Apotheken kämpfen mit Online-Problemen

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Nicht sehr kompliziert und in zehn Minuten erledigt - eigentlich. Doch in der Praxis kämpfen die Apotheken beim Ausstellen digitaler Impfpässe mit Problemen am Zentralserver.
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„Der Server ist total überlastet“: Apotheken sind bereit, die zentrale Technik nicht immer.

Schwäbisch Gmünd. „Für die Kundschaft ist es sehr frustrierend“, sagt Julia Gaiser, Inhaberin der Stadt-Apotheke Heubach. Eigentlich braucht es rund zehn Minuten, dann ist der digitale Impfpass fertig. Eigentlich. „Aber der Server ist total überlastet.“

Mal geht's, mal nicht

Dieser Satz hat im Moment Hochkonjunktur in den Apotheken. Am Willen und der technischen Ausstattung vor Ort mangelt es nicht. „Wir versuchen es in der Regel schnellstmöglich zu bearbeiten“, sagt Ulrike Mohr-Möllenbeck, Filialleiterin der Lindach-Apotheke. Aber: „Die Hälfte der Zeit hat es heute funktioniert, die Hälfte war der zentrale Server überlastet.“

„Die Lage ist schwierig, klare Voraussagen für die Kunden sind nicht möglich“, sagt Claudia Schaal, die Leiterin der Rems-Apotheke.

Da hilft nur eines: geduldig sein. „Mit Ruhe und Gelassenheit kommen wir da durch“, findet Julia Gaiser. Sie hoffe auf das Verständnis der Kunden – und bekommt es auch: „Die Kundschaft ist sehr freundlich.“

Die Nachfrage in Apotheken in und um Gmünd ist groß. Alle von der GT befragten Apothekerinnen berichten von zig Kunden pro Tag, die den Impfpass haben wollen. Viele kommen nicht nur deshalb, oft fragen Menschen, die etwa wegen eines Medikaments in die Apotheke kommen, auch gleich nach dem neuartigen Impfpass.

„Zu wenig Vorlauf“

Es ist nicht die erste Nachfragewelle, die Apotheken im Lauf der Corona-Pandemie erreicht. „Es ist wie an vielen Stellen: Es wird etwas eingerichtet, und die Apotheken bekommen zu wenig Vorlauf, um allen Anforderungen gerecht zu werden“, sagt Ulrike Mohr-Möllenbeck. Den Plan, in Apotheken Gratis-Masken an ältere Menschen auszugeben, habe die Politik an einem Donnerstag bekanntgegeben, erinnert sich Claudia Schaal. „Am Dienstag darauf sollten wir starten – und wir haben plötzlich tausende Masken gebraucht.“

In der Lindach-Apotheke sind die Beschäftigten dazu übergegangen, bei Server-Problemen die Impfpässe der Kunden zu kopieren und später zu bearbeiten, wenn der Server wieder einmal frei ist. Dann können die Kunden ihren digitalen Impfpass später wieder abholen. Was die Zusatzarbeit am Telefon tendenziell noch einmal erhöht. Wo die Beschäftigten in den Apotheken ohnehin schon viel zu tun haben.

„Personal kommt an Grenzen“

Seit Corona sei die Telefonberatung viel mehr geworden, berichtet Ulrike Mohr-Möllenbeck. „Wir werden öfter am Tag angerufen, wenn die Leute Fragen zu Impfungen, Impfstoffen, Impfausweisen haben.“ Und das sei eine komplett unbezahlte Serviceleistung – bei unveränderter Personaldecke. Mohr-Möllenbeck: „Das Personal kommt an seine Grenzen.“ Bernd Müller

Der Weg zum

digitalen Impfpass

Info: Um einen digitalen Impfpass zu bekommen, muss eine geimpfte Person Impfpass und Personalausweis mitbringen. Die Apotheken stellen dann einen QR-Code aus, der in einer App eingescannt werden kann. Wer sich in einem Impfzentrum hat impfen lassen, soll seinen QR-Code in den nächsten Wochen direkt zugeschickt bekommen.

Klare Voraussagen für die Kunden sind nicht möglich.“

Claudia Schaal, Rems-Apotheke

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