Vor dem Winter habe ich Angst

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Seit sechs Monaten sitzt der Zirkus Alaska jetzt in Bettringen auf der Freifläche vor Edeka Donderer fest. Der Starkregen in der vergangenen Woche ließ ansatzweise erahnen, was im Herbst und im Winter auf Menschen und Tiere zukommt, die trockene Erde konnte die Wassermassen nicht fassen.

Mit welchen Sorgen und Nöten der in Bettringen gestrandete Zirkus Alaska zu kämpfen hat und was dem kleinen Familienzirkus helfen würde.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Dass Töchterchen Angelie einmal in Schwäbisch Gmünd das Laufen lernen würde, daran hätten Papa und Zirkusdirektor Alois Frank und seine Lebensgefährtin, die Luftakrobatin Natascha Köllner, nie im Leben gedacht. Der kleine Familienzirkus befand sich Anfang März auf Deutschlandtournee, als alles Unglück seinen Lauf nahm. Das geplante Gastspiel im Februar in Ansbach fiel bereits ins Wasser, Orkantief "Sabine" blies das Tierzelt beim Aufbau weg, eine Ersatzbeschaffung kostet Geld, aber ohne Tierzelt war an Vorstellungen nicht zu denken.

Mit der Corona-Pandemie verschlimmerte sich die Situation der Artistenfamilie noch einmal. Gerade in Schwäbisch Gmünd angekommen, hieß es "Vorhang runter – nichts geht mehr", die Pandemie-Vorschriften untersagten das geplante zweiwöchige Gastspiel in Bettringen.

Seit sechs Monaten sitzt der Zirkus Alaska jetzt in Bettringen auf der Freifläche vor Edeka Donderer fest, ein Weiterziehen in andere Städte hätte nichts gebracht, "auch dort herrscht Auftrittsverbot", erklärt Natascha Köllner.

Langsam wird die Luft für die Artistenfamilie mit ihren fünf Kindern dünn, noch stellt ein Landwirt sein Grundstück für die Wohnwagen, das Zirkuszelt und die Tierkoppeln kostenlos zur Verfügung, zeigt sich Zirkusdirektor Alois Frank dankbar. Auch Futterspenden kommen noch beim Zirkus Alaska an, trotzdem laufen die Kosten weiter und summieren sich auf, Strom und Wasser erhält der Zirkus Alaska vom benachbarten Autohaus von Burg, "die Rechnung dafür werden wir noch begleichen". Tier und Mensch brauchen Nahrung, der Tierarzt besucht die rund 40 Tiere nicht umsonst und dann sind auch noch die Versicherungen für die Fahrzeuge fällig.

Der Starkregen in der vergangenen Woche ließ ansatzweise erahnen, was im Herbst und im Winter auf Menschen und Tiere zukommt, die trockene Erde konnte die Wassermassen nicht fassen, "innerhalb kürzester Zeit glich das Gelände einer Sumpflandschaft", meint der Zirkuschef.

Mit noch mehr Einstreu versuchten die Franks den Tieren trotz Regens eine trockene Unterkunft zu gestalten, "doppelte Kosten, doppelte Arbeit und doppelt zu entsorgender Abfall", meint Frank. Das Regenereignis gebe jetzt schon einen Vorgeschmack auf die kommende kalte Jahreszeit.

Wir leben, um Zirkus zu machen.

Alois Frank, Zirkusdirektor

"Vor dem Winter habe ich richtig Angst", bekennt Alois Frank. Jetzt ist der Zirkus händeringend auf der Suche nach einem Winterquartier, eine größere Halle mit Stellplätzen für die Fahrzeuge wäre ein Wunschtraum der Familie. Ein größerer, trockener, befestigter Platz wäre eine Alternative, "das Zelt wird über den Winter in der Regel nicht aufgebaut", erläutert Frank.

Möglich: Mini-Vorstellungen

Dass der kleine Zirkus 2020 noch einmal Gastspiele geben kann, diese Hoffnung hat die Zirkusfamilie aufgegeben, die vielen Neuinfektionen werden Auftritte in diesem Jahr wohl nicht mehr zulassen, bedauert Alois Frank. Nicht auftreten zu können, bedeutet für die Artistenfamilie "Höchststrafe". "Wir leben, um Zirkus zu machen", erklärt Alois Frank, jeder Auftritt sei etwas ganz Besonderes. Mit kleineren Gastspielen, wie unlängst vor dem Seniorenwohnheim St. Anna oder am kommenden Samstag im Garten der St.-Ulrich-Kirche in Heubach, versucht der Zirkus Alaska wieder etwas "Zirkus zu leben". Die Vorstellungen beinhalten Clownerie, Artistik und kleinere Tiernummern und werden gegen Spende abgehalten. Alois Frank könnte sich vorstellen, weitere Mini-Vorstellungen zu geben und freut sich sehr über Anfragen.

Spenden: Der Zirkus Alaska zeigt sich dankbar über Sachspenden die im Zuge eines Besuchs auf dem Gelände gerne angenommen werden. Geldspenden unter IBAN DE71 600 100 700 702 62 67 02 wären unter Verwendungszweck "Tierfutter" hilfreich.

Über Platz- und Auftrittsangebote freut sich Alois Frank unter Telefon (0159) 01075 176.

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