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Am Türrahmen des Paradieses

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Bernd Müller über arme reiche Sünder, die im Abgang nochmal schwach werden

Mit Adam und Eva hat der Ärger ja schon angefangen – weil wir Menschen so was von verführbar sind. Dauernd lockt irgendwas, das Gaspedal in der 30er-Zone, die Daddel-App während der Arbeit, der kleine Steuerspartrick mit der Putzkraft. Besonders gefährdet unter uns armen Sündern sind die mit den XXL-Verlockungen. Wenn Macht und Einfluss die verführerische Chance bieten, schnell ein reicher Sünder zu werden. Kein Wunder, dass es immer mal wieder Vorstandsvorsitzende, Fifa-Funktionäre, Politiker hinreißt. Ein paar Telefonate hier, ein Empfehlungsschreiben da, eine kleine Gefälligkeit vielleicht, schon ist eine Viertelmillion mehr auf dem Konto – nur weil, zum Beispiel, eine Ladung FFP2- Masken den Besitzer wechselt. Wenn's dann, Pressefreiheit und Rechtsstaat sei Dank, rauskommt, greift das Ur-Modell: Rauswurf aus dem Paradies. Wie gefasst Eva und Adam die Nachricht ihrer Zwangsräumung aufgenommen haben, ist nicht verbürgt. Über ihre Nachfahren, die vertriebenen Sünder unserer Tage, jedenfalls lautet die Erkenntnis: Würdevolle Gefasstheit scheint der Menschen Ding nicht. Da halten sich manche noch am Paradies-Ausgang hartnäckig am Türrahmen fest. Ehe sie endlich doch loslassen.

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