Amazon legt abgespeckte Pläne für Schwäbisch Gmünd vor

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Da wirken die Gmünder Gemeinderäte ziemlich klein: Blick ins Amazon-Logistikzentrum in Pforzheim.
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Beim Gmünder Besuch im Logistikzentrum in Pforzheim konkretisiert der Online-Händler sein Vorhaben mit neuem Standort im Benzfeld.

Mitglieder des Verwaltungsausschusses des Gmünder Gemeinderats machten sich am Freitag ein Bild vom Logistikzentrum des Online-Händlers Amazon in Pforzheim. Mehr als drei Stunden standen Standortleiter Alexander Bruggner, Regionial-Direktor Logistik, Karsten Frost, und Betriebsratsvorsitzender Christos Kalpakidis den Gemeinderäten Rede und Antwort. Zudem gab es eine ausführliche Führung mit Einblicken in den alltäglichen Arbeitsablauf.

Klar wurde dabei: Entgegen den ursprünglichen Plänen, die dem Ausschuss Ende vergangenen Jahres vorlagen, hat der Online-Händler seine Pläne für ein Verteilzentrum in Gmünd deutlich reduziert. Eine "erste interne Machbarkeitsstudie" des Unternehmens liege vor. Demnach komme dafür ein rund 3550 Quadratmeter großer Neubau samt Tiefgarage auf einem etwa zwei Hektar großen Grundstück im Benzfeld neben der "Fleiga" in Betracht. Bis zu 108 Mitarbeiter könnten hier einen Arbeitsplatz finden, dazu 20 in Managerpositionen. Die Anlieferung mit Lastwagen erfolge nach Angaben des Unternehmens überwiegend nachts, Amazon rechne mit etwa 18 Lastwagen pro Nacht.

OB: Zur Kenntnis genommen

Oberbürgermeister Richard Arnold meinte, man nehme diese abgespeckten Pläne zur Kenntnis. "Damit werden wir uns, wenn wir das wollen, nun auseinandersetzen." Verwaltung und Gemeinderat sollten zudem die Fragen stellen: Wie verringern wir die Belastungen und welche Forderungen haben wir an Amazon? Die VA-Mitglieder stellten den Unternehmensvertretern eine Vielzahl an Fragen. Eine Auswahl:

Welche Verkehrsbelastung käme auf Gmünd zu? Von 22 bis 8 Uhr rechnet Amazon mit bis zu 18 Lastwagen, bei "Auftragsspitzen an wenigen Tagen" mit bis zu 27. Von 12 Bis 16 Uhr liege der Durchschnitt bei vier Lastwagen. Die Lastwagen kämen nicht geballt, sondern verteilt. Vor der Einrichtung des Verteilzentrums gebe es ein Verkehrsgutachten, bei dem der aktuelle Verkehr geprüft werde und berechnet, wie viele durch Amazon hinzukomme. Es gebe dabei auch die Möglichkeit, bestimmte Routen für den Lieferverkehr zu sperren.

Wer plant das Verteilzentrum? Laut Amazon ist das Vorgehen so, dass nicht der Online-Händler selbst, sondern eine externe Entwicklungsgesellschaft das Grundstück, etwa von der Stadt, erwirbt und auch den Bau verantwortet. Amazon mietet dann das Gebäude.

Die Kollegen arbeiten gerne hier.

Christos Kalpakidis, Betriebsratsvorsitzender

Was haben die Händler vor Ort davon? Laut Amazon können kleine Händler die Website, die Logistik und den "großen Markt" des Unternehmens nutzen. Dazu muss freilich eine Gebühr entrichtet werden. Auf die Frage von Stadtsprecher Markus Herrmann zu negativen Auswirkungen auf den Handel meinte Frost, es sei fraglich, ob die Gmünder mehr bei Amazon kauften, wenn es das Verteilzentrum gäbe. Und: "Uns geht es darum, dass die Pakete zu den Kunden kommen."

Welche Aufgabe würde das Verteilzentrum erfüllen? Pakete, die aus dem Logistikzentrum kommen und schon konkret adressiert sind, werden hier in Empfang genommen, gescannt und über Förderbänder verteilt. Anschließend werden die Pakete in einem Umkreis von rund 50 bis 60 Kilometern ausgeliefert. "Wie in einem Bienenstock – und jede Wabe ist ein Zustellgebiet", erläuterte Frost.

Warum produziert Amazon immer wieder negative Schlagzeilen? Betriebsratsvorsitzender Christos Kalpakidis meinte, Amazon sei eine "normale Firma mit einer guten Entwicklung". Medienberichten über Amazon erregten eben Aufmerksamkeit, weil der Name bekannt sei. Zudem sei die Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft Verdi über einen Tarifvertrag immer ein Thema in der Öffentlichkeit. Viele Besucher, die, wie die Gmünder Gemeinderäte, einen Blick hinter die Kulissen genommen haben, hätten aber einen anderen Blick. "Und die Kollegen arbeiten gerne hier", betonte Kalpakidis.

Wie ist das mit den Überwachungskameras? Die Kameras dienten nicht der Überwachung der Mitarbeiter, so Kalpakidis. "Das kann ich garantieren." Vielmehr gehe es um Diebstahlschutz und die Kontrolle von Türen, Toren und Notausgängen.

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