Das Mädchen hinter dem Mythos

  • Weitere
    schließen
+
Eine Gedenkfeier in der Augustinuskirche befasste sich mit der Persönlichkeit Sophie Scholl und ihrem Wirken.

Der Widerstand der Weißen Rose – Gedenken zu Sophie Scholls 100. Geburtstag.

Schwäbisch Gmünd. Wer war Sophie, das Mädchen hinter dem Mythos?“ Die Gedenkstunde in der Augustinuskirche zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl näherte sich der jungen Studentin auf mehreren Wegen: Im Ruhmestempel Walhalla in Donaustauf, wo beim Eingang eine Büste von ihr an die Widerstandsgruppe Weiße Rose erinnert, an Schulen, die nach ihr benannt sind, und auf einer Coronademo. Hinzu kamen Erinnerungen von Menschen, die ihr nahestanden oder in den letzten Stunden nahekamen, und Briefe von Sophie Scholl, aus denen Dekanin Ursula Richter, Jugendreferentin Melanie Reinhardt und Kirchengemeinderat Alexander Relea-Linder am Freitagabend in der Augustinuskirche zitierten. So entstand das Bild einer jungen Frau, die auch rund 80 Jahre nach dem mutigen Widerstand gegen die Nazis in München nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat.

Vielleicht sind es gerade abstruse Vergleiche, die den Unterschied zeigen: Als Jana in Hannover auf einer Bühne stand und „ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten hier im Widerstand bin“ sagte, war die Empörung zurecht groß: Jana darf sich in der Demokratie frei äußern, Sophie riskierte und verlor ihr Leben. Einer der Gründe, warum es eine Schülerin der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule wichtig findet, dass ihre Schule nach der Widerstandsgruppe benannt ist: Weil die Mitglieder Vorbilder sind, vor allem Sophie: „Sie hat sich für andere eingesetzt, sie ist nicht nur dagestanden und hat zugeschaut.“

Nachgezeichnet werden auch die letzten Stunden im Gefängnis Stadelheim, wo ein Seelsorger die Geschwister noch besuchen durfte. Aufrecht und ohne mit der Wimper zu zucken habe sie ihn gebeten, als das Gespräch von einem Wächter beendet wurde, Grüße an den geliebten Bruder auszurichten. Sie hoffte, ihr Tod werde Tausende von Menschen auf- und wachrütteln. Doch „so wenig folgenreich wie Flugblätter und Wandaktionen der Weißen Rose zu ihrer Zeit realistisch betrachtet gewesen sein mögen: Sophie Scholl und ihre Mitstreiter haben durch ihren Widerstand und den Tod die Zukunft eines freien, humanen, guten Deutschlands gerettet – ebenso symbolisch wie beispielgebend.“

Die ältere Schwester Inge attestierte Sophie eine „feine Eigenwilligkeit, gepaart mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl“ – das Unrecht, das der Nationalsozialismus über die Welt brachte, konnte sie nicht hinnehmen. „Ich könnte heulen, wie gemein die Menschen auch in der großen Politik sind“, schreibt Sophie, für die der Widerstand eine Christenpflicht ist, 1940. Ihre Haltung beeindruckt sogar den SS-Obersturmführer und Generalobersekretär Robert Mohr, der Sophie Scholl im Gefängnis verhört: „Dieses Mädel, wie auch ihr Bruder, hat eine Haltung bewahrt, die sich nur erklären lässt mit Charakterstärke, ausgeprägter Geschwisterliebe und einer selten tiefen Gläubigkeit.“

Uta Kabella, Flöte, und Bezirkskantor Thomas Brückmann, Orgelpositiv und Flügel, gaben der Gedenkfeier mit Sonaten von Telemann und Händel und dem „Lied der Sehnsucht“ von David Plüss Tiefe. Birgit Markert

Die Gedenkfeier gibt's auf www.evangelische-kirche-gmuend.de

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL