„Die gute Seele“ feiert 102. Geburtstag

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Gratulation von OB Richard Arnold zum 102. Geburtstag von Mathilde Schäffner.
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Viele Bettringer kennen Mathilde Schäffner vom Friseursalon Schäffner - am Samstag feierte die Ur-Bettringerin, dass sie vor 102 Jahren geboren wurde.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Vor genau einem Jahr hat Mathilde Schäffner, die fast überall nur Hilde gerufen wird, ihren 101. Geburtstag gefeiert - in ihrem heimischen Garten im Bettringer Zeisigweg. Schon damals waren viele Gratulanten da.

Nun, zum 102. Geburtstag, gab es einen großen Empfang am Samstag in der Gmünder Odenwaldstraße. „Mama ist im Herbst gestürzt“, erzählen die Töchter Ursula Frohs und Hannelore Hafner - danach stand fest, die alte Dame soll ab sofort bei einer der beiden Töchtern wohnen.

Bei Tochter Hannelore ist die nun 102-Jährige gut versorgt, sie konnte sich am Samstag über eine Vielzahl an Gratulanten freuen. Das es am Geburtstag ihrer Mutter einmal schlecht Wetter gewesen wäre, daran können sich die Töchter übrigens nicht erinnern.

Auf der Terrasse, hoch über den Dächern der Stadt, hielt die gepflegte, gut aussehende Seniorin „Hof“, wie es sich für eine Friseurin gehört, mit fein frisiertem weißen Haar und luftiger bunter Bluse. Unter der Gratulantenflut aus Familie, Wegbegleitern und Nachbarn aus Bettringen mischte sich auch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold, der neben Blumen und Geschenken auch ein Ständchen im Gepäck hatte.

Dass der Mittagsschlaf am Samstag ausfallen musste, nahm Hilde mit heiterer Gelassenheit, jeder Besucher wurde persönlich begrüßt, sogar Großneffe Michael aus Thüringen war angereist. Auch wenn der Sturz seine Spuren hinterlassen hat und die Jubilarin nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist, auf ihr Langzeitgedächtnis kann man sich verlassen, erzählt Tochter Ursula, immer wieder überrascht Hilde die Besucher damit, erst kürzlich habe sie ein Gedicht rezitiert, das sie vor 90 Jahren für ein Ehejubiläum auswendig gelernt hatte.

Hilde ist eine „Ur-Gmünderin“, sie kam am 23. Juli 1920 als eines von fünf Kindern im Haus der Burkhardts in Bettringen zur Welt, wuchs hier auf und besuchte die Schule. Der Besuch bei ihrem Onkel in Würzburg, der dort Pfarrer war, sollte eine Wende in Hildes Leben bringen. In Würzburg traf sie auf den Oberministranten Karl Schäffner, den sie 1943 heiratete und in seinem Friseursalon unterstützte. Als echtes Bettringer Mädel ließ Hilde das Heimweh nicht los, die Schäffners zogen nach Bettringen und eröffneten hier einen Salon. Auf die Unterstützung seiner Frau konnte Karl immer zählen, trotzdem fand sie immer Zeit, auch ihrer Mutter zu helfen.  "Mama war immer ein Allroundmensch“, erzählen die Töchter, um all ihren Pflichten treu zu bleiben und pünktlich im Salon zu erscheinen, stand sie einfach morgens früher auf.

Als vor 30 Jahren Karl starb, wurde der Salon weitergegeben, mehr als 60 Jahre war Hilde insgesamt im Friseursalon beschäftigt und war, bis sie über 80 Jahre alt war, „die gute Seele vom Salon Schäffner“.

Oft verwöhnte sie die Angestellten mit selbst gekochtem Essen; für jene, die den letzten Bus nach Hause nicht mehr erreichten, stand immer ein Gästebett bereit. In den Sommerurlauben ließen sich die Schäffners gerne in den Thermen von Abano verwöhnen und nahmen beim Anblick der schönen Landschaft eine Auszeit. Einmal unternahm Hilde alleine eine Urlaubsreise nach Russland;  eigentlich war vorgesehen, die Reise mit Karl zu unternehmen, dessen Gesundheitszustand ließ dies aber damals nicht zu.

Obwohl Hilde jetzt nicht mehr in Bettringen lebt, freut sie sich über die vielen Anrufe von alten Bekannten. Auch ihr kleiner elfjähriger Mischlingshund ist mit umgezogen, das treue Tier passe auf Mama auf und beobachte jeden Besucher ganz genau, sagen die Töchter lachend.

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