Der FEM-Plan: oben noch Rohbau, unten schon Ausbau

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Hochtechnologie-Besichtigung in Gmünd (Reihe vorne v.l.): Landtagsabgeordneter Tim Bückner, Institutsleiter Andreas Zielonka, OB Richard Arnold, Stadtrat Martin Bläse, Bundestagsabgeordnete Inge Gräßle, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Holger Kaßner, stellvertretender Institutsleiter und ab 2023 Nachfolger von Andreas Zielonka.
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Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut zu Besuch im Gmünder Forschungsinstitut für Edelmetalle (FEM) – der FEM-Neubau soll in Rekordzeit errichtet werden.

Schwäbisch Gmünd. An der Eingangstür hängt im Moment ein Schild: Klingel defekt. Doch drinnen im Gebäude ist Hochtechnologie zuverlässig am Werk. Zu Besuch im Gmünder Forschungsinstitut für Edelmetalle (FEM) ist die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, sie wird von Institutsleiter Andreas Zielonka durch die Labore geführt, um die Arbeit des FEM vorzustellen. Es ist die Visite zum 14-Millionen-Euro-Förderbescheid für das neue „Innovationslabor K15“, der dem Institut Ende Mai bewilligt worden war.

Direkt neben dem Eingang arbeitet ein Bagger an der Baugrube, am kommenden Montag sollen dort die Rohbauarbeiten beginnen, kündigt Andreas Zielonka an. Der Zeitplan war und ist sehr ambitioniert, wegen der Förderung müssen Fristen eingehalten werden: Bis 30. Juni 2023 müsse abgerechnet sein, bis 31. Dezember der Bau fertig, so Zielonka. „Uns ist bewusst, dass wir mit dem Technikausbau beginnen müssen, wenn oben das Dach noch nicht drauf ist“, sagt Zielonka.

Außerdem müssten alle Vergaben bis September in diesem Jahr abgeschlossen sein, fügt er hinzu. Dass die Baukonjunktur schwächer zu werden scheint, könnte dem FEM zugute kommen. Zielonka: „Es gibt positive Signal für uns, weil inzwischen auch Bauprojekte gestoppt werden. Der Preis für Stahlbeton beispielsweise ist zurückgegangen.“

Nicole Hoffmeister-Kraut bekräftigt in Gmünd den politischen Rückenwind aus Stuttgart: „Das FEM ist für unser Land und uns als Standort von großer Bedeutung“, sagt die CDU-Ministerin, die gleich von vier weiteren CDU-Politikern begleitet wird: der Bundestagsabgeordneten Inge Gräßle, Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold, dem Landtagsabgeordneten Tim Bückner und Stadtrat Martin Bläse als Vertreter des Gmünder Gemeinderats. „In Gmünd stehen alle hinter diesem Projekt“, versichert Bläse – „bis auf ein paar Anwohner, aber das gibt sich auch wieder“. Die Anwohner, die sich einen Anwalt genommen haben, um gegen das Projekt gerichtlich vorzugehen, sind Eigentümer in den Wohngebäuden des Mörikepark, die 2018 östlich des FEM errichtet worden sind. 

Im Jahr des 100-jährigen Bestehens, das am 22. September gefeiert werden soll, gibt es einen Wechsel an der Spitze des Instituts. Seit zwei Monaten ist Holger Kaßner (43) in Gmünd, bis zum Ende des Jahres wird er das FEM gemeinsam mit Andreas Zielonka führen und nach und nach dessen Aufgaben übernehmen. „Ich bin begeistert wie am ersten Tag“, sagt Kaßner nach der ersten Einarbeitungsphase. Professor Holger Kaßner ist gebürtiger Münchner, er ist von der Technischen Hochschule Aschaffenburg gekommen, wo er den Studiengang „Modern Materials“ gegründet hatte. „Nach dem Jubiläum werde ich mich nach und nach aus dem operativen Geschäft zurückziehen“, kündigt Zielonka an, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. 

Mit dem Neubau sollen rund 50 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum FEM dazukommen, aktuell arbeiten dort 95 Leute. Noch vor der Fertigstellung des Baus wolle man neue Mitarbeiter hinzuholen, sagt Zielonka. Zur Not werde es eben für eine Weile beengter.

Auf den durch den Neubau hinzukommenden 4500 Quadratmetern will das Institut die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den „Zukunftsfeldern“ Energietechnik, Ressourceneffizienz und digitalisierte Prozesstechnik ausbauen. 

Aus der Krise heraus entstanden

Vor 100 Jahren ist das Forschungsinstitut für Edelmetalle (FEM) gegründet worden, um die damals kriselnde Edelmetallindustrie in der Stadt zu unterstützen. Der „Verein für die Probier- und Forschungsanstalt für Edelmetalle in Gmünd“ eröffnete das Institut samt Laboratorium in der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe an der Rektor-Klaus-Straße. Es sollte die Industrie in Fragen der Untersuchung und Bearbeitung von edlen und unedlen Metallen unterstützen.

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