Wohin mit den Nord-West-Schülern?

  • Weitere
    schließen
+
Wenn der Schulbezirk der Grundschule Hardt noch kleiner wird, leidet das Bildungsangebot, so fürchtet die Schulleiterin.
  • schließen

Der Bettringer Ortschaftsrat wünscht sich einen Schulbezirk für den kompletten Stadtteil. Dadurch würde die Grundschule Hardt Schüler verlieren.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Alle Bettringer Grundschüler sollen auf die Uhlandschule in der Wolf-Hirth-Straße gehen. Dies wünscht sich der Bettringer Ortschaftsrat, um dadurch das Wir-Gefühl im Ort zu stärken. Hierfür müsste die Stadtverwaltung als Schulträger den Schulbezirk ändern. Dies kritisiert Bärbel Schlienz, Schulleiterin der Grundschule Hardt in der Székesfehérvárer Straße, die dadurch Schüler verlieren würde.

Konkret geht's um den Bereich Bettringen Nord-West. Schüler, die dort wohnen, gehören derzeit zum Schulbezirk der Grundschule Hardt, dem "kleinsten Gmünder Schulbezirk", wie Bärbel Schlienz erklärt. Dieser könnte ab dem Schuljahr 2021/ 2022 noch kleiner werden, wenn die Stadträte dem Wunsch des Ortschaftsrates nachkommen. Die Zahl der Anträge auf Ausnahme vom Schulbezirk durch Eltern, die ihre Kinder an der Uhlandschule einschulen möchten, steigt laut Ortschaftsrat jährlich. Für das vergangene und das kommende Schuljahr seien bisher zehn Anträge auf Besuch einer Schule außerhalb des Schulbezirks gestellt worden. Hauptsächlich seien es Anwohner aus Bettringen Nord-West, die ihre Kinder gerne an die Uhlandschule schicken wollen, die aktuell knapp 190 Schüler besuchen.

Dies bestätigt deren Schulleiter Joachim Göser. Es gebe zahlreiche Kinder, die zusammen eine Kindertagesstätte besuchten und dann verständlicherweise auch zusammen in die Grundschule gehen möchten. Die Kinder spielten zusammen, nutzten dieselben Vereinsangebote, und die Eltern seien gut miteinander vernetzt. Göser: "Von daher kann ich den Elternwunsch völlig nachvollziehen, dass deren Kinder die gleiche Schule besuchen." Er verstehe aber auch die Bedenken von Schulleiterin Bärbel Schlienz.

"Sehr schlecht", findet sie die geforderte Änderung. Ihre Schule befinde sich auf dem Hardt in einem "Schmelztiegel der Kulturen". 105 Kinder der unterschiedlichsten Nationen besuchten die Schule derzeit. Wenn Kinder aus Bettringen Nord-West künftig auf die Uhlandschule gingen, fehle der Hardtschule die Durchmischung, von der schwache und starke Kinder profitierten. Schlienz: "Gemeinsames Lernen ist wichtig." Und dass die Kluft zwischen lernschwächeren und -stärkeren Kindern nicht noch größer werde. In Zahlen bedeutet dies: Etwa zehn bis 15 Kinder pro Jahrgang würden der Hardtschule fehlen. "Wir hätten dann eine große Klasse pro Jahrgang anstelle von zwei kleinerer Klassen", berichtet die Schulleiterin weiter. Der Klassenteiler liege aktuell bei 29 Kindern.

Wir müssen uns dort auf die Kinder konzentrieren, die wir haben.

Klaus Arnholdt, Leiter des Gmünder Amtes für Bildung und Sport

Förderung sei so viel schwieriger möglich – für die guten und für die schwachen Schüler. "Wir schaffen es dann nicht mehr, jedem Kind gerecht zu werden", führt Schlienz aus, obwohl sie ein gutes Lehrerteam habe. Für die Ganztagesangebote bekäme die Schule weniger Stunden zugewiesen und müsste die Angebotsvielfalt in Sachen Kultur oder Musik einschränken. Bärbel Schlienz wünscht sich, dass ihr Schulbezirk so bleibt wie er jetzt ist und dass die Stadträte nicht voreilig entscheiden.

Klaus Arnholdt, Leiter des Gmünder Amtes für Bildung und Sport, kann beide Seiten verstehen. Bei allen Stadtteilen verlaufe der Schulbezirk identisch mit der Gemarkungsgrenze. Nur nicht in Degenfeld, das zum Schulbezirk Weiler gehöre. Und in Bettringen. "Wir können den Wunsch des Ortschaftsrates nachvollziehen", sagt Arnholdt. Gleichwohl er auch den Verlust der Schülerzahlen an der Hardtschule im Blick habe. "Wir müssen uns dort auf die Kinder konzentrieren, die wir haben", findet Arnholdt, der sich zwar eine "Durchmischung" wünsche, aber von den Eltern nicht erzwingen könne. Viele beantragten einen Wechsel ihrer Kinder an eine andere Schule aus Gründen der Betreuung. Wenn beispielsweise der Arbeitsplatz eines Elternteiles in einem anderen Schulbezirk liege. Oder sie meldeten ihre Kinder an Privatschulen an. Dies komme in Schulbezirken mit hohem Migrationsanteil besonders häufig vor. Die städtebauliche Entwicklung auf dem Hardt sei aber sehr stark. Deshalb hat Arnholdt keine Angst um den Standort der Grundschule Hardt.

Ob der Schulbezirk in Bettringen geändert wird oder nicht, darüber entscheiden die Gmünder Stadträte in ihrer Sitzung am 21. Oktober. Die Stadtverwaltung schlägt die Änderung vor. Dieser können die Stadträte zustimmen oder sie ablehnen. Möglich ist es laut Arnholdt auch, die Entscheidung zu vertagen und zu schauen, wie sich die Schülerzahlen auf dem Hardt entwickeln.

Grundschulen in Gmünd und den Stadtteilen

Grundschulen: Dietrich Bonhoeffer Schule (private Grundschule evangelischen Bekenntnisses), Eichenrainschule (Grundschule mit Montessorizug und Bildungshausprofil) in Lindach, Franziskus Grundschule (Freie Katholische Schule), Freie Evangelische Schule in Lindach, Freie Waldorfschule in Bettringen, Gemeinschaftsschule Friedensschule in Rehnenhof, Gemeinschaftsschule Mozartschule in Hussenhofen, Grundschule Großdeinbach, Grundschule Hardt, Grundschule Weiler, Klösterleschule, Römerschule Straßdorf, Scherr-Grundschule Rechberg, Scheuelbergschule Bargau, Schiller-Realschule mit Grundschule und Werkrealschule im Verbund mit der Rauchbeinschule, Stauferschule, Theodor-Heuss-Schule Herlikofen, Uhlandschule Bettringen.

Die Grundschule Hardt mit dem aktuellen (blau) und einem möglichen neuen Schulbezirk (lila). Grafik: ca

Zurück zur Übersicht: Bettringen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL