Bundestagswahl im Wahlkreis Schwäbisch Gmünd-Backnang

Der Kandidaten-Check: Ricarda Lang (Grüne)

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Ricarda Lang (Grüne)

Die Gmünder Tagespost bietet einen Kandidatinnen- und Kandidatencheck zu entscheidenden Themen und stellt die wichtigsten Bewerberinnen und Bewerber aus der Region vor. Hier: Ricarda Lang.

Das bin ich privat: Privat trifft man mich meistens mit einem Buch in der Hand. Oder wenn ich es zeitlich schaffe beim Reiten. Sonst mag ich lange Gespräche bei Wein und lache viel und laut.

Das kann ich gut: Ich bin gut darin, Menschen zu begeistern Und man kann sich auf mich verlassen, wenn ich mich für Menschen einsetze, dann bleibe ich dran, auch wenn es schwierig wird oder Gegenwind gibt.

Daran messe ich meinen Erfolg: Das Ziel guter Politik ist es, die Lebensrealität von Menschen ganz konkret zu verbessern. Und daran werde ich auch meine Arbeit im Bundestag gerade mit Blick auf die Menschen im Wahlkreis messen.

Entweder – oder:

Wein oder Bier? Situationsabhängig

Bahn oder Auto? Bahn

Pop oder Klassik? Pop

VfB Stuttgart oder Bayern München? VfB Stuttgart

Klima

Wie wollen Sie das Ziel "Klimaneutralität" erreichen?

Grundlage unserer Politik ist das Klimaabkommen von Paris. Wir müssen jetzt ambitioniert handeln, um auf den 1,5-Grad-Pfad zu kommen. Dafür werden wir bis 2030 aus der Kohle aussteigen, die Windkraft massiv ausbauen und Solar zum Standard machen. Außerdem investieren wir in Bus und Bahn und schaffen einen klaren Planungshorizont für den Umbau der Automobilindustrie zu Klimaneutralität. Und wir beenden die Massentierhaltung. Dabei ist klar, dass Maßnahmen sozial gerecht gestaltet werden.

Wie schaffen wir es im ländlichen Raum, trotzdem mobil zu bleiben?

Eine schlechte Anbindung im ländlichen Raum ist kein Naturgesetz, sondern Folge der verfehlten Verkehrspolitik der Großen Koalition. Es ist klar, dass das Auto hier auch weiter eine wichtige Rolle spielen wird. Doch wir wollen, dass auch Menschen im ländlichen Raum die Wahlfreiheit zwischen Bus, Bahn, Auto und Rad haben. Deshalb stellen wir den Bundesverkehrswegeplan neu auf, investieren in den Ausbau von Bus und Bahn und schaffen eine sichere Radinfrastruktur auch in unserem Wahlkreis.

Geld, Rente, Steuern

Wie lange werde ich arbeiten müssen, sodass meine Rente reicht?

Wir sind ganz klar gegen eine Anhebung des Rentenalters. Denn das würde insbesondere den Krankenpfleger oder die Bäckermeisterin hart treffen, die körperlich heute schon oft an ihre Grenzen stoßen. Generationengerechtigkeit heißt für mich, dass wir eine sichere Rente bei mindestens 48% in der Gegenwart und der Zukunft garantieren. Dafür schaffen wir die Bürgerversicherung, so dass alle sich gerecht beteiligen, und ergänzen die gesetzliche Rente um einen öffentlich verwalteten Aktienfonds.

Wo setzen Sie den Mindestlohn an – und warum?

Im reichen Industrieland Deutschland arbeiten nach wie vor Millionen Menschen im Niedriglohnsektor. Besonders betroffen sind dabei Frauen, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationsgeschichte. Das ist eine riesige Gerechtigkeitslücke. Jeder Mensch muss von seiner Arbeit leben können und Arbeit muss sich lohnen. Deshalb erhöhen wir den Mindestlohn auf 12€ und stärken die Tarifbindung insbesondere in systemrelevanten Berufen.

Corona

Wenn es nach Ihnen geht: Gibt es eine Impfpflicht für alle?

Je mehr Menschen geimpft sind, desto schneller kommen wir aus der Pandemie und gewinnen unsere Freiheit zurück. Und desto mehr können wir Kinder schützen. Deshalb rufe ich alle auf, sich impfen zu lassen Eine Impfpflicht halte ich nicht für zielführend. Stattdessen brauchen wir eine bessere Impfkampagne, um gezielt Bevölkerungsgruppen anzusprechen, die noch nicht geimpft sind. Zudem sollte das Impfangebot so niedrigschwellig wie möglich gestaltet werden und praktische Anreize gesetzt werden.

Wie kann man es schaffen, dass Kinder und Jugendliche in die Kita oder die Schule können?

