„Brauchen eine Offensive für erneuerbare Energien“

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Sigrid Heusel

Die SPD-Fraktion zu Finanzen, Aspen, Flächenverbrauch, Klimaschutz, Sport und Kultur.

Schwäbisch Gmünd. Gmünds Finanzen, der Technologiepark Aspen, Flächenverbrauch, Klimawandel sowie Kultur und Sport in der Folge der Pandemie sind die Themen, mit denen sich Gmünds Stadträte ab Herbst befassen müssen. Die GT-Redaktion hat die Positionen der Fraktionen erfragt.

Wie bewerten Sie Gmünds Finanzsituation und welche Schritte müssen unternommen werden?

Sigrid Heusel: Die finanzielle Situation der Stadt ist stark angespannt und die rund 5 Millionen Euro Mehrkosten für Energie sind noch nicht im Haushalt ausgewiesen. Die verbleibenden finanziellen Ressourcen müssen daher vor allem für Projekte der Daseinsvorsorge, zu denen wir zum Beispiel die Bildungseinrichtungen zählen, verwendet werden. Da die künftigen finanziellen Belastungen und auch die Einnahmen für die Stadt kaum kalkulierbar sind, muss der städtische Haushalt weiterhin auf Sicht gefahren werden. Jetzt nach den Sommerferien sollten in Kenntnis des Verlaufs des aktuellen Haushaltsjahres nochmals alle Investitionen auf den Prüfstand und gegebenenfalls neu priorisiert werden. Mittel- und langfristig muss der Schuldenabbau konsequent fortgesetzt werden. Darüber hinaus müssen wir uns auch als städtische Kommune um die Frage kümmern, wie die akuten Belastungen durch Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie auch für Menschen mit kleinen Einkommen bewältigt werden können.

Welche Chancen verbinden Sie mit Aspen?

Heusel: Der Wirtschaftsstandort Gmünd braucht dringend eine Diversifizierung von der klassischen Industriestruktur. Aspen kann der Start für eine erfolgreiche Transformation sein. Nicht nur die Technik steht vor grundlegenden Veränderungen, sondern auch die Anforderungen und Kompetenzen der Beschäftigten. Deshalb wird es genauso wichtig sein, neben der Akquise von potenziellen Unternehmen mit Zukunftstechnologien, auch die Menschen auf die neuen Anforderungen vorzubereiten und mitzunehmen. Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen die harten wie auch weichen Faktoren erfüllt werden. Klimaneutralität ist und bleibt auch ein klarer Wettbewerbsvorteil, deswegen müssen auch die Rahmenbedingungen erfüllt werden. Wir brauchen nun endlich Klarheit, wie und mit wem es in Aspen endlich losgeht, laut aktuellen Pressemitteilungen wird daran gearbeitet. Wir stehen nicht nur international im Wettbewerb, sondern eben auch national, wenn es um die Ansiedlung neuer Technologien geht. Das mussten wir in den letzten Monaten schmerzlich erfahren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass das Thema von unserer Verwaltung und vom Gemeinderat weiterhin konsequent verfolgt wird.

Verbraucht Gmünd zu viel Fläche?

Heusel: Der Flächenverbrauch in unserer Stadt ist immer noch zu hoch. Die Landesregierung empfiehlt für eine Stadt unserer Größe circa 50 Hektar Flächenverbrauch bis zum Jahr 2035. Mehrheitlich beschlossen hat der Gemeinderat vor der Sommerpause circa 150 Hektar. Das darf aus unserer Sicht so nicht umgesetzt werden. Bei Gewerbebetrieben muss mehr in die Höhe gebaut werden, bei Wohnungen muss der Trend weg vom Einfamilienhaus hin zum Reihenhaus und Geschosswohnungsbau.

Tut Schwäbisch Gmünd genügend für den Klimaschutz?

Heusel: Mit dem Beschluss der Klimaneutralität bis 2035 ist Gmünd einen wichtigen Schritt gegangen, welchen wir von der SPD mit vorangetrieben haben. Nichtsdestotrotz fehlt es an konkreten Handlungen und der Umsetzung, deshalb muss aus dem AK Klimarat schnellstmöglich ein Ausschuss des Gemeinderates mit Beschlussfassungskompetenz werden. Wir brauchen zudem dringend eine Offensive für Erneuerbare Energien! Zweitens brauchen wir regionalen erneuerbaren Strom, damit sich Firmen im Bereich Zukunftstechnologien ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen. Und drittens ist ein rascher Ausbau der Erneuerbaren die Grundlage für ökologische Transformationen im Verkehrssektor, in der Industrie, Energiewirtschaft und im Gebäudesektor. Das Treibhausgasbudget für die Einhaltung des 1,5 Grad-Zieles von Paris wird beim gegenwärtigen Stand der Emissionen in weniger als sieben Jahren überschritten. Es ist höchste Zeit, entschlossen zu handeln! Dringend anzustreben ist auch eine Verbesserung des Mikroklimas in der Innenstadt. Dazu gehören Bäume auf dem Marktplatz – das hat nach den letzten heißen Sommertagen hoffentlich jeder verstanden.

Angesichts Corona: Tut Schwäbisch Gmünd genügend für die Kultur und den Sport?

Heusel: Die Kulturschaffenden und die Sportvereine haben die Coronazeit mit bewundernswertem Durchhaltevermögen gemeistert. Dass beide noch nicht über dem Berg sind, zeigen die geringen Zahlen bei kulturellen Aufführungen und der mangelnde Nachwuchs bei einigen Vereinen. Auf keinen Fall darf die Gas- und Energiekrise dazu führen, dass Kultur- und Sportveranstaltungen im kommenden Winter erneut „unter den Tisch fallen“.

Sigrid Heusel

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