Auf Fernunterricht eingestellt

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Weiter Homeschooling oder doch der geplante Präsenzunterricht ab nächster Woche? Angesichts der sich im Ostalbkreis der Zweihundertermarke annähernden Inzidenz hängen Schüler, Eltern und Lehrer in der Luft - Klarheit soll es an diesem Freitag geben.
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Angesichts der steigenden Sieben-Tage-Inzidenz im Ostalbkreis werden die Schulen am Montag wohl geschlossen bleiben. Klarheit soll es an diesem Freitag geben.

Schwäbisch Gmünd

Schon wieder weiß Ende der Woche niemand, wie es am Montag weitergehen soll“, sagt Jens-Peter Schuller, Schulleiter der Agnes-von-Hohenstaufen-Schule und Sprecher des Berufschulzentrums auf dem Hardt. Das sei seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr schon viel zu oft der Fall gewesen.

Dieses Mal hängt alles an der Sieben-Tage-Inzidenz des Ostalbkreises. Laut Kultusministerium dürfen zwar ab kommenden Montag, 19. April, alle Schüler mit negativem Coronatest im Wechselunterricht an die Schulen, nicht mehr nur die Erst- bis Sechstklässler und die Schüler der Abschlussklassen. In Landkreisen mit einer Inzidenz über 200 jedoch untersagt das Land den Präsenzunterricht. Dieser ist dann nur noch für die Abschlussklassen und in Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren erlaubt. Auch Notbetreuung darf es für die Klassen eins bis sieben dann noch geben.

Am Donnerstagmorgen lag die Inzidenz im Ostalbkreis bei 194,9, nachdem sie in den Tagen zuvor kontinuierlich gestiegen war. So stand das Telefon am Donnerstagfrüh bei Schul- und Sportamtsleiter Klaus Arnholdt nicht still, weil Schulleiter, Lehrer und Eltern wissen wollten, worauf sie sich einstellen sollen. Er hat Landrat Dr. Joachim Bläse um ein Signal gebeten. Denn „für Eltern und Lehrer ist diese Ungewissheit eine große Belastung“, weiß Klaus Arnholdt.

Das Signal vom Landratsamt an die Kommunen kam am Donnerstagnachmittag – mit eher düsteren Aussichten: „Entsprechend der im Laufe des heutigen Tages bereits bei uns eingegangenen neuen Infektionsfälle gehen wir davon aus, dass wir heute Abend die Sieben-Tage-Inzidenz von 200 überschreiten werden“, erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Der Landrat habe die Bürgermeister bereits vorab informiert, „dass er – sollte dies so eintreffen – den Schulträgern empfehlen wird, die Schulen in der kommenden Woche nicht in den Wechselunterricht starten zu lassen“. Ab dem dritten Tag mit einer Inzidenz von über 200 schreibt das Kultusministerium den Fernunterricht vor.

Klaus Arnholdt hat die Schulleitungen am Donnerstag sofort über diese Vorabinfo des Landratsamts informiert. Er gehe davon aus, dass das offizielle Schreiben an diesem Freitag an die Schulleitungen gehe.

Jens-Peter Schuller erwartet in einer Videokonferenz, die für diesen Freitag um 10.30 Uhr angesetzt ist, Klarheit. Wenn die Schüler nicht in den Wechselunterricht dürfen, bedeutet dies für die Lehrer, dass sie übers Wochenende den Fernunterricht vorbereiten müssen, der ab Montag startet, weiß der Schulleiter. Wieder einmal. Für diese Flexibilität zollt er den Kollegen Respekt: „Die machen das wirklich weltklasse“, sagt er über die Lehrkräfte der Agnes-von-Hohenstaufen-Schule.

