Der Dorfladen hat eine Zukunft

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Auch wenn coronabedingt etwas anders abläuft als sonst: Der Dorfladen in Waldhausen erfreut sich bei den Bürgerinnen und Bürgern großer Beliebtheit.

Seit der Eröffnung des Dorfladens in Waldhausen sind vier Jahre vergangen. Andreas Mayer und Frieder Wahl stehen der Dorfladen-Genossenschaft vor und ziehen Bilanz.

Lorch-Waldhausen

Eine Frau späht durch das Schaufenster und murmelt: "Darf ich rein?" Als sie zwei Einkaufskörbe neben einem Desinfektionsspender sieht, nickt sie beruhigt, nimmt einen davon und betritt den Laden. Andreas Mayer und Frieder Wahl haben die Szene beobachtet. Die beiden Vorstände der Dorfladen-Genossenschaft stehen vor dem Geschäft in der Bahnhofstraße. "Dieses Jahr schließen wir nicht positiv ab", sagt Mayer, "höchstwahrscheinlich wegen Corona".

Wie viel ins Minus die Bilanz des Dorfladens rutscht, könne er nicht sagen. Aber nach einem "schönen Plus" im Jahr 2019 komme man bei einer gemeinsamen Abrechnung mit 2020 "gerade so auf null". Mayer und Wahl mutmaßen, ob mancher Kunde von den Regularien abgeschreckt wurde. "Momentan dürfen nur sechs Menschen gleichzeitig im Laden sein", erklärt Wahl. Die Anzahl wird über die Einkaufskörbe kontrolliert. Dass dadurch weniger eingekauft wird, sei die eine Sache. Der Lockdown im Frühjahr sei der zweite Grund. "Noch einschneidender ist aber, dass der Laden wegen der Pandemie als Ort der Begegnung wegfällt", sagt Andreas Mayer.

Gerne und oft hätten die Waldhäuser an den Tischen im Laden Platz genommen – "oder bei schönem Wetter auf der Bank vor der Tür", sagt Frieder Wahl. Das ging 2020 nicht. Andreas Mayer spricht konkret das Mittwochscafé an. "Mittwochnachmittags gab es selbst gebackenen Kuchen, da waren immer viele Leute hier." Wahl lacht: "Im Prinzip war das schon eine Art Stammtisch alteingesessener Waldhäuser." Den Kuchen gibt es zwar immer noch. Und zwar als "Freitagskuchen", als normales Produkt zum Einkaufen. "Aber allein an so einem Café-Nachmittag kamen gute 250 Euro in die Kasse", meint Mayer, "die fehlen jetzt natürlich".

Geschweige denn, wie bedauerlich es sei, dass den Menschen das Angebot wegfalle, sich zu treffen. Das war vor genau vier Jahren nämlich einer der wichtigsten Gründe, warum der Dorfladen eröffnet worden war. "Der Laden wird ein Ort der Begegnung sein", hatte die damalige Pfarrerin Viola Schrenk im Dezember 2016 bei der Eröffnungsfeier gesagt. Café, Veranstaltungen und die Möglichkeit des Plauschs mit dem Nachbar machten den Laden neben dem Einkaufen zur wichtigen Anlaufstelle im Ort.

Im Prinzip war das schon eine Art Stammtisch.

Andreas Mayer, Vorsitzender der Dorfladen-Genossenschaft

Doch obwohl vieles wegfällt, betonen die Vorstände: "Der Dorfladen hat eine Zukunft." Man entwickle die Produktpalette weiter, was gut bei den Kunden ankomme. Aktuell stehen Süßwaren der Gmünder Bonbonmanufaktur in den Regalen, eine Zeit lang gab es Knödel im Glas. Und vor Weihnachten wurden echte Christstollen aus Ostdeutschland verkauft. Noch ein Grund: "Unser tolles Verkaufsteam." Die leitende Verkäuferin Patricia Talaschus sei genau wie zwei weitere von Anfang an dabei, erzählt Mayer.

Respekt vor den Menschen

Und gar nicht ginge es ohne die Ehrenamtlichen. Zum Beispiel Heinz und Lore Birker. Die früheren Geschäftsführer des Lebensmittelladens, in dessen Räumen sich der Dorfladen heute befindet, sind zwei von etwa 15 Menschen, die sich beispielsweise um volle Regale kümmern. Organisiert werde der Helferkreis von Angela Veser. "Ihr haben wir viel zu verdanken", sagt Andreas Mayer. Frieder Wahl nickt und ergänzt: "Ich habe großen Respekt vor diesen Menschen, besonders vor den älteren." Der Stadtrat würde sich freuen, wenn sich neue Mithelfer finden würden, "gerne auch jüngere". Er selbst und Andreas Mayer würden den Vorstand weiterführen. Zumindest bis zur nächsten Hauptversammlung, die coronabedingt im Jahr 2020 nicht stattfinden konnte. "Ich hoffe, es klappt im Frühjahr", sagt Mayer. Vielleicht finde sich dann jemand, der Kenntnisse in Betriebswirtschaft hat und gut fünf Stunden in der Woche für das Projekt einsetzen kann. Ansonsten blieben sie am Ball, sagen die Vorstände einhellig.

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