Den Kriegswirren entkommen

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Viele helfende Hände stehen bereit.
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Schönblick nimmt Mittwochnacht 34 Menschen mit Behinderung aus der Ukraine auf. Nach der Wartezeit und Ungewissheit geht es am Ende ganz schnell.

Schwäbisch Gmünd-Rehnenhof

Der Verwaltungsleiter des Schönblicks, Gerhard Schwemmle, sitzt mit dem Handy in der Hand im Eingangsbereich des Seminarhauses. „Das ist überwältigend!“, meint er. Unzählige Anrufe und E-Mails haben ihn erreicht. Die Menschen erkundigen sich, wie sie Unterstützung bieten können für die 34 ukrainischen Flüchtlinge, die erwartet werden. „Eine riesige Hilfsbereitschaft“, erklärt er.

Nebenan, am nächsten Tisch, sitzt Familie Kuhn. Vater Markus fuhr viele Hilfstransporte nach Osteuropa. „Vierzigmal war ich in Rumänien, einmal in Kiew“, beschreibt er. Und bei diesem einen Mal hat er vor 25 Jahren seine Frau Diana kennengelernt. „Es hat gefunkt“, lächelt die Ukrainerin. So kam sie nach Deutschland. Tochter Larissa sitzt neben ihr. Alle drei werden als Dolmetscher fungieren.

Warten auf die Ankunft

Da kommt der Anruf. „Es dauert noch rund 45 Minuten“, berichtet Gerhard Schwemmle. „Sie sind in Ellwangen.“ So warten sie weiter. Die Schlüssel für die Zimmer, in denen die Flüchtlinge mit ihren Betreuern endlich zur Ruhe kommen können, liegen auf einem Tablett.  Hausmeister Gottfried Gladis hat junge Menschen um sich geschart. Sie leisten momentan ein Freiwilliges Soziales Jahr oder sind im Bundesfreiwilligendienst am Schönblick. Wenn die Erwarteten eintreffen, werden sie tatkräftig helfen. Es soll zügig gehen. Die Menschen mit Handicap sollen schnellstmöglich versorgt werden. Raus aus den engen Transportern, in denen sie seit Montag unterwegs sind. Die Reise führte über die polnische Grenze, durch Deutschland, mit dem Ziel Schönblick. Organisiert vom Dachverband der evangelischen Gemeinden.

Unbürokratisch helfen

„Ich bin froh, dass ich endlich helfen kann“, schildert FSJ-lerin Marlies Bauer. Pascal Sommer neben ihr nickt. „Bei den Nachrichten fühlt man sich macht- und hilflos. Doch jetzt sind wir da und helfen, wo es geht.“

Ortsvorsteher Johannes Weiß ist auch eingetroffen. „Hier geht es um Menschen mit Behinderung und Kinder. Die Schwächsten in der Gesellschaft. Das ist typisch für den Schönblick: Es wird sofort etwas getan. Das ist das, was den Schönblick auszeichnet.“ Er verweist darauf, dass die Anfrage des Dachverbands erst am Sonntagnacht kam. Ob man auf dem Schönblick Flüchtlinge aufnehmen könne? „Montagfrüh gab es die Entscheidung. Sofort starteten die Vorbereitungen“, schildert der Ortsvorsteher. Die Flüchtlinge werden nach ihrer Ankunft in behindertengerecht ausgestattete Zimmer gebracht. Also auch kein Problem für die, die auf den Rollstuhl angewiesen sind.

Ein bisschen Zuhause

Gerhard Schwemmle berichtet, dass sich Chefarzt Jochen Riedel von der Kinder- und Jugendklinik gemeldet habe. Er stehe bereit, wenn medizinische Versorgung nötig ist. Zumal einige Kinder unter den Flüchtlingen sind. „Und eine typisch ukrainische Suppe wurde gekocht. Waltraud Kaufmann gab unserem Koch Ingo Frey das Rezept“, schildert Schwemmle. Überhaupt habe sich der Küchenchef manches Rezept angeeignet, schließlich sollen sich die ukrainischen Flüchtlinge wohl fühlen. „Kartoffel, Fleisch, Gries- und Reisbrei“, erklärt Dolmetscherin Diana Kuhn den ukrainischen Speisezettel.

Sie sind da

Plötzlich stehen alle auf. Die sechs Transporter biegen in die Einfahrt ein. Dann geht alles ganz schnell. Das wenige Gepäck wird sofort ins Haus getragen, die Rollstühle aus den Transportern geholt und für den Einsatz vorbereitet. Gerhard Schwemmle begrüßt die Fahrer kurz. Es gibt ein Lächeln und ein aufmunterndes Schulterklopfen. Binnen Minuten sind alle Flüchtlinge im Seminarhaus. Und wollen nur noch eins: Zur Ruhe kommen.

Ukrainische Farben grüßen die Flüchtlinge.
Rosen als Willkommensgruß.
Zimmerschlüssel liegen parat.
Gerhard Schwemmle (re) begrüßt Fahrer und Dolmetscher.
Viele Rollstuhlfahrer befinden sich unter den Flüchtlingen.
Willkommensgruß in der Landessprache

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