Zirkus in Bettringen gestrandet

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Natascha Köllner und Kamel Wladimir: Seit Anfang März ist der Zirkus "Alaska" der Familie Framnk in Bettringen "gestrandet", die Corona-Regeln machen Aufführungen unmöglich.

Warum der Zirkus Alaska seit Monaten in Bettringen Quartier bezogen hat, welche Probleme die Corona-Pandemie den Artisten beschert und wie Bürger helfen können.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Seit Monaten ist der Anblick des großen blauen Zirkuszelts auf dem Grundstück neben dem Edeka-Markt Donderer in Bettringen ein gewohntes Bild. Pferde grasen in einem abgesteckten Terrain, Kamel Wladimir hat ein Gehege ganz für sich allein, rund zwölf Fahrzeuge, Wohnmobile und Wohnanhänger parken um das Zirkuszelt herum.

Anfang März hat der Zirkus Alaska hier sein Quartier bezogen. "Zwei Wochen wollten wir hier unser Gastspiel abhalten", erzählt Luftakrobatin Natascha Köllner. Dann kam Corona und mit der Pandemie das Verbot, Zirkusvorstellungen zu präsentieren. Dabei hätte der kleine, familiengeführte Zirkus die Einnahmen der Vorstellungen dringend benötigt, das Orkantief "Sabine" im Februar blies der Familie Frank das Tierzelt beim Aufbau zum Gastauftritt in Ansbach weg. "Für Ansbach wurden daraufhin alle Vorstellungen abgesagt."

Üblicherweise bieten die Franks mit ihrem Zirkus Alaska ein Weihnachtsprogramm an, damit finanzieren sie den Betrieb über die Winterpause. Im vergangenen Winter gab es keine Vorstellungen, da Natascha wegen der anstehenden Geburt von Töchterchen Angelie pausieren musste. Jetzt ist der kleine Zirkus mit Chef Alois Frank, Lebensgefährtin Natascha Köllner, Schwester Sonja Frank und den Kindern Chantal, Yordon, Denis, Kathy und Angelie in Bettringen "gestrandet".

Abstand im Zelt?

Wie es weiter gehen soll, ist Natascha nicht klar, "weiterziehen brauchen wir nicht, in anderen Städten dürften wir auch nicht auftreten". 300 Personen finden Platz in dem blauen Zelt, "die derzeitigen Abstandsregeln würden es gerade einmal ermöglichen vor einem Kindergeburtstag zu spielen", meint Natascha. Land sei keines in Sicht, die finanzielle Situation sei prekär, "wir leben rein von Spenden" gesteht Luftakrobatin Natascha.

Wir leben gerade rein von Spenden.

Natascha Köllner, Luftakrobatin

Der Platz, auf dem die Franks seit Monaten feststecken, wurde ihnen unentgeltlich von einem Landwirt zur Verfügung gestellt, Wasser und Strom gibt es vom nebenan liegenden Autohaus von Burg, "wenn wir weiterziehen werden wir die Kosten dafür begleichen" meint Natascha, ist sich aber nicht sicher, wo das Geld herkommen soll. 40 Tiere, darunter Kamele, Lamas, Pferde, Hunde, Ziegen, eine Python und andere Kleintiere, haben Hunger und wollen auch in der auftrittsfreien Zeit gefüttert werden, der Tierarzt kostet Geld und auch der Hufschmied kommt nicht umsonst. Die Gmünder seien sehr nett und spendenbereit gewesen, ist Natascha dankbar, Futterspenden, Heu, Obst und Salat vom Supermarkt seien dabei sehr hilfreich gewesen.

Man könne aber nicht erwarten, dass der ganze Lebensunterhalt gespendet wird, umschreibt Natascha die derzeitige prekäre Situation. Vor Edeka Donderer stehe eine Spendendose, für jeden Euro, der dort hineinkommt, ist Familie Frank dankbar.

Jetzt haben sich die Kontaktbeschränkungen etwas gelockert, Familie Frank freut sich über jeden Besucher, der das Gelände und die Tiere besucht, "unser Leben ist der Beifall und die Besucher". Eine Alternative zum Leben als Zirkusmensch gibt es für die Familie nicht: "Wer einmal Sägespäne in den Schuhen hat, kommt davon nicht mehr los."

Wer dem Zirkus Alaska helfen möchte, kann Familie Frank gerne persönlich besuchen oder unter Telefon 0159 0107 5176 oder 0163 611 9941 kontaktieren.

Wer mag, darf gerne vorbeikommen, die Familie Frank freut sich immer über Besucher.
40 Tiere, darunter Kamele, Lamas, Pferde, Hunde, Ziegen, eine Python und andere Kleintiere, haben Hunger – auch ohne Auftritte.

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