Arbeitnehmer streiken bei Leicht in Gmünd

+
Warnstreik vor dem Leicht-Werk im Gmünder Gügling. Auch Beschäftigte aus Waldstetten protestierten am Montag für mehr Geld.
  • schließen

Mehr Geld und einen Ausgleich für besondere Belastungen fordern die Arbeitnehmer, die den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen wollen.

Schwäbisch Gmünd/Waldstetten. Am vergangenen Mittwoch endete die Friedenspflicht im Tarifstreit in der Holz- und Kunststoffindustrie, seither gibt es im ganzen Land Warnstreiks. Um den Druck vor der dritten Verhandlungsrunde an diesem Dienstag zu erhöhen, wurde am Montag beim Küchenbauer Leicht aus Waldstetten die Arbeit niedergelegt. Drei Stunden lang ruhte die Produktion, in den Büros wurde nicht gearbeitet, so die IG Metall. Vor dem Leicht-Werk im Industrie- und Gewerbegebiet Gügling riefen Gewerkschaft und Betriebsrat zu einer Kundgebung, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen und die Mitarbeiter zu mobilisieren, denn: Die Vorstellungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern liegen noch sehr weit auseinander.

Das will die Arbeitnehmerseite: 4,5 Prozent mehr Lohn, eine finanzielle Aufbesserung der Altersteilzeit, eine einmalige Zahlung in Höhe von 27,8 Prozent eines Monatsverdiensts für die Beschäftigten in Baden-Württemberg. Letzteres nennt Gewerkschaftssekretär Peter Hofer eine „Belastungskomponente“. Die Laufzeit des Vertrags soll 12 Monate betragen. „Aus meiner Sicht hätten die Forderungen angesichts der Preissteigerungen in vielen Lebensbereichen noch höher ausfallen können“, sagt er. Das Angebot der Arbeitnehmerseite sei fair. „Wir verhandeln schließlich nicht mit armen Leuten“, ruft der Gewerkschafter den Leicht-Mitarbeitern zu. Trotz der Corona-Krise hätten die Unternehmen aus der Holz- und Kunststoffindustrie 2020 ihren Umsatz von 39,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 42,2 Milliarden Euro gesteigert. Das sei auch Verdienst der Beschäftigten.

Bei Leicht sei die Auftragslage ebenfalls weiter sehr gut, sagt Betriebsratschef Torben Wengert. Die Beschäftigten leisteten deshalb seit mehreren Jahren Sonder- und Zusatzschichten, Überstunden sowie Wochenendarbeit. „Wir stehen zur Firma Leicht, aber wir wollen für unsere Arbeit belohnt werden“, erklärt Wengert. Eine Umfrage des Betriebsrats habe vor kurzem ergeben, dass die physische wie psychische Arbeitsbelastung bei Leicht immer weiter steige.

Das bieten die Arbeitgeber. Das Angebot der Arbeitgeber stößt bei Gewerkschaft und Betriebsrat auf wenig Gegenliebe. „Nicht akzeptabel, unverschämt und lächerlich“, nennt es Hofer. Nach sechs „Null-Monaten“, sollen die Löhne ab März 2022 um 1,2 Prozent, ein Jahr später um 1,3 Prozent steigen. Laufzeit: 30 Monate. „Das ist eine Frechheit angesichts des überragenden Geschäftserfolgs in der Branche“, ruft Hofer. „Das ist ein Angebot, das eigentlich keines ist“, findet Wengert.

So geht es weiter. An diesem Dienstag folgt in Friedrichshafen die dritte Verhandlungsrunde. Der Abschluss in Baden-Württemberg könnte Pilotcharakter haben, in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen seien die bereits terminierten Gespräche verschoben worden, erklärt der Gewerkschafter. Laut Wengert warte man dort auf das Signal aus dem Südwesten. „Wir in Baden-Württemberg sind die starke geballte Faust“, ist der Betriebsratschef überzeugt.

Die Branche. Im Ostalbkreis ist lediglich der Küchenbauer Leicht von dem Tarifstreit betroffen, erklärt Hofer. In der Region gehört noch der Gardena-Konzern mit seinem Standort in Heuchlingen bei Gerstetten zu dieser Branche. Bei Gardena wurde bereits in der vergangenen Woche im Rahmen eines Warnstreiks die Arbeit niedergelegt. Leicht beschäftigt derzeit rund 760 Menschen, 200 in der neuen Fabrik auf dem Gügling, 460 am Stammsitz in Waldstetten sowie 100 in einem Werk in Kirchheim/Teck.

Wir stehen zur Firma Leicht, aber wir wollen für unsere Arbeit belohnt werden“

Torben Wengert, Betriebsratschef Leicht

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

WEITERE ARTIKEL

Kommentare