Albert Scherrenbacher schreibt seine Memoiren

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Albert Scherrenbacher hat seine Erlebnisse aus acht Jahrzehnten zu Papier gebracht. Im Herbst erscheinen seine Memoiren im Einhorn-Verlag.

Entbehrungen der Nachkriegszeit münden in einen anhaltenden beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf

In seiner Jugend gab es in der Gmünder Innenstadt 28 Metzgereien, allein im noch kleinen Straßdorf sechs. Albert Scherrenbacher wagt dennoch den Schritt in die Selbstständigkeit – und hat Erfolg. So viel Erfolg, dass andere davon profitieren. Durch sein Engagement in Vereinen, Organisationen und in der Kommunalpolitik. Die Erinnerungen an Großvater, Kindheit und Erwachsenenjahre sind ihm stets präsent. „Es war immer mein Ziel, das einmal aufzuschreiben, mein ganzes Lebenswerk“, sagt Albert Scherrenbacher. Die Zeiten des Lockdowns hat er dazu genutzt. Im Herbst sollen Albert Scherrenbachers Memoiren im Einhorn-Verlag erscheinen.

„In rund 80 Geschichten erzähle ich mein Leben“, sagt er und weiß, dass das auch eine Dokumentation über das Nachkriegs-Straßdorf und Nachkriegs-Gmünd ist. Mehr noch. Albert Scherrenbacher hat auch seine Ahnengalerie zusammengestellt. „Die reicht bis 1598 zurück“, betont der Unternehmer, Metzgermeister und Buchautor. In Straßdorf sind die Scherrenbachers erst seit drei Generationen ansässig. Der Großvater - ebenfalls mit dem Vornamen Albert - stammt wie die weiteren Vorfahren aus Rechberg. 1895 heiratet er, pachtet um 1900 die „Restauration zur Stadt“, ein Wirtshaus der Hahnenbrauerei, unmittelbar neben der heutigen „Krone“ in Straßdorf gelegen. „Das hat er 1905 gekauft, wurde dann auch bekannt für seine Limonade, die er dort braute.“ Der Großvater hat auch ein Gespür für Entwicklungen. Als um 1912 die Bahnlinie für das Klepperle gebaut wird, zieht es ihn in Bahnhofsnähe. Dort entstehen Wirtschaft, Stall und Metzgerei.

Die eigenen Erinnerungen des heutigen Albert Scherrenbacher beginnen bei Kriegsende – mit einem schockierenden Erlebnis. „Beim Einzug der Amerikaner hatten wir einen Volltreffer im Stall. Menschen waren zum Glück nicht dort, mehrere Tiere verendeten.“ Die Aufbaujahre sind von Arbeit geprägt. Der Vater hat mit Wirtschaft und Landwirtschaft viel zu tun, zieht als Landmetzger von Dorf zu Dorf, um vor Ort zu schlachten. Albert Scherrenbacher ist noch 13, als er in Waldstetten eine Metzgerlehre beginnt. Wenig später stützt der Vater in der Dunkelheit über eine Treppe und stirbt am nächsten Tag. Die Mutter übernimmt und Albert Scherrenbacher beeilt sich, um möglichst bald den Meisterbrief zu bekommen.

Dann führt er zusammen mit der Mutter die Firma und es geht, das beschreibt er auch in seinem Lebensrückblick - langsam aufwärts. Auch, weil Albert Scherrenbacher den Rat seines Lehrmeisters befolgt hat. „Du musst mit den Augen stehlen.“ Er sieht anderen über die Schulter und erfährt, was seiner Arbeit zugute kommen kann.

2000 Vereinsjahre

In den 1970er-Jahren – Albert Scherrenbacher hat inzwischen geheiratet, hat eigene Kinder – geht es steil aufwärts. Jetzt auch beim ehrenamtlichen Engagement. Straßdorf erlebt in der Halle einen legendären Kappenabend an Fasching, mit dem Walter-Kohl-Sextett. Der junge Metzgermeister gewinnt das Vertrauen in der Gesellschaft. „Die Leute wurden auf mich aufmerksam, weil ich zuverlässig war und etwas leisten konnte“, erinnert er sich. Und „wenn bei einem Fest die Wurst ausging, konnten die auch mitten in der Nacht zu mir kommen und Nachschub holen“.

Als „Anerkennung“ wird er bei vielen Vereinen Mitglied. „60 Mitgliedschaften sind zusammengekommen, insgesamt bin ich 2000 Jahre Vereinsmitglied.“ Als die Gmünder Fasnetsgesellschaft bei ihm anfragt, kann er nicht Nein sagen, übernimmt von 1996 bis 2015 den Vorsitz. Und hat immer wieder ein großes Herz. „Ich habe bei Guggenmusiktreffen auch schon 60 Kapellen zu kostenlosem Essen und Trinken eingeladen.“ Längst ist er Organisationstalent, veranstaltet als Kirchengemeinderat in Straßdorf einen Basar und kann auf einmal 80 000 Mark Reingewinn erzielen, für die Sanierung von alter Kirche und Kapelle etwa.

Im Buch streift er die Kommunalpolitik, 30 Jahre war er Ortschaftsrat und genauso lange Stadtrat. Und er zeigt Bilder aus seinem Leben. Das älteste Foto stammt aus dem Jahr 1940, es zeigt ihn auf dem Arm der Mutter. Das aktuellste Bild ist noch gar nicht gemacht. Die bevorstehende Feier zur Ehrenbürgerschaft soll unbedingt noch mir rein.

Danach strebt er den nächsten Höhepunkt an: die Vorstellung seiner Memoiren.

Albert Scherrenbacher hat in den Corona-Lockdown-Monaten sein Lebenswerk niedergeschrieben. Im Herbst soll das Buch im Einhorn-Verlag erscheinen. Der Metzgermeister aus Straßdorf ist vor allem durch sein ehrenamtliches Engagement weit über Schwäbisch Gmünd hinaus bekannt.

Die Leute wurden auf mich aufmerksam.“

Albert Scherrenbacher

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