie mit Alfred verheiratet. Alfred ist ein Egosaurier.“ Richtig gute Anfangssätze, findet sie. „Ich mag die Sprache dieser Autorin.“ Eine Lieblingsautorin, einen Lieblingsautor gibt es bei ihr nicht. „Ich bin eher wie ein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte fliegt.“

Sabine Löffler Adams Leseinteresse gilt vor allem der Gegenwartsliteratur, ihr sei die heutige Sprache einfach näher sei als bei 100 oder 200 Jahre alten Büchern. Trotzdem kennt sie sich auch bei älteren Autoren des 20. Jahrhunderts ganz gut aus, weil sie eben schon immer eine Vielleserin war. „Als Jugendliche hatte ich so eine Phase, da habe ich alles von Böll gelesen, dann alles von Alfred Andersch und dann von Siegfried Lenz.“

Manchmal inspiriert sie ihr Lesestoff auch für den Beruf. Eines dieser Bücher will sie in diesem Sommer ein zweites Mal lesen: Um Tod und Sterbebegleitung geht es in dem Roman „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ von Susann Pásztor. „Es ist eines meiner Lieblingsbücher, das ich schon oft verschenkt habe.“ Auch weil es die Autorin schaffe, trotz des schweren Themas nicht ohne Humor zu schreiben. Das bewundert Sabine Löffler Adam, wenn man „schwere Themen mit Leichtigkeit erzählen“ könne. Den Roman will sie auch mitbringen in die Heubacher Hospizgruppe. Und manchmal dürfen Romanfiguren auch mit in die Kirche: „Ich habe manchmal Figuren schon in Predigten aufgegriffen.“

Die Querverbindungen vom Lesehobby zum Pfarrberuf kennen auch den Weg andersrum. Wenn sie manchmal in Buchhandlungen oder am Neuigkeiten-Tisch der Heubacher Stadtbibliothek die große Menge an Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt seht, dann muss die Pfarrerin an ein Bibelzitat denken: „Des vielen Büchermachens ist kein Ende.“

Des Bücherlesens wird im Leben von Sabine Löffler-Adam wohl auch kein Ende sein. Bei ihren Leseorten ist sie nicht wählerisch, wo halt gerade Zeit ist, wird ein Buch aufgeschlagen. Nicht mehr beim Klavier spielen, aber nebenbei lesen geht auch woanders. „Man kann auch in der Küche gut lesen – zum Beispiel während man wartet, bis das Nudelwasser kocht.“

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