Es tut gut, wenn der Kirche aufs Dach gestiegen wird

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Zum Erntedankgottesdienst und zum Feiern der Dachsanierung trafen sich die Gläubigen am Sonntag in der Degenfelder Dorfkirche.
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In der Dorfkirche von Degenfeld werden Erntedank und Dachsanierung gefeiert.

Schwäbisch Gmünd-Degenfeld. Zierkürbis und Trauben auf den Simsen der Kirchenfenster. Brot, Gemüse und jede Menge Blumen im Altarraum – die evangelische Dorfkirche in Degenfeld präsentierte sich wundervoll dekoriert zum Erntedankgottesdienst am Sonntag. Jeder hatte sein Scherflein dazu beigetragen, dass der Dankgottesdienst in schmuckem Rahmen stattfinden konnte. Denn es gab gleich zwei Anlässe, die die Gläubigen zu Pfarrerin Judit Steinestel ins Gotteshaus zogen. Neben dem Erntedankgottesdienst stand auch die Gemeindefeier zur Fertigstellung der Dachsanierung auf dem Programm.

Seit April dieses Jahres waren die Handwerker der Kirche im Wortsinn aufs Dach gestiegen. Es stand die Sanierung des Gebälks und der Deckung an, die musste sein, weil statische Arbeiten vonnöten waren. Kirchenpfleger Eberhard Schmid informierte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass insgesamt 376 000 Euro investiert werden mussten. Und die Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen, denn es zeigten sich beim Gerüstaufbau auch Schäden an den bleiverglasten Kirchenfenstern. Diese werden nun noch an der Westseite behoben. Zudem gibt’s eine Holzverschalung für den Turm, um herabfallendem Mörtel zwischen dem Fachwerk Einhalt zu gebieten. Die Besucher des Gottesdienstes und des Gemeindefestes konnten sich anhand von Bildern eine Vorstellung davon machen, was alles auf der Handwerker-Agenda stand. Die Planung und Bauleitung lag bei Diplomingenieur Ulrich Kiener, als Polier auf der Baustelle agierte Hansjörg Kohn von der Kuchener Firma Holzbau Stahl.

Pfarrerin Judit Steinestel dankte im Gottesdienst allen Handwerkern, aber auch Spenderinnen und Spender, die zum Gelingen der Arbeit beigetragen hatten. Nicht zuletzt auch Mesnerin Birgit Kübler, die stets vor den Gottesdiensten dafür sorgte, dass die Besucher eine annähernd vom Baustaub befreite Kirche vorfanden.

Beifall und Jubel

In ihrer Predigt verdeutlichte Pfarrerin Steinestel, dass es nichts schade, wenn der „Kirche ab und zu aufs Dach gestiegen wird“. Im übertragenen Sinn sorge diese für frischen Wind. Und sie ging auf die Bibelgeschichte ein, in der Jesus in einer Synagoge sprach, während es immer wieder ein Knirschen in der Decke gab - bis diese schließlich ein Loch zeigte. Und durch dieses Loch wurde an einem Seil und auf einer Matte liegend, ein Gelähmter von oben ganz sanft zu Jesus hinabgelassen. So wurden die Gläubigen Zeugen, wie Jesus den Gelähmten heilte, und wie der zu Fuß, mit zusammengerollter Matte unterm Arm, die Synagoge wieder verließ, unter dem Jubel und dem Beifall des Volkes. Gerade diesen Beifall und Jubel sollte man angesichts der Gaben haben, die Gott der Menschheit in der Natur schenke, dazu rief die Geistliche auf.

Zudem empfahl sie den Gottesdienstbesuchern, einmal nachts den Blick zum Sternenhimmel zu erheben. Darin liege viel Symbolkraft. Der Himmel sei der Schutzraum, der an Gott erinnere. Und daran, wie klein der Mensch sei.

Der Erntedank-Gottesdienst wurde durch den Kirchenchor unter der Leitung von Organistin Helma Götz sowie von Ilse Bublitz an der Querflöte umrahmt.

Im Anschluss gab es beim gemeinsamen Mittagessen viel Gelegenheit, sich über die einzelnen Schritte der im April gestarteten Dachsanierung zu informieren. Für leckere Waffeln sorgten die Konfirmanden. Mittendrin Ortsvorsteher Hans-Peter Wanasek, der sich mit seinen Degenfeldern über die gelungene Sanierung des Daches freute. So herrschte am Sonntag viel Freude rund um und in der evangelischen Kirche, die bereits 1471 erstmals eine Erwähnung hatte. Wobei die baulichen Ursprünge der heutigen Kirche in das späte elfte Jahrhundert zurückreichen.

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