Für die Abiturklassen werde sich durch den Erlass nichts ändern. Sie sind ab Montag so oder so im Fernunterricht, weil sie zwei Wochen vor den Abschlussprüfungen nicht mehr an die Schulen kommen sollen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Die Gmünder Gymnasien wären auf Präsenzunterricht vorbereitet, sagt Veit Botsch als deren geschäftsführender Schulleiter. „Wir machen alle den wochenweisen Wechsel.“ Zumindest ist so der Plan. Botsch befürchtete jedoch bereits am Donnerstag angesichts steigender Inzidenzen, dass es am Montag keinen Präsenzunterricht für alle geben wird. „Für die Schüler ist das der schlechteste Fall“, denn die seien – abgesehen von Kursstufe sowie Klasse 5 und 6 – seit 16. Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Im Präsenzunterricht wäre jeweils die Hälfte der Schüler wochenweise in der Schule. Für die andere Hälfte gäbe es Homeschooling, was für die Lehrkräfte zusätzliche Arbeit am Nachmittag bedeute. Ebenfalls beschult werden müssten jene, die überhaupt nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, sei es, weil sie möglichst jegliche Ansteckungsmöglichkeit meiden müssen oder weil die Eltern der geltenden Verpflichtung zu regelmäßigen Coronatests nicht zustimmen.

Kein Hickhack während der Woche

Veit Botsch hofft nun „auf ein einheitliches Signal für den Landkreis“. Seine größte Sorge wäre, „dass wir die Schüler am Montagmorgen da haben und am Dienstag wieder heimschicken“.

Auch seine Kollegin Daniela Maschka-Dengler, geschäftsführende Schulleiterin der Gmünder Grund-, Haupt- und Realschulen, möchte kein „Hickhack mitten in der Woche“, auch wenn der Präsenzunterricht bereits organisiert ist. Dass die Schüler in dem Fall Schnelltests machen müssten, begrüßt die Rektorin. Für die Schulen, die Abläufe dort, die Bildungsgerechtigkeit und die Sicherheit der Lehrkräfte sei es wichtig, daran teilzunehmen. Schüler, die mangels Test nicht zum Unterricht dürften, bekämen zwar die gleichen Inhalte wie ihre Klassenkameraden, vermittelt, „aber nicht so intensiv“.

Am Donnerstag hat Daniela Maschka-Dengler ohne Unterlass Anfragen von Eltern und Kollegen dazu bekommen, wie es nun weitergeht. „Es leidet jeder, auch die Kinder“ unter der Ungewissheit. Darum sei eine Entscheidung diesen Freitagvormittag wichtig. „Damit wir genügend Zeit haben, die Eltern zu informieren“ und die wiederum „etwas in die Wege leiten können“, sollten die Kinder ab Montag weiter im Homeschooling sein.

Für Eltern und Lehrer ist diese Ungewissheit eine große Belastung.“

Leiter des Schul- und Sportamts

Die Kindertagesstätten bleiben vorerst offen

An den Kindertagesstätten soll sich im Ostalbkreis vorerst nichts ändern, selbst wenn die Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 200 liegt. Landrat Dr. Joachim Bläse habe sich mit den Bürgermeistern des Ostalbkreises auf freiwillige Testungen der Kinder verständigt, erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle dazu: „Deshalb ist bis auf Weiteres nicht beabsichtigt, Kitas zu schließen. Vielmehr wollen wir beobachten, wie und mit welchem Ergebnis die freiwilligen Testungen angenommen werden.“

Die Stadt Schwäbisch Gmünd bietet bereits seit 22. März für alle Kinder an Kindertagesstätten und Grundschulen zweimal die Woche Tests auf freiwilliger Basis an. Das wird von Woche zu Woche besser angenommen, berichtet Klaus Arnholdt, Leiter des Schul- und Sportamts. An manchen Einrichtungen testen alle Eltern ihre Kinder freiwillig. Das sei vor allem dort der Fall, wo bereits einige Familien wegen einem Coronafall an der Kita in Quarantäne mussten. An anderen Kitas testen weniger als die Hälfte der Eltern ihre Kinder. Doch er hoffe, dass auch dort die Bereitschaft wächst. Unterm Strich würden etwa 80 Prozent der 2500 Kinder in den Gmünder Kitas zwei Mal pro Woche getestet. Dank der rund 4000 Tests pro Woche seien schon einige positive Fälle entdeckt und weitere Ansteckungen vermieden worden. Vielleicht ein Grund, weshalb Schwäbisch Gmünd derzeit vergleichsweise geringe Corona-Fallzahlen aufweise, vermutet Klaus Arnholdt. Die Stadt Aalen verzeichnete am Donnerstag 320 aktive Coronafälle, Schwäbisch Gmünd 112. jul

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