Anne Heinzmann ist es ein Bedürfnis zu helfen

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Anne Heinzmann ist bei der warmen Stube überall im Einsatz: ob bei der Teeausgabe, in der Spülküche oder am Suppentopf. ⋌Foto: Tom
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Anne Heinzmann aus Schwäbisch Gmünd erzählt, warum sie sich ehrenamtlich für die Vesperkirche und die warme Stube engagiert.

Schwäbisch Gmünd. Wenn jemand bedürftig ist, muss man doch helfen.“ Aus diesem Selbstverständnis heraus arbeitet Anne Heinzmann von Beginn an ehrenamtlich bei der Gmünder Vesperkirche mit. Und es sei ihr auch ein Bedürfnis, nun bei der Fortsetzung der Vesperkirche dabei zu sein: bei der warmen Stube. Bei dieser gibt es seit Ende November den ganzen Winter über jeden Freitag ab 12 bis 14 Uhr im Franziskaner kostenlos Eintopf und Getränke für die Besucher.

Viele Wochen haben Anne Heinzmann und die anderen Organisatoren die warme Stube geplant. Sie waren sehr gespannt, wer in den Franziskaner kommt, um mit anderen zu essen. Beim Auftakt hätten mehr Gäste da sein dürfen, sagt Anne Heinzmann. Es waren gut 60, beim zweiten Mal dann um die 80 Besucher. Das Angebot müsse sich wohl erst herumsprechen. Die Leute müssten eine Hemmschwelle überwinden, sich hineinzutrauen. So sei es bei der Vesperkirche in der Augustinuskirche anfangs auch gewesen.

Weil weniger Gäste gekommen sind als erwartet, konnten Anne Heinzmann und die anderen sieben Helfer manchen Besuchern am Ende der warmen Stube etwas Eintopf in Gefrierbeuteln mitgeben. Damit waren sie übers ganze Wochenende versorgt, sagt die Gmünderin. Ein paar der Gäste seien wirklich ausgehungert gewesen, als sie in der warmen Stube ankamen. Sie ließen sich ihren Teller am Suppentopf gleich mehrmals vollmachen.

In der warmen Stube wie auch in der Vesperkirche im Oktober haben die Ehrenamtlichen festgestellt, dass deutlich mehr Bedürftige kommen als früher. Da ist etwa die Frau mittleren Alters, die wegen Krankheit nicht arbeiten kann, oder auch der Senior, der nur eine geringe Rente bezieht, erzählt Anne Heinzmann. Und es waren auch einige da, die daheim niemanden haben, mit dem sie reden können.

Wer kann, darf etwas für die Mahlzeit ins Spendenkässchen werfen. Das muss aber niemand. Die Besucher seien zum Teil sehr dankbar für das kostenlose Angebot, erzählt Anne Heinzmann. Einige hätten angekündigt, nächsten Freitag wiederzukommen.

„Manche der Gäste kennen wir von der Vesperkirche“, andere haben das Angebot das erste Mal genutzt, sagt die 69-Jährige, die vor ihrer Rente als Podologin tätig war und seit jeher gerne mit Menschen zu tun hat. Bei der Fußpflege erzählen viele Kunden, welche Sorgen sie haben, wo sie der Schuh drückt – in jeder Hinsicht. So ist Anne Heinzmann auch in der warmen Stube gerne Ansprechpartnerin für die Gäste. Ihr ist wichtig, dass sich die Leute wohlfühlen. Daher schaut sie überall mal nach dem Rechten: Sie heißt die Gäste willkommen, bietet ihnen Tee an, putzt zwischendurch die Tische, spült die Teller oder gibt den Besuchern den Eintopf aus. Das laufe alles im Team und funktioniere hervorragend. Sie habe sich riesig gefreut, als sie die anderen Helfer nach zwei Jahren Coronapause wieder getroffen habe, um hier etwas wirklich Sinnvolles zu tun.

Von Anfang an habe sie hinter der Idee gestanden, eine Vesperkirche und nun in Folge eine warme Stube ins Leben zu rufen, sagt Anne Heinzmann, die seit rund 25 Jahren Kirchengemeinderätin in der evangelischen Kirchengemeinde der Augustinuskirche ist.

„Mein Glaube ist für mich Halt und Stütze“, erklärt die Gmünderin. Sie findet es gut, dass Helferkollegen bei jeder warmen Stube einen kurzen geistlichen Impuls halten: „So können wir den Leuten noch mehr mitgeben“ als einen Eintopf und ein paar Stunden in Gesellschaft.

Bei der warmen Stube gibt es am Freitag, 9. Dezember, ab 12 bis 14 Uhr im Franziskaner in der Franziskanergasse 3 in Gmünd Linsen-Eintopf.

Spenden für die Tagespost-Weihnachtsaktion für die warme Stube gehen auf das Konto der evangelischen Kirchenpflege: IBAN DE06 6145 0050 0440 0010 92, Stichwort warme Stube.

Einige Ehrenamtliche wollen sich nicht lange binden

Für die warme Stube haben sich genug Ehrenamtliche gefunden, sagt Inge Pfeifer vom Organisationsteam. Bei zeitlich begrenzten Aufgaben sei es nie ein Problem, Helfer zu gewinnen. Viel schwieriger werde es, wenn sich Ehrenamtliche längerfristig binden sollen.

Haben andere Einrichtungen genügend Ehrenamtliche, will die Tagespost am Tag des Ehrenamts wissen. „Wir bauen unsere Dienste nicht rein auf Ehrenamtlichen auf“, erklärt Anita Knauß von der Stabstelle Kommunikation der Caritas Ostwürttemberg. Eine Ausnahme sei der Förderverein von St. Elisabeth, der ehrenamtlich getragen sei. „Ohne ihn würde unsere Wohnungslosenhilfe sicher nicht so aussehen, wie sie es tut“, sagt sie. Insgesamt gelte: „Ehrenamtliche kann man als Stütze des Hauptamts nie genug haben.“

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