Alle Tiere als Mitgeschöpfe achten

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kolomanritt 2021
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Pfarrer Markus Schönfeld konnte beim Kolomanritt in Wetzgau 60 Pferde und ihre Reiter segnen. Anerkennende Grußworte von Landrat Dr. Joachim Bläse.

Traditioneller Kolomanritt in Wetzgau

kolomanritt 2021
kolomanritt 2021 © jps
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kolomanritt 2021 © jps

Schwäbisch Gmünd-Wetzgau

Verblüfft blieben die Spaziergänger am Sonntagmorgen bei der Kolomanlinde stehen. Immer mehr Reiter näherten sich auf dem Feldweg, vom Aussiedlerhof Stegmaier kommend. Des Rätsels Lösung: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgrund der Pandemie trafen sich Ross, Reiter, Geistliche und Vertreter von Stadt und Landkreis, um den traditionellen Kolomanritt mit Pferdesegnung dennoch abzuhalten. Denn auf dem Pferd und im Freien lassen sich die Abstände ja einhalten.

„Eigentlich hatten wir den Ritt aufgrund von Corona schon absagen wollen. Aber es kamen immer mehr Anfragen seitens der Reiterschaft aus dem ganzen Ostalbkreis“, beschrieb Organisator Hubert Hiller. Ganz offensichtlich war den Teilnehmern der Segen wichtiger als das Publikum. Denn die Reiterschar war genauso groß wie vor der Pandemie. Über 60 stolze Rösser und vier Esel erhielten so mitsamt den Reitern den Segen durch Pfarrer Markus Schönfeld an der Kolomanlinde.

Immer wieder hatten Teilnehmenden allerdings mit bangem Blick gen Himmel geschaut. Dunkle Wolken verkündeten nichts Gutes. Aber als gemeinsam das Vater unser gesprochen wurde, brach plötzlich die Wolkendecke auf und die Sonne beleuchtete die Zeremonie.

Die Pandemie hat gezeigt, was wirklich wichtig ist.“

Landrat Dr. Joachim Bläse

Sowohl Landrat Dr. Joachim Bläse als auch Oberbürgermeister Richard Arnold zollten den Organisatoren ihren Respekt dafür, dass sie die Tradition des Kolomanritts coronakonform umgesetzt haben. Die historische Reiterprozession hatte es letztmals 1790 zu Ehren des Heiligen Koloman gegeben und sie wurde anlässlich der 750-Jahr-Feier von Wetzgau vor fünf Jahren wiederbelebt.

Landrat Bläse war der Ansicht, dass die Pandemie aufgezeigt habe, was „wirklich wichtig ist“. Man besinne sich auf das Wesentliche, erkenne, dass es Grenzen gebe. Und, dass man als Christ an etwas glauben könne, das Hoffnung gebe.

Oberbürgermeister Arnold freute sich, dass beim Kolomanritt so viele junge Reiterinnen und Reiter an der Prozession mit Segnung teilnahmen. Und würdigte auch die Esel: „Konrad“ etwa, „ein echter Staufer, wie der Name verrät.“ Und selbst Baubürgermeister Julius Mihm sei „mit seinem Drahtesel“ gekommen, witzelte der OB dann mit Blick auf diesen.

Pfarrer Markus Schönfeld ritt auf „Florian“, einem stattlichen Percheron aus dem Stall von Peter Müller aus Alfdorf. In seiner Andacht erinnerte der Pfarrer daran, dass die Menschen allen Mitgeschöpfen mit Respekt und Achtung begegnen sollten. St. Koloman sei der Schutzpatron aller Pferde und Lasttiere. Schönfeld erinnerte, dass diese Tiere in der Vergangenheit „die Bulldogs auf dem Acker“ waren. Umso wichtiger war es für die Landwirte, dass diese gesund und kräftig, gefeit vor Krankheit waren. „Daher war der Segen notwendig.“

Dann ritt der Geistliche mit seinem geduldigen Percheron das Reiterspalier ab und spendete den Segen. Mit festem Sitz im Sattel, denn auch beim Blutritt in Weingarten ist Schönfeld immer wieder mit von der Partie. „Dort sind bis zu 2000 Pferde dabei. Da müsste man schon Gmünd umrunden, um den Anfang und das Ende der Prozession zu sehen“, bemerkte der katholische Pfarrer trocken. Doch in Wetzgau hatte man da keine Mühe, die Prozession führte über Waldau zur Kolomanlinde und wieder zurück zum Hof der Familie Stegmaier.

Ross und Reiter kamen aus der ganzen Region zur Prozession. Darunter auch der nunmehr 90-jährige Johannes Köder aus Röhlingen, der seit der Neuauflage des Kolomanritts mit Pferd und Standarte dabei ist, wie Hubert Hiller voller Respekt schilderte. Auch die staufischen Reiter waren dabei und gaben in ihrer mittelalterlichen Gewandung ein stattliches Bild ab.

Zuschauer waren zwar keine zugelassen, trotzdem können die Organisatoren eine positive Bilanz des Kolomanritts 2021 ziehen: Mehr als 60 Reiterinnen und Reiter waren gekommen, um sich von Pfarrer Markus Schönfeld den Segen spenden zu lassen.

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