Armenienhilfe kümmert sich um Flüchtlinge aus Bergkarabach

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In Armenien hat die 27. Saison der "Küche der Barmherzigkeit" begonnen. Essen gibt's im Freien oder zum Mitnehmen.
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Die 27. Saison hat in der Hauptstadt Yerevan begonnen. Die Menschen leiden unter dem Krieg und unter Corona.

Schwäbisch Gmünd / Yerevan

Es gab keine Musik, keine Tänze, keine Ansprachen: Ganz anders war in diesem Jahr in Armeniens Hauptstadt Yerevan die Eröffnung der "Küche der Barmherzigkeit", die am 2. November zum 27. Mal begann. "Wir haben dazu weder Zeit noch Herz noch Laune", sagt Movses Poghosyan, der Leiter der Zweigstelle des DRK-Landesverbandes in Armenien. Was Poghosyan damit meint: Der Krieg um Bergkarabach und die Corona-Pandemie belasten das armenische Volk schwer und nehmen auch der "Küche der Barmherzigkeit" die Fröhlichkeit, die frühere Eröffnungen der Suppenküche hatten. Seit der Eröffnung erhalten 150 Personen zweimal in der Woche im "Haus der Hoffnung" Lebensmittel, aus denen sie sich zuhause selbst eine Mahlzeit zubereiten können.

Für diesen Eröffnungstag haben die Mitarbeiter der Suppenküche zweimal geprobt: An einem Tag empfingen sie 60 Bedürftige, an einem zweiten 100 arme und alte Menschen. Denn die Corona-Pandemie hat zur Folge, dass die Menschen nicht mehr im "Haus der Hoffnung" essen können. Für die 27. Saison hat die Armenienhilfe eigentlich die Zahl von 250 Bedürftigen festgelegt, die Lebensmittel erhalten sollen.

Dem Krieg um Bergkarabach und Corona geschuldet, könnten dies aber mehr werden. "Wir haben die Möglichkeit, uns um 600 Menschen zu kümmern", sagt Poghosyan. Dafür jedoch fehlen die Mittel. Dass die Notwendigkeit besteht, daran lässt Poghosyan keinen Zweifel. Seit dem Beginn des Kriegs um Bergkarabach Ende September, jenem Landstrich, der in Aserbaidschan liegt, aber überwiegend von Armeniern bewohnt wird, sind mehr als 90 000 der 150 000 in Bergkarabach lebenden Menschen nach Armenien geflüchtet. Sie alle, sagt Poghosyan, suchten eine Bleibe und Nahrung. Sie alle wollten leben. Eine Besonderheit dieser 27. Saison sei, sagt Poghosyan, dass Ehrenamtliche der Suppenküche an Wochenenden für bis zu 50 neue Flüchtlinge aus Bergkarabach schnell ein warmes und kalorienreiches Essen zubereiten könnten.

Es geht um den Erhalt der Zivilisation, des Humanitarismus und kultureller Werte.

Movses Poghosyan

Sind in dieser ersten Woche überwiegend Menschen aus Bergkarabach von der Armenienhilfe versorgt worden, so werden in der kommenden Woche erstmals 20 der Bedürftigen in die "Küche der Barmherzigkeit" kommen, die dort seit Jahren Essen bekommen. Für die Ausgabe des Essens haben die Mitarbeiter des "Hauses der Hoffnung" inzwischen Schleusen errichtet, durch die die Menschen gehen müssen. So sollen Begegnungen und Kontakte vermieden werden. Bevor die Menschen ihr Essen bekommen, wird ihre Körpertemperatur gemessen, und ihre Hände werden desinfiziert. Montags erhalten sie Lebensmittel für drei Tage, also für Montag, Dienstag und Mittwoch. Und donnerstags bekommen sie Lebensmittel für den Donnerstag und den Freitag. Dabei wird die Menge etwas großzügiger bemessen, dass es fürs Wochenende auch noch reicht.

Neben dem Krieg um Bergkarabach leiden die Armenier auch unter Corona. Mehrere Mitarbeiter im "Haus der Hoffnung" waren infiziert. Momentan ist ein Mitarbeiter infiziert, bei zwei weiteren gibt es einen Verdacht. Die Pandemie und den Krieg um Bergkarabach im Kopf, bittet Movses Poghosyan die Menschen in Gmünd und in Deutschland, in Bezug auf Armenien nicht gleichgültig zu sein. "Es geht um den Erhalt der Zivilisation, des Humanitarismus und kultureller Werte", sagt Poghosyan, der um die Existenz des armenischen Volkes fürchtet.

Spenden für die "Küche der Barmherzigkeit" können auf dieses Konto der Kreissparkasse Ostalb eingezahlt werden: BIC OASPDE6A IBAN DE68614500500440752987

Weil es in den Krankenhäusern keine Betten mehr gibt, werden an Corona Erkrankte so untergebracht.
Bis zu 250 bedürftige Menschen werden in dieser Saison von der "Küche der Barmherzigkeit" verköstigt.

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