„Was kommen will, wird kommen“

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Predigt in Reimform: Pfarrer Tobias Freff in der Auferstehung-Christi Kirche in Bettringen
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Fällt es an Fasnet und in Reimform leichter, so etwas in der katholischen Kirche zu sagen? - Eine Frau als katholische Bischöfin kann sich der Bettringer Pfarrer Tobias Freff vorstellen.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Keine Umzüge und kein Narrentanz, deshalb gar kein Fasching? Pfarrer Tobias Freff hat darauf eine klare Antwort. „Fasnet ist, sie fällt nicht aus, das wäre mir ja echt ein Graus.“ Schließlich brauche es die närrischen Tage, um ab Aschermittwoch in eine vorösterliche Stimmung zu kommen und dem österlichen Geheimnis entgegenzugehen.

Mit einer Predigt in Reimform und einer Narrenkapp ließ es der Priester in der Bettringer Auferstehung-Christi-Kirche wenigstens etwas närrisch werden, auch wenn die Zeit gerade alles andere als heiter sei. Er forderte die Gemeinde am Samstagabend auf, „viele Menschen ins Gebet einzuschließen, denen es nicht nach Lachen zumute ist“ und auf „unseren Herrn Jesus Christus zu schauen, der da ist und dableiben wird“.

In seine viertelstündigen Predigt packte Freff einiges hinein, beginnend mit der nun schon zwei Jahre andauernden Pandemie: „Letztes Jahr, ihr wisst es noch, saßen wir in tiefem Loch.“ Doch nun füllten sich die Kirchen zum Glück wieder, und Gesang sei wieder möglich, was dem Pfarrer sehr gefalle. Sein Fazit: Omikron habe uns zwar noch fest im Griff, doch langsam gehe es wieder bergauf, „manches macht auch wieder auf“.

„Fasnet gibt heut vor das Maß“ – das bedeutet, auch politisch etwas zu wagen. Freff knöpfte sich frech die Rolle der Frau vor, mit dem Status quo beginnend: „In der Gemeinde rede nur der Mann …“, worauf sich prompt etwas Unmut in der weiblichen Zuhörerschaft regte. Doch Freff blieb nicht bei den derzeit noch herrschenden patriarchalen Strukturen stehen, denn was täten die Gemeinden ohne die Mitarbeit der Frauen.

Zwar scheine es in seiner Kirche Trend zu sein, sich gegen Neues zu wenden, doch „was kommen will, das wird auch kommen, daran glaub ich unvernommen“, sieht er die Möglichkeit, dass es auch in der katholischen Kirche Bischöfinnen gibt und das Zölibat fällt: „Vielleicht wird Bischof, ich vertrau, in nächster Zeit einfach 'ne Frau.“

Auch mit Seitenhieben geizte der Pfarrer nicht, als er die Bibelstelle des achten Sonntags im Jahreskreis auslegte, ebenfalls in Reimform: „Bitte macht euch keine Sorgen, fürchtet euch nicht vor dem Morgen.“ Das blicke ein jeder, egal woher, „sicher auch der letzte Bargauer“. Sein Fett bekam auch der Vikar ab, bei dem weder Fasnet, noch Reim, noch Lachen angesagt sei – „zum Lachen tut er in den Keller rennen“.  

Als Trostlied stimmte Freff in regelmäßigen Abständen das Mainzer Fasnetslied „Heile, heile Gänsje“ an, in das die Gemeinde beherzt einstimmte, wobei die Strophen „es is bald widder gut“ und „in hunnerd Jahr is alles weg“ angesichts der derzeit herrschenden Katastrophen tatsächlich fast etwas Tröstliches hatten. Immer wieder kam Freff auf die Kernaussage seiner Predigt zurück: „Macht euch einfach keine Sorgen, Gott schenkt immer uns ein Morgen.“ Am Ende der Predigt kam die Gemeinde gerne der Aufforderung Freffs nach, mit standing ovations Beifall zu bekunden.

Ein besonderes Gewicht hatte in der Eucharistiefeier das Gebet „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens“. Die Aufforderung zu lieben, wo Hass ist, zu verzeihen, wo man sich beleidigt, und zu verbinden, wo Streit ist, bekommt angesichts des Krieges in der Ukraine eine Aktualität, die am Samstagabend erschauern ließ.

Vielleicht wird Bischof, ich vertrau, in nächster Zeit einfach 'ne Frau.“

Tobias Freff,, Katholischer Pfarrer

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