Auch hier ist die Impfquote entscheidend. Je mehr Erwachsene geimpft sind, desto besser sind Kinder geschützt. Offene Kitas und Schulen haben für uns absolute Priorität. Denn Kinder haben, auch während der Pandemie, ein Recht auf Bildung. Doch dafür müssen wir sie zu sicheren Orten machen. Hier hat die Bundesregierung zu lange geschlafen. Es braucht regelmäßige Tests sowie mobile Luftfilter an Kitas und Schulen, damit Kinder und Jugendliche geschützt lernen können.

Familie, Wohnen, Soziales

Wie schaffen wir es, neuen Wohnraum zu schaffen, ohne noch mehr Fläche zu versiegeln?

Der zunehmende Druck auf dem Wohnungsmarkt gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Deshalb wollen wir das Grundrecht aufs Wohnen ins Grundgesetz aufnehmen. Um dieses Recht zu garantieren, müssen wir Mieter stärken und neue Wohnungen bauen. Deshalb schaffen wir mit der neuen Wohngemeinnützigkeit eine Millionen zusätzliche bezahlbare Mietwohnungen, schärfen die Mietpreisbremse, fördern den Mietkauf und ermöglichen Mietobergrenzen in Kommunen mit explodierenden Mieten.

Wenn es nach Ihnen geht: Soll es ein Recht auf Homeoffice geben?

Arbeitnehmer sollen in Zukunft stärker über ihren Arbeitsplatz mitbestimmen. Wir setzen uns deshalb schon länger auf ein Recht auf Mobiles Arbeiten haben. Die Pandemie hat uns darin bestärkt. Dabei ist jedoch wichtig, dass die betriebliche Mitbestimmung und der Arbeitsschutz gewährleistet werden. Gerade für Frauen ermöglicht Home Office mehr Vereinbarkeit, kann aber auch zu einer stärkeren Verdrängung ins Private führen. Deshalb muss immer auch ein Arbeitsplatz im Betrieb erhalten bleiben.

Digitalisierung, Breitband

Internetversorgung und Mobilfunknetz sind auf dem Land katastrophal: Wie schaffen wir es, dass wir in zwei Jahren keine weißen Flecken mehr haben im Ostalbkreis?

Eine gute digitale Infrastruktur gehört zur Grundversorgung und sie ist gerade für viele junge Familien entscheidend dafür, ob sie aufs Land ziehen oder nicht. Deshalb werden wir einen Rechtsanspruch auf schnelles Internet einführen. Dafür möchten wir den Zugang zu bestehender Glasfaser erleichtern und Blockaden abbauen. Und wir wollen den Glasfaserausbau zudem massiv vorantreiben, sodass die Vorzüge des Internets von allen Menschen genutzt werden können - egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

Bei der Digitalisierung von Gesundheitswesen, Ämtern und Behörden wird oft der Datenschutz genannt, warum’s nicht geht: Was ist wichtiger Datenschutz oder Digitalisierung?

Datenschutz und Digitalisierung sind keine Widersprüche. Tatsächlich wird der Datenschutz auch gerne vorgeschoben, um von politischem Versagen abzulenken. Im Gesundheitsbereich etwa bietet die Digitalisierung große Chancen, sowohl für die Entlastung der Pflege als auch für eine bessere Versorgung. Per App sollten Patienten z.B. sicher auf den digitalen Impfpass, Gesundheitsinformationen wie die eigene Blutgruppe, die Krankheitsgeschichte oder die neuesten Blutwerte zugreifen können.

Wirtschaft

Wie gelingt die Transformation in die neue Arbeitswelt?

Unsere Arbeitswelt wird sich verändern. Wichtig ist, dass wir diese Veränderungen gestalten. Digitalisierung und Transformation können zu mehr Selbstbestimmung für Arbeitnehmer führen. Durch neue Arbeitszeitmodelle gewinnen wir alle mehr Zeit, Und sie ermöglicht eine gerechte Aufteilung zwischen den Geschlechtern. Gleichzeitig braucht es ein neues soziales Sicherheitsversprechen, mit einem Mindestlohn von 12€, die Stärkung der Tarifbindung und durch Millionen neue Jobs in Zukunftsbranchen.

Was werden Sie für das stark von der Automobilindustrie abhängige Schwäbisch Gmünd tun?

Die Automobilindustrie braucht einen klaren Planungshorizont, wie der Umbau hin zur Klimaneutralität gelingt, auch um nicht international abgehängt zu werden. Nur so können wir Arbeitsplätze erhalten. Die Entwicklung der Batterien der Zukunft sollte als Perspektive für die Branche genutzt werden. Gleichzeitig wollen wir durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Fokus auf Zukunftstechnologien neue Arbeitsplätze im Wahlkreis schaffen und so nachhaltigen und klimagerechten Wohlstand sichern.

Direkt zu den Kandidatinnen und Kandidaten

Dr. Inge Gräßle (CDU)

Tim-Luka Schwab (SPD)

David-Sebastian Hamm (FDP)

Andreas Wörner (AfD)

Dr. Annette Keles (Linke)

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