Bald Doppelstockzüge auf der Remsbahn?

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ZVW über Doppelstockzüge

Auf der Remsbahn soll es künftig mehr Sitzplätze und mehr Komfort geben.

Schwäbisch Gmünd. Ein regelmäßig aufploppendes Ärgernis: Seit im Juni 2019 die Firma Go-Ahead auf der Remsbahn den Betrieb übernommen hat und dabei die vom Land angeschafften „Flirts“, Triebzüge der Schweizer Firma Stadler, einsetzt, sind immer wieder die Wagen überfüllt, es gibt nur noch Stehplätze. Die Flirts gibt es in einer kleinen Variante mit 164 Sitzplätzen und einer größeren mit 272. Maximal zwei große und ein kleiner lassen sich auf der Remsstrecke zu einem Zug zusammenkoppeln, was eine Höchstkapazität von 708 Sitzplätzen ergibt. Aber solche Fahrten sind eher die Ausnahme als die Regel. Meist ist der Metropolexpress (MEX) 13 allenfalls mit zwei großen Wagen (544 Sitzplätze) oder einem großen und einem kleinen (436) unterwegs; und ab und zu fährt selbst in der Pendlerstoßzeit wegen technischer oder personeller Probleme nur ein einzelner kleiner Flirt – 164 Sitzplätze.

Nun aber ist spektakuläre Besserung in Sicht, wie aus der Antwort von Landesverkehrsminister Winfried Hermann auf eine schriftliche Anfrage des FDP-Abgeordneten Jochen Haußmann hervorgeht: Das Land hat 130 neue Doppelstocktriebzüge des Typs Coradia Stream HC des Herstellers Alstom bestellt, Auftragsvolumen 2,5 Milliarden Euro – und solche Fahrzeuge sollen künftig auch auf der Remsstrecke zum Einsatz kommen.

Ein Alstom-Doppelstöcker hat 380 Sitzplätze, aber auf der MEX13-Remsstrecke sollen sie „untertags grundsätzlich in Doppeltraktion“ fahren: zwei aneinandergekoppelt. „Das heißt“, schreibt der Verkehrsminister, „dass für jeden MEX dann 760 Sitzplätze zur Verfügung stehen.“ Nur „in nachfrageschwachen Randzeiten sind Einfachtraktionen mit 380 Sitzplätzen vorgesehen“.

Der Coradia Stream HC hat aber noch mehr zu bieten: pro Zug 30 Fahrradplätze, bei zwei gekoppelten also 60; leistungsstarke Klimaanlage, Steckdosen für Handys und Laptops, Leselampen, Loungebereiche, Konferenz- und Familienabteile.

Frühestens 2026

Nun zu den weniger guten Nachrichten: „Die ersten neuen Doppelstocktriebzüge“, schreibt Winfried Hermann, sollen in Baden-Württemberg auf die Schiene gesetzt werden, sobald „im Dezember 2025“ Stuttgart 21 in Betrieb geht. Sukzessive würden danach die einzelnen Strecken im Land versorgt – die Remsschiene ist laut Plan im Dezember 2026 oder „spätestens“ im Dezember 2027 dran.

„760 Sitzplätze pro Zug sind eine deutliche Steigerung gegenüber heutigen Verhältnissen“, lobt Jochen Haußmann. Allerdings: „Als Ziel hat Winfried Hermann ja die Verdoppelung der Fahrgastzahlen ausgegeben – und die wird sich natürlich vor allem in den jetzt schon fahrgaststarken Zeiten niederschlagen, wenn zum Beispiel mehr Pendler umsteigen.“ Dann könne die Platzsituation doch wieder kritisch werden.

Der FDP-Parlamentarier nennt noch einen weiteren „Haken an der Sache“: Künftig fährt dann der MEX13, der zwischen Schwäbisch Gmünd und Stuttgart in Plüderhausen, Urbach, Schorndorf und Waiblingen hält, mit Alstom-Zügen; der IRE1 hingegen, der dieselbe Strecke bedient, aber unterwegs nur in Schorndorf einen Zusteigestopp einlegt, ist weiterhin mit Stadler-Flirts unterwegs. Die Triebzüge der verschiedenen Firmen sind offenbar nicht kompatibel; im Falle eines technischen Defekts kann also nicht die eine Linie der anderen mit Wagenmaterial aushelfen.

Dennoch: Die Zukunftsaussichten für die Remsbahn sind gut. Haußmann träumt derweil bereits von der nächsten Verbesserung: einer „Verlängerung der S-Bahn bis Plüderhausen“. Annina Baur

Das ist der Zughersteller Alstom

Der französische Konzern Alstom ist, seit er Anfang 2021 das Unternehmen Bombardier Transportation geschluckt hat, das zweitgrößte Unternehmen für Bahntechnik weltweit: 75 000 Beschäftigte in insgesamt 70 Ländern, allein in Deutschland mehr als 8000.

Ungeschlagen bleibt derweil die China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) mit Hauptsitz in Peking. Der größte Schienenfahrzeughersteller der Erde beschäftigt fast 190 000 Leute.

Im Vergleich dazu schnuckelig ist die Schweizer Firma Stadler, die den Flirt produziert: gut 12 000 Beschäftigte.

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