Ein Stück Ortsbild auf Dauer gesichert

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Ein stattlicher Bau: Das vor gut 100 Jahren errichtete Schulhaus hat jetzt eine neue Nutzung.

Das alte Schulhaus in der Bargauer Ortsmitte ist grundsaniert. Vor gut 100 Jahren auf den Resten der alten Kirche gebaut. Familie Wanner bewahrt viele Details aus der Vergangenheit.

Schwäbisch Gmünd-Bargau

Eine Kutterschaufel, ein Kinderschuh, ein Holzwerkstück: Diese Fundstücke kamen bei der Sanierung der denkmalgeschützten alten Schule in Bargau ans Tageslicht. "Ich habe immer gehofft, noch ein Fleißbildchen zu finden", sagt der heutige Besitzer Otto Wanner, der wie seine Ehefrau Brigitta Wanner das Haus noch aus eigenen Schulzeiten kennt. Damit verbunden sind viele Erinnerungen und Geschichten, aber auch Erfahrungen mit dem Umbau. 2008 kaufen Otto und Brigitta Wanner das alte Schulhaus, "es wurde uns auch von Mitgliedern des Ortschaftsrats angetragen". Eigentümer war zu dem Zeitpunkt schon die VGW, aber viele Bargauer wollten, dass das Haus genauso erhalten wird, wie es dasteht.

Die Wanners entsprechen dieser Bitte. Auch wenn so manche Hürden zu bewältigen sind. Die Nutzung der rund 1000 Quadratmeter auf insgesamt fünf Etagen will geplant sein, auch die Realisierung in Begleitung des Denkmalamts. Otto Wanner muss so manche Sitzung über sich ergehen lassen, ehe der Aufzug an der Stelle gebaut werden kann, an der er heute funktioniert. Die von Behörden bevorzugte Lösung hätte das historische Treppenhaus stark beeinträchtigt. Die neuen Eigentümer möchten möglichst viel vom Charme der Vergangenheit mit in die Zukunft nehmen. Etwa ein altes Rundbogenfenster neben dem Haupteingang. Es durch eine moderne Konstruktion zu ersetzen, "wäre jammerschade", sagt Brigitta Wanner. An vielen Stellen blitzt die Geschichte des alten Schulhauses und sogar der alten spätbarocken Kirche durch. Und das hat seine Gründe:

Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Kirche im schnell wachsenden Bargau zu klein. Nach Plänen von Architekt Ulrich Pohlhammer entsteht die heutige Jakobuskirche, sie wird 1911 eingeweiht. Der Vorgängerbau fällt dem Abbruch zum Opfer. "Genau an der Stelle wurde dann vom gleichen Architekten das Schulhaus gebaut", sagt Otto Wanner. Der frühere Pfarrer Josef Seehofer hat es in seiner Dorfbeschreibung genau festgehalten. 53 000 Mark hat es gekostet, die Inneneinrichtung weitere 5000 Mark. Neben drei Schulsälen gibt es den Lernmittelraum, eine Unterlehrerwohnung und eine Oberlehrerwohnung. Und sogar einen Taubenschlag direkt unterm Dach, das Hobby von Oberlehrer Alois Deininger. Es ist auch die Zeit, in der das Haus nicht nur Unterrichtszwecken dient. Nach dem Krieg steht jeder freie Quadratmeter Flüchtlingen zur Verfügung

Mit Steinen der alten Kirche

Ich habe immer gehofft, noch ein Fleißbildchen zu finden.

Otto Wanner, Besitzer des alten Schulhauses

Die Restaurierung schlägt den Bogen zum Vorgängerbau: Im Erdgeschoss sind Mauerreste der damaligen Bargauer Kirche freigelegt. Und an der Südwand des Schulhauses ist der Schlussstein der alten Kirche eingemauert. Seit Jahrzehnten ist das Ensemble aus Schulhaus und Kirche ortsbildprägend. Die neu gestaltete Ortsmitte unterstreicht das zusätzlich. Fast nahtlos geht dieser Mittelpunkt über in den ehemaligen Schulhof, von der Familie Wanner auch als Festplatz genutzt.

Jakobswanderer kommen

Die neue Mitte bringt auch mehr Lebensqualität ins Schulhaus. Im Erdgeschoss ist schon jetzt ein Besprechungsraum eingerichtet. Gegenüber ist noch Raumreserve. Otto und Brigitta Wanner denken darüber nach, dort ein Bistro einzubauen, eine Überlegung, die noch überdacht wird. Ein großer Veranstaltungsraum ist Mittelpunkt im ersten Obergeschoss. Außerhalb von Corona ist dort Platz für bis zu 100 Gäste, "für Geburtstagsfeiern, Weihnachts- oder Tauffeiern", sagt Brigitta Wanner. Aus den Schulräumen im zweiten Obergeschoss wurde Seminarraum, auch Schulungsraum für Kunden des IT-Unternehmers. In den Etagen darüber finden sich insgesamt acht Appartements. Die werden vor allem von Arbeitskräften belegt, die länger am Ort sind. Und immer häufiger klopfen Wanderer auf dem Jakobs-Pilgerweg an die Tür, um im alten Schulhaus zu übernachten. Otto Wanner erinnert sich an einen Pilger, der von Belgien nach Jerusalem zu Fuß unterwegs war. Am späten Abend hätten Bargauer ihn auf einer Bank sitzend entdeckt und ihn ins alte Schulhaus gebracht. Mit einer hübschen Karte aus Jerusalem bedankte sich der Pilger Monate später. Besuchern, vor allem Pilgern, zeigt Otto Wanner gerne die Kirche, erläutert das Jakobspilger-Bild von Sieger Köder. Zu sehen sind Pilger vor der Landschaft der Schwäbischen Alb, die vor dem Aufstieg zum Scheuelberg und Bargauer Horn Rast halten. Und vielleicht auf die gerade verlassene Schlafstätte im Nachbargebäude blicken.

Brigitta und Otto Wanner im renovierten Eingangsbereich der ehemaligen Schule.

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