Transplantation soll angesägte Bäume in Bargau retten

+
Stefan Schnaible nach fertigem Eingriff
  • schließen

Baumpflege-Experte versucht, die angesägten Zierkirschen in der Bargauer Ortsmitte durch übertragene Rinde zu erhalten.

Schwäbisch Gmünd-Bargau

Es hört sich an wie Chirurgie: Mit einer Transplantation möchte Stefan Schnaible die sieben Zierkirschbäume vor dem Bargauer Bezirksamt, die ein Unbekannter angesägt und stark geschädigt hat, doch noch retten. Schnaible, für Baumpflege zuständiger Abteilungsleiter beim Baubetriebsamt, schätzt die Chancen für die gefrevelten Bäume auf 50 zu 50. Er hat das Vorgehen auch mit dem Leiter des Garten-. und Friedhofsamts, Zeno Bouillon, abgesprochen

Am Dienstag hat er sich ans Werk gemacht. Das verfahren, erzählt er, ähnle in wenig dem bei der Veredelung von Bäumen. Und es hat Parallelen zu einer Hauttransplantation beim Menschen. So hat er zunächst bereits abgestorbenes Gewebe entfernt an den Stellen, an denen der Unbekannte etwa einen Zentimeter tief rund um die Stämme in die Bäume gesägt hatte. Damit hat er wichtige Ver- und Entsorgungsleitungen der Bäume gekappt. Stefan Schnaible hat von einem der geschädigten Bäume ein größeres Rindenstück abgenommen und damit passgenau die Stücke geformt, die er in die Wunden der anderen Bäume setzte. Die Schnittstellen wurden mit einem speziellen Wundverschlussmittel versiegelt, das eine Verunreinigung zum Beispiel durch Pilze verhindern soll. Schnaibles Hoffnung ist, dass die eingesetzte Rinde die Schnittstellen verschließt und auch die Entsorgungsleitungen in der Rinde wieder komplettiert. „Es ist ein Versuch, bevor man sie fällt“, meint Schnaible, ist gleichzeitig aber vorsichtig optimistisch. Es ist auch eine finanzielle Frage: Amtsleiter Zeno Bouillon schätzt, dass es rund 1000 Euro pro Baum kosten würde, die Zierkirschen zu ersetzen.

„Spender“ der transplantierten Rinde war ein Baum, der in einer Wiesenfläche steht. Doch selbst diesen Baum hat Schnaible noch nicht aufgegeben: Er hat ihn mit einer Wundschutzfolie umwickelt, die bis zu einem Jahr draufbleibt und sich dann selbst auflöst. Schnaible wird seine „Patienten“ nun in engen Abständen besuchen und ihren Zustand begutachten. Zum Beispiel die Belaubung könne Hinweise darauf geben, ob die Wunden verheilen. Zudem müssten die Kronen „dezent“ zurückgeschnitten werden.

Es ist ein Versuch, bevor man sie fällt.“

Stefan Schnaible, über die Transplantation
als Schutz wird mit Folie ummantelt
Spenderbaum wird mit Wasser und Folie vor dem Austrocknen geschützt
Bereich der entfernt wird
neue Rinde wird aufgebracht
Rinde wird fixiert
Wundheilmittel wird aufgetragen
Schädigungen werden ausgeschnitten
Rinde am Spenderbaum wird abgezogen
Rinde am Spenderbaum wird abgelöst
Spenderrinde
Spenderbaum wird mit Wasser und Folie vor dem Austrocknen geschützt
Einschnitt am geschädigten Baum
mit Schablone wird Rinde angeschnitten
Rinde am Spenderbaum wird angeschnitten
geschädigte Rinde

Zurück zur Übersicht: Bargau

Mehr zum Thema

Kommentare