Tiere suchen eine trockene Bleibe

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Die in Bettringen coronabedingt gestrandete Zirkus-Familie Frank mit Papa Alois, Natascha Köllner, den Kindern Denise und Jorden Frank sowie ihren Tieren, für die sie dringend ein Gelände oder eine Unterkunft mit trockenem Untergrund suchen.

Warum der gestrandete Zirkus Alaska händeringend auf der Suche nach einem festen Winterquartier ist und welche Probleme das Familienunternehmen außerdem hat.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Das Bild des blau-gelben Zirkuszelts auf der freien Fläche vor dem Edeka in Bettringen ist vielen bereits so vertraut, dass es kaum noch ins Auge fällt. Vor acht Monaten ist der Zirkus Alaska in Bettringen gestrandet, direkt aus der Winterpause kommend, sollte hier eines der ersten Gastspiele stattfinden. Dann kam Corona und das damit verbundene Auftrittsverbot für den kleinen Familienzirkus.

Seit Monaten kämpft der Zirkus Alaska ums Überleben, die Gmünder seien sehr hilfsbereit, zeigen sich Alois Frank und Natascha Köllner dankbar. Noch dürfen sie unentgeltlich auf der großen Wiese ihre Zelte und Fahrzeuge abstellen, die gleicht aber zwischenzeitlich einer Sumpflandschaft. Um den Tieren eine trockene Unterkunft sichern zu können, karren die Franks bergeweise Hackschnitzel und Einstreu an. Die Wohnwagen und Auflieger begannen mit der Zeit, auf dem aufgeweichten Untergrund einzusinken, der Begriff "Wanderzirkus" erhielt daher beim Zirkus Alaska eine völlig neue Bedeutung: Jetzt wandern Fahrzeuge und Tiergehege auf dem Areal von einer Ecke in die nächste. Immerhin: "Die Barmer Ersatzkasse hat uns ihr Gelände für die Wohnwagen zur Verfügung gestellt", meint Frank.

Kurze Glückssträhne

Damit sind die Sorgen aber nicht behoben. Es fehlt beim Zirkus Alaska an nahezu allem. Die Tiere brauchen hochwertiges Futter, vieles wird gespendet, aber Kraftfutter muss zugekauft werde. Alle sechs Wochen kommt der Hufschmied, als nächstes benötigen die Tiere eine prophylaktische Wurmkur, auch der Tierarzt kommt nicht umsonst und für die Fahrzeuge müssen Versicherungen gezahlt werden.

Zuschuss erhält der achtköpfige Familienzirkus vom Jobcenter, Doch "für die Tiere bekommen wir weder vom Land noch vom Bund Zuschuss", erklären die Franks ihre Nöte. Einen kleinen Lichtblick gab es im Spätsommer, als der Zirkus Alaska wieder auftreten durfte. Ein Hygienekonzept wurde ausgearbeitet, die Sitzplätze wurden mit Plexiglasscheiben voneinander getrennt, "auch das hat Geld gekostet". Voller Hoffnung auf bessere Zeiten wurde sogar ein Weihnachtsprogramm einstudiert, 15 Tage währte die Glückssträhne, dann kam das zweite Aus und es hieß wieder "Vorhang runter".

Jetzt blicken die Franks mit zunehmender Verzweiflung auf die kommenden, harten Wintermonate. Zwar mache die Kälte den meisten der 30 Tiere nichts aus, die Pferde haben ihr Winterfell und die sibirischen Steppenkamele fühlen sich in der Kälte auch eher wohl. Aber um die Gesundheit der Tiere nicht zu gefährden brauchen die Franks dringend einen trockenen Untergrund. "Eine Halle, einen Platz mit festem Untergrund, irgendetwas, wo die Tiere trockenen Fußes stehen können."

Für die Tiere bekommen wir weder vom Land noch vom Bund Zuschuss.

Alois Frank, Zirkus Alaska

Tiere können besucht werden

Weiterreisen ist für die Franks keine Möglichkeit, denn wohin? "Auftreten dürfen wir nirgends", zudem kostet das Reisen auch Geld. Den Zirkusleuten sind Reisen und Auftritte vor Publikum in die Wiege gelegt, "so lange waren wir noch nie im Leben an einer Stelle", meint Natascha Köllner. Die kleine Angelie kam als dreimonatiges Baby mit in Bettringen an, jetzt läuft sie schon. Und aus den in Bettringen geborenen Zicklein sind zwischenzeitlich stramme Ziegen geworden.

Die Tiere weggeben, ist für die Franks keine Option, sie gehören einfach zur Familie. Und die Tiere sind es derzeit, die finanziell wenigstens für einen Tropfen auf den heißen Stein sorgen. Die Tiere können gerne besucht werden, die Franks freuen sich über Publikum zur "kleinen Tierschau" wie von Familie Probst aus Mutlangen, die am Wochenende kurz in Bettringen angehalten haben. Die Mädels Linda und Marlene hatten Spaß daran, die Tiere zu streicheln, Papa Fabian und Mama Kerstin übergaben eine kleine Spende.

Eine größere Spende soll von Rudolph Schwarzkopf kommen. die Geldspenden, die ihm zum Tod seiner Frau übergeben wurden, möchte er guten Zwecken zuführen. "Einen Teil erhält der Zirkus Alaska."

Wer ein geeignetes Grundstück oder eine Halle unentgeltlich zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Alois Frank unter der Telefonnummer (01590) 1075176 melden. Auch über Geldzuwendungen freut sich Familie Frank unter dem Spendenzweck "Tierfutter" auf das Konto IBAN: DE 71 600 100 700 702 62 6702.

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