Das Leid an sich heranlassen

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Bei der zentralen Gmünder Veranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Bettringer Ottilienfriedhof waren rund 100 Menschen dabei.
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Zur zentralen Veranstaltung anlässlich des Volkstrauertages trafen sich am Sonntag gut 100 Besucher auf dem Ottilienfriedhof in Bettringen.

Schwäbisch Gmünd-Bettringen

Die zentrale Veranstaltung zum Volkstrauertag in Schwäbisch Gmünd dauerte nur gut eine halbe Stunde. Aber gerade diese 30 Minuten waren wichtig. Ortsvorsteher Karl-Andreas Tickert verdeutlichte auf dem Ottilienfriedhof in Bettringen: „Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich.“ Da solle man sich nicht „einlullen lassen“, warnte er eindringlich. Umso mehr sei der Gedenktag an die Opfer der beiden Weltkriege von großer Bedeutung.

Zumal die Nachrichten täglich daran erinnerten, dass nach wie vor Unterdrückung und Qual durch Unrechtsregime in anderen Ländern an der Tagesordnung sind. Bettringen selbst habe sowohl nach dem zweiten Weltkrieg als auch nach dem Mauerfall viele Menschen aufgenommen und ihnen eine neue Heimat gegeben, erinnerte er.

Als „Tag des stillen Gedenkens“ beschrieb der Gmünder Bürgermeister Julius Mihm auf dem Ottilienfriedhof, wo sich gut 100 Menschen versammelt hatten, den Volkstrauertag. „Wir brauchen diesen Tag des Respekts für die Opfer“, machte er klar. Man dürfe dies nie verdrängen. Er sei eine stützende Erinnerung, der dafür sorge, dass Erfahrungen der Geschichte lebendig bleiben. Trotz der Pandemie habe man daher nicht auf diesen Gedenktag mit Zentralveranstaltung verzichtet.

Der Volkstrauertag sei 1920 nach dem ersten Weltkrieg durch den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge eingeführt worden. Man wollte dauerhaft und regelmäßig an die Opfer des Krieges erinnern. Verbunden mit der Hoffnung, Frieden unverbrüchlich zu machen. „Und dann kam der zweite Weltkrieg …“

Heute gebe die EU Hoffnung. „Wir haben in unserem kriegsgeschüttelten Kontinent seit 70 Jahren Frieden. Das ist ein beispielhafter Erfolg“, so der Bürgermeister. Er forderte dazu auf, an diesem Tag „an sich heranzulassen“, dass beide Weltkriege Millionen an Opfern bedeuteten. „Wie findet man die Form der Vorstellbarkeit?“, fragte er. Und blickte auf die Abgesandten des Roten Kreuzes, der Reservistenkameradschaft, der Bundeswehr, der VDK-Vertreter, der Feuerwehr und des Musikvereins und Liederkranzes, die mit Fahnenabordnungen gekommen waren. Durch persönliche Familienschicksale werde fassbar, was es bedeutet, „wenn Lebensläufe durch Krieg zerstört werden“. Und es könne nachvollzogen werden, wie es beispielsweise aktuell in Syrien sei. „Der dortige Krieg forderte bislang 400 000 Opfer“. Aus der Mahnung der Vergangenheit solle man Schlüsse für Gegenwart und Zukunft ziehen, forderte Mihm auf.

„Im Einsatz für Frieden“

Gemeinsam wurde zum Kreuz gezogen um dort die Kränze niederzulegen. Musikverein und Liederkranz umrahmten den Volkstrauertag. Pfarrer Tobias Freff beschrieb dort: „Wir sind gefragt im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit.“

Die Flaggen seien an diesem Tag bewusst auf Halbmast gesetzt. Sie erinnerten an die Opfer der Kriege, „aber auch an die Menschen, die heute unter Unrechts- und Gewaltherrschaften Opfer sind.“

Wir brauchen diesen Tag des Respekts für die Opfer.“

Julius Mihm,, Bürgermeister
Blechbläser in Heubach.
Gesang in Waldstetten.
Kranzniederlegung in Lorch.

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