Wie unabhängig ist neue Klimaschutz-Gesellschaft?

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Symbolbild Photovoltaikanlage
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Gemeinderat Heubach diskutiert über die Vor- und Nachteile der interkommunalen „N!Komm“ und tritt bei.

Heubach. Wie kann die Abwärme von Firmengebäuden genutzt werden? Wo sind geeignete Grundstücke für Freiflächen-Photovoltaikanlagen? Fragen wie diese wolle die zu gründende interkommunale Gesellschaft „N!Komm“ gemeinsam mit den beteiligten Städten und Gemeinden künftig angehen, stellte Holger Röhrer dem Gemeinderat Heubach in Aussicht. Die neue Gesellschaft soll zum 1. Januar 2023 gegründet werden, aktuell sind neben Heubach sieben weitere Städte und Gemeinden interessiert und bereiten die Gründung vor. Unter der Federführung von Prof Dr. Martina Hofmann, die dafür eigens ihren Lehrstuhl an der Hochschule Aalen aufgebe, so Röhrer, könne man „gemeinsam für Heubach viele gute Projekte“ im Sinne von Nachhaltigkeit und Klimaschutz angehen. Ein Vorteil der Gesellschaft sei etwa die „Entlastung interner Ressourcen und die Bündelung von Fachkräften“. Das unterstrich Bürgermeister Dr. Joy Alemazung: Die Stadt müsse viele Maßnahmen umsetzen. Die Frage sei: „Wie kriegen wir das hin ohne von einem Ingenieurbüro zum anderen zu laufen?“ Eine Antwort darauf könne die Teilhabe an der Gesellschaft „N!Komm“ sein.

Grundsätzlich sahen alle Stadträtinnen und Stadträte, die sich zu Wort meldeten, die Notwendigkeit, koordinierte Projekte für Klima- und Umweltschutz anzugehen. Es gab aber auch kritische Fragen. Stadtrat Günther Lux brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Die 'N!“Komm' ist ein Kind der GEO.“ Denn: Holger Röhrer ist derzeit der kaufmännische Leiter der Gesellschaft für Energieversorgung Ostalb (GEO). Der designierte „N!Komm“-Geschäftsführer Tobias Koller hat dieselbe Funktion bei der GEO. Stadtrat Martin Kelbaß fragte: Die eine (GEO) will Energie verkaufen, die andere („N!Komm“) Energie einsparen: „Kann es da nicht zu Konflikten kommen?“ Hauptamtsleiter Eckard Häffner fragte nach der „Alltagstauglichkeit“. Wenn die GEO der Stadt eine bestimmte Vorgehensweise vorschlage, fehle der Verwaltung die Expertise, das inhaltlich zu prüfen. „Kann die 'N!Komm' das dann kritisch und unabhängig begleiten?“, fragte Häffner. Er sehe eine „gewisse Gefahr“ darin, dass bei beiden Gesellschaften derselbe Geschäftsführer am Ruder sei. Holger Röhrer sagte, er sehe darin „rechtlich keine Probleme“. Es gebe einen „Pool an Experten“, auf die sowohl GEO als auch „N!Komm“ zurückgreifen könnten. Häffner war mit dieser Aussage nicht ganz zufrieden, wie er sagte. „Ich habe meine Zweifel.“ Ihm persönlich wäre es „in der Stadtverwaltung hier und da wohler“, wenn es Personen gäbe, die die GEO-Vorschläge unabhängig überprüfen könnten.

Thomas Abele wollte wissen, wie die von der Stadt geplante neue Stelle eines „Energiemanagers“ in das Konzept passe und wie die Arbeitsteilung aussehen soll. Laut Röhrer könne ein solcher Energiemanager als Schnittstelle für den Dialog mit der „N!Komm“ dienen.

Frank Schührer meinte, beim Klima- und Umweltschutz gebe es große Aufgaben, die die Stadt alleine nicht schultern könne. Dann lieber mit der Expertise einer kommunalen Gesellschaft. „Ich habe das Vertrauen, dass Sie uns gut beraten.“

Bei zwei Gegenstimmen (Günther Lux und Christine Sommer) stimmen die Räte der Gründung der „N!Komm“ zu. Die Stadt Heubach erhält 30 Prozent der Anteile und muss als einmalige Einlage 100 000 Euro bereitstellen. ⋌David Wagner

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