Badespaß bei 3,4 Grad Wassertemperatur

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Extremschwimmer Bruno Dobelmann schwamm am Wochenende bei 3,4 Grad Wassertemperatur im Plüderhäuser See – aus Spaß und für die Forschung.

Plüderhausen

Auf dem Steg liegt ein digitales Thermometer. "3,4 Grad, Bruno", liest Rolf Weller ab und schmunzelt: "Hast du einen Tauchsieder dabei?" Bruno Dobelmann steht am Ufer, in knielanger Badehose, Badekappe und Schwimmbrille. An seinem Fuß ist eine orangefarbene Boje befestigt. "Das kostet mich schon Überwindung", gibt der 61-Jährige zu. Spricht's und marschiert ins Wasser, bis zum Hals. "Ist das kalt, brutal", schimpft er, dreht sich vom Ufer weg und beginnt, kraulend hinauszuschwimmen.

Bruno Dobelmann ist Rekordhalter im Extremschwimmen und leidenschaftlicher Eisschwimmer. Der Stuttgarter trainierte am vergangenen Wochenende am Plüderhäuser See. Tatsächlich ist er nicht der einzige. "Es gibt ungefähr 20 Besucher, die auch im Winter schwimmen", erzählte Martin Dannenhauer. Der Seewart verfolgte Dobelmanns Runden vom Ufer aus. Neben ihm stand Rolf Weller. Der Plüderhäuser versorgt Bruno Dobelmann mit den aktuellen Temperaturen des Sees. Auf einer Übersicht zeigte er, dass der beliebte Badesee schnell sehr kalt geworden war. Von knapp neun Grad Mitte November auf etwa zwei Grad am vergangenen Donnerstag.

"Schade", hatte Dobelmann deswegen vor dem Wochenende erzählt. "Sonst hätte ich versuchen können, eine Eismeile zu schwimmen." Also 1609,34 Meter in unter fünf Grad kaltem Wasser. So definiert die International Ice Swimming Association (IISA) diese Herausforderung, deren Erfinder die südafrikanische Organisation ist. "Doch sobald das Wasser unter vier Grad kalt ist, würde ich mich bei dieser Strecke in Lebensgefahr bringen", sagte Dobelmann. Er hat bisher fünf Eismeilen absolviert. Die erste im Alter von fast 56 Jahren, an Silvester 2014. Außerdem hält der Stuttgarter den Rekord, als Erster im Jahr 2011 den Fehmarnbelt zwischen Deutschland und Dänemark hin und zurück durchquert zu haben. 50 Kilometer bei Wassertemperaturen um 15 Grad in gut 19 Stunden – "ich bin langsam, aber ausdauernd", sagte Dobelmann verschmitzt, dessen kompakte Statur ihm den Spitznamen "Orca" einbrachte.

Ärzte sind immer dabei

Ist das kalt, brutal.

Bruno Dobelmann, Extrem-Schwimmer aus Stuttgart

Unaufgeregt erzählt der Extrem-Schwimmer von seinen Aktionen, bei denen er auch schon eine Nahtoderfahrung gehabt habe. "15 Minuten war ich weg." Deswegen müsse bei einer geplanten Eismeile auch immer ein Ärzte- und Betreuerteam dabei sein. Obwohl Dobelmann meist mit einer Körpertemperatur von über 38 Grad ins Wasser steigt – "wegen des Adrenalins" – sei seine Temperatur nach dem Schwimmen schon mal auf knapp 34 Grad gefallen. "Würde ich dann einfach einen heißen Tee trinken, droht Vorhofflimmern." Stattdessen zittert sich der Körper wieder selbst warm, am besten unterstützt mit warmen Decken. Und alles ärztlich überwacht. "Momentan ist es wegen Corona sehr schwierig, Leute dafür zu finden." Trotzdem schwimmt Dobelmann regelmäßig, wenn auch keine Meile. Denn seine Körperdaten, die er über einen Sensor im Hintern sowie einer Pulsmessuhr sammelt, stellt er dem Schweizer Sportarzt Beat Knechtle zu Verfügung. Dieser ziehe durch die Auswertungen Rückschlüsse darauf, wie der Körper auf Kälte reagiert.

Nach 15 Minuten im See und zurückgelegten 533 Metern stieg Dobelmann am Sonntag aus dem See. Knallrot und eiskalt. Obwohl die Daten später zeigten, dass seine Körpertemperatur da noch knapp über 38 Grad lag. Auch hatte das Zittern noch nicht eingesetzt. "Damit rechne ich aber noch." Ganz anders bei zwei Männern, die an dem Mittag auch im See geschwommen waren. "Zum ersten Mal", erzählten Florian und Pat aus Stuttgart. Die Mittdreißiger schwammen drei Minuten im Wasser. "Eigentlich fühle ich mich warm, aber ich zittere trotzdem total", sagte Florian hinterher. Beide wirkten zufrieden mit der Erfahrung. Ähnlich wie Bruno Dobelmann. Nach ungefähr drei Runden im See paddelte er kurz auf der Stelle und rief zum Ufer: "Jetzt ist es gerade herrlich!"

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