Damit der Wald dem Klimawandel gewachsen ist

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Johannes Gugel, Jens-Olaf Weiher, Richard Arnold, Julian Hoffmann und Raimund Abele (von links) pflanzen junge Eichen im Wald nahe der Jagdhütte bei Weller. Die Fichten, die dort einst standen, sind der Trockenheit und in der Folge dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen.
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Wo Bäume durch Trockenheit geschädigt sind, haben Borkenkäfer leichtes Spiel. Wie Bürger mithelfen können, die Wälder robuster zu machen

Schwäbisch Gmünd-Weiler. Wo Forstwirte im Wald bei Weiler derzeit Eichen pflanzen, standen vor kurzem noch stattliche Fichten. Die Trockenheit hat diesen so zugesetzt, dass sie leichte Opfer von Borkenkäfern wurden. So entstand ein „Käferloch“ im Wald, erklärt Jens-Olaf Weiher, Leiter der Gmünder Außenstelle der Kreisforstverwaltung, bei einem Termin vor Ort, bei dem es gilt, das Loch zu füllen.

Zu dem Pflanztermin ist auch Oberbürgermeister Richard Arnold gekommen, denn die Bäume werden finanziert aus dem Klimaschutzfonds der Stadt Schwäbisch Gmünd. In diesen kann jeder einzahlen, der einen Beitrag für den Klimaschutz und hier konkret für den klimagerechten Waldumbau leisten will, wirbt das Gmünder Stadtoberhaupt. Ein Baum koste rund 5  Euro.

Um das 3000-Quadratmeter- Käferloch nahe der Jagdhütte bei Weiler zu füllen, braucht es insgesamt 750 Bäume. 350 Eichen haben Forstrevierleiter Johannes Gugel und die Forstwirte Raimund Abele und Julian Hoffmann diese Woche gepflanzt, die restlichen folgen nächste Woche. Wobei dies beinahe schon zu spät ist zum Pflanzen, sagt Jens-Olaf Weiher. Der Boden sei eigentlich zu trocken für die jungen Wurzeln. Die nächste Pflanzaktion ist daher erst im Herbst vorgesehen.

Ziel des Pflanzprogramms im Stadtwald sei, rund 10 000 Bäume pro Jahr in Wäldern zu pflanzen, die Forstwirte als labil eingestuft haben: in der Regel die durch Trockenheit in Mitleidenschaft gezogenen Fichtenwälder, von denen einige bereits nach Pilz- und Insektenbefall gelichtet sind. Mischwälder sollen an ihre Stelle treten. Daher pflanzen die Forstleute vor allem Eichen an, die mit Wärme, Trockenheit, aber auch Spätfrost ganz gut klarkämen. Zudem kommen Buchen, Linden, Ahornarten sowie Douglasien zum Einsatz. Nachdem die Bäume in der Erde sind, packen die Waldarbeiter sie ein, um sie in den ersten drei, vier Jahren vor dem Verbiss der Rehe zu schützen.

Das Pflanzen sei teuer und aufwendig, aber nötig angesichts des Klimawandels, wie Jens-Olaf Weiher verdeutlicht: Wälder seien sehr langfristig angelegte Systeme. Von der kleinen Pflanze bis zum großen Baum brauche es um die 100 Jahre. Doch die Rahmenbedingungen änderten sich rasant, erklärt er, weshalb die Anpassung der Wälder an den Klimawandel oberste Priorität beim Forst habe.

Das sei eine Investition für die nachfolgenden Generationen, ergänzt Richard Arnold. Damit Kinder einen Bezug zum Wald und seinen Bedürfnissen bekommen, sind im Herbst Pflanzaktionen mit Schulklassen geplant, insofern die Coronabeschränkungen dies nicht mehr verbieten. Auch Vereine, Betriebe und andere Gruppen können bei den Aktionen im Wald dabei sein – und natürlich dafür spenden.

Spendenkonto der Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd bei der Kreissparkasse Ostalb. IBAN: DE75 6145 0050  0440 0001 41. Verwendungszweck: Waldumbau.

Auch hier hat die Fichte keine Zukunft mehr.“

Jens-Olaf Weiher,, Leiter der Gmünder Forstaußenstelle

Das ist im Gmünder Stadt- und Hospitalwald geplant

1425 Hektar Fläche umfasst der Stadt- und Hospitalwald Schwäbisch Gmünd.

22 Prozent der Bäume dort sind Fichten, die Trockenheit kaum gewachsen sind. In den Weinanbaugegenden, in denen es im Durchschnitt ein, zwei Grad wärmer sei als im Gmünder Raum, gebe es schon kaum mehr Fichtenwälder, sagt Oberforstrat Jens-Olaf Weiher, der weiß: „Auch hier hat die Fichte keine Zukunft mehr.“

10 Jahre nehmen die Forstleute bei ihrer so genannten Verjüngungsplanung in den Blick. Auf rund 100 Hektar Fläche sollen in dieser Zeit junge Bäume alte und wenig widerstandsfähige Nadelbäume ersetzen, so dass ein Mischwald entsteht, der dem Klimawandel gewachsen ist.

1/3 dieser 100 Hektar Fläche werden die Waldarbeiter mit Bäumen bestücken. Beim Rest der Fläche gehen sie davon aus, dass die Natur die Verjüngung übernimmt, wenn sie nur genug Licht schaffen, damit junge Eichen, Buchen und unter anderem Ahornbäume wachsen können. jul

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