Eine Bierflasche erzählt Geschichte

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Gerda und Frank Messerschmidt haben beim Umbau neben einem alte Schuh eine Bierflasche gefunden. Das Buch "Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit" gibt Aufschluss darüber.
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Frank Messerschmidt aus Bettringen hat bei Bauarbeiten ein Überbleibsel der Brauerei Schlüssel gefunden. Klar, dass der Stadtführer und Hobbyhistoriker nachforscht.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Eine Bierflasche auf dem Bau? Zumindest vor ein paar Jahren war das nichts Ungewöhnliches. Wenn aber eine mindestens 100 Jahre alte Bierflasche einer einstigen Gmünder Brauerei beim Umbau in einem Bettringer Haus unter dem Dielenboden zutage kommt, erzählt sie Geschichte. Gefunden hat sie genau der Richtige: Frank Messerschmidt, dessen Hobby ohnehin die Gmünder Historie ist. Viele werden den 50-Jährigen von seinen Stadtführungen als Turmwächter kennen.

Derzeit renoviert er sein Elternhaus in der Feldstraße 6 in Bettringen. Wie alt dieses ist, konnte er nur grob in Erfahrung bringen: 1870 sei an dieser Stelle sicher noch kein Haus gestanden, zeigen alte Pläne. Und für das Jahr 1915 finde sich in den Akten des Bauamts ein Antrag auf Umbau. Daher schätzt Frank Messerschmidt die Bauzeit auf etwa 1890.

Und von wann stammt die Bierflasche mit der Aufschrift "Eigentum der Schlüsselbrauerei – Gebrüder Fuchs – Gmünd"? Um dies zu beantworten, hat Frank Messerschmidt im Buch "Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit", Band I, von Theo Zanek nachgelesen. "Als Schlüsselwirt ist ein Mann namens Mändle bis 1732 nachweisbar", schrieb der Autor in seinem Beitrag über das einstige Wirtshaus Schlüssel mit Braustatt in der Rinderbacher Gasse 50.

Lokale Berühmtheit

Lokale Berühmtheit erlangte das Gasthaus demnach Mitte des 19. Jahrhunderts, als Jakob Michael Fuchs seine Schorndorfer Löwenbrauerei nach Schwäbisch Gmünd verlegte. Er kaufte nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die dazugehörige Kegelbahn sowie das gesamte Areal dahinter bis hoch zur Stadtmauer, wo heute die Königsturmstraße verläuft. Dort in den Kellerräumen richtete Jakob Michael Fuchs die neue "Braustatt" ein.

Nach seinem Tod 1884 übernahmen dessen Söhne Hugo und Otto das Geschäft, hat Theo Zanek in Erfahrung gebracht: Dieses "florierte, denn bereits 1904 konnte man das prächtige im Jugendstil erbaute Haus an der entstandenen Königsturmstraße beziehen". Gemeint ist die Königsturmstraße 35, wo später das Restaurant Postillion eröffnete. Nach dem Ersten Weltkrieg stellten die Brüder Hugo und Otto Fuchs den Brauereibetrieb ein. Sie verkauften das Areal an Julius Pfisterer, der die Schlüsselbrauerei aufgab. Daher muss die Bierflasche, die Frank Messerschmidt unter den Dielen in seinem Elternhaus in Bettringen gefunden hat, über 100 Jahre alt sein, schlussfolgert er. Sie bekommt nun einen Ehrenplatz im frisch renovierten Heim: in einer Vitrine, gemeinsam mit einem alten Schuh, den Frank Messerschmidt ebenso bei den Bauarbeiten gefunden hat. Dieser erzählt jedoch weit weniger Geschichte als die Bierflasche, sagt der Bettringer, zumindest konnte er nichts dazu in Erfahrung bringen. Er kann nur vermuten, dass auch der Schuh aus der Bauzeit um 1890 stammt.

Und wann erzählt Frank Messerschmidt als Turmwächter wieder etwas aus der Gmünder Geschichte? Eigentlich ab Mai an jedem ersten Samstag im Monat bei öffentlichen Nachtwächterführungen, antwortet der Stadtführer, doch er ist skeptisch, ob die Führungen angesichts der Corona-Zahlen tatsächlich stattfinden können. 2020 hatte er die meisten Turmwächterführungen wegen der Kontaktbeschränkungen absagen müssen. Lediglich ein paar wenige gebuchte Touren im September und Oktober konnten stattfinden. Nun hofft er, dass dieses Jahr wieder mehr Stadtführungen möglich sein werden.

Informationen zu den Gmünder Stadtführungen gibt es im i-Punkt am Marktplatz unter der Telefonnummer (07171) 6034250 und online auf www.schwaebisch-gmuend.de/fuehrungen-und-stadtrundgaenge.html.

Anmeldungen zu Turmwächterführungen nimmt Frank Messerschmidt unter (07171) 84525 entgegen.

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