„Denn Gottes Liebe ist endgültig“

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Beim Weihnachtsgottesdienst erinnerte Dekan Robert Kloker daran, dass der Herr eben kein Gott in der Höhe, in fernen Weiten, keine über allem schwebende Macht sei. „Gott wird Mensch. Besser noch: Gott wird Kind“, so der Dekan.
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Am ersten Weihnachtsfeiertag erinnert Dekan Robert Kloker im Heilig-Kreuz-Münster an Gottes letztes Wort. Stimmungsvolle musikalische Umrahmung von Chor und Orchester.

Schwäbisch Gmünd

Die Besucher standen Schlange, um ins Münster zu kommen. Immer schneller füllten sich die Kirchenbänke, coronakonform versteht sich. Andere saßen in ihren Büros oder Wohnzimmers vor dem Computer. Alle hatten dasselbe Ansinnen: Die frohe Botschaft, die im Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag von Dekan Robert Kloker verkündet wurde, live zu hören. Egal, ob im Heilig-Kreuz-Münster oder mittels „Livestream“ in den eigenen vier Wänden.

Gänsehaut-Gefühl erzeugte Sopranistin Johanna Pommeranz mit ihren Soli. Begleitet von den Mitgliedern des Münsterchors mit Kantorin Schwester Ruth Ehrler, Patricia Vogel an der Orgel und unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Stephan Beck. Virtuoser hätte die musikalische Umrahmung des Hochamts im Münster nicht sein können. Nicht zuletzt durch die Mitglieder des Orchesters des Heilig-Kreuz-Münsters. Werke von Georg-Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach erklangen. „Er weidet seine Herde“, „Eternal source of light divine“ und „Let the bright seraphim“ wurden ebenso geboten wie „Ach, mein herzliebes Jesulein“ oder auch „Et exsultativ spiritius meus“ und „Ich steh an deiner Krippe hier“ sowie „Wie lieblich klingt es in den Ohren“ von Bach.

Dazu die passende Optik des Chorraums, hier Strohsterne am großen Weihnachtsbaum, dort rotblühende Weihnachtssterne und Amaryllis in Bouquets, platziert auf goldenem Stoff, der die Stufen hinunter drapiert, zu fließen schien.

Dominierend war die frohe Botschaft, die Kloker bereithielt. Er verwies auf die festen Riten und Abläufe, die das Weihnachtsfest zur verlässlichen Größe am Jahresende werden lassen. Wo Corona „für einen Augenblick beiseite stehen muss, und alles klar, alles gesagt ist“. Weihnachten sei „das große Ja Gottes zu uns Menschen“. „Bedingungslos gültig“, betonte der Dekan. „Es ist ein neuer Anfang. Denn dieses letzte Wort Gottes ist Mensch geworden“, erläuterte der Dekan. Und beschrieb, dass der Herr eben kein Gott in der Höhe, in fernen Weiten, keine über allem schwebende Macht sei. „Gott wird Mensch. Besser noch: Gott wird Kind.“ Somit begebe er sich in unsere Hand, in unsere Abhängigkeit. „Vielleicht ist dies das Konzept Gottes: Er ist ganz mächtig und ganz ohnmächtig zugleich.“

Ein Kind stellt alles auf den Kopf

Kloker beschrieb, was mit einer Familie passiert, wenn ein Kind auf die Welt kommt. „In der Regel stellt das Kind alles auf den Kopf.“ Es habe alle in der Hand. Zwar „vollkommen hilflos und abhängig von der Liebe der Eltern“, aber gleichzeitig unglaublich mächtig. „Der Tagesablauf ist fremdbestimmt, jede Planung erledigt sich von selbst. Die Bedürfnisse des Kindes bestimmen alles.“ Der Dekan stellte fest: „Unglaublich viel Macht hat so ein Kind und gleichzeitig ist es komplett ohnmächtig.“ Doch vielleicht sei gerade dies das Konzept Gottes: „Ganz mächtig und ohnmächtig“. Gott sei damals als Kind im Stall und heute darauf angewiesen, dass wir ihn annehmen, dass wir in seinem Geiste handeln, dass wir ihn in der Welt wach und gegenwärtig halten. „Er ist darauf angewiesen, dass wir sein Wort sind: Gottes letztes Wort. „Und dieses letzte Wort heißt Liebe.“

Kloker zitierte den Theologen Karl Rahner: „Es ist Weihnacht. Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im Fleisch gewordenen Wort in die Welt hineingesagt. Ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist. Und das letzte Wort heißt: 'Ich liebe dich du Welt und du Mensch'.“